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Der Israelit · 1890-03-24 · Heft 24 (24.3.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 24 (24.3.1890)
Date
1890-03-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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jw-«mmsrngJiePk 436 sächsischen Kammer zugeftellt worden, ist Herr Rechtsanwalt vr. Paul Werthauer hier, ein sehr ctfrtfler und energischer Bekämpfer des hier leider üppig in die Halme geschossenen Antisemitismus. Man darf auf die Beantwortung der bereits in dieser wichtigen Rechtsfrage der Kammer vorliegenden Interpellation seitens des Herrn Justizministers wohl gespannt sein. Dresden. In der 2. sächsischen Kammer ist an die königl. sächs. Staatsregierung von den Abgeordneten Bebel und Genossen folgende Anfrage gebracht worden: „Ist es wahr, daß seit der an: 1. Oktober 1879 erfolgten Einführung der neuen Gerichtsverfassung kein einziger Referendar jüdischer Konfession den Richtereid erhalten hat, und daß alle Gesuche solcher Referendare, welche nach ihrer Uebergehung beim Justizministerium um Gewährung des Richtereides einkamen, trotz Befürwortung durch die zuständigen Dienstvorgesetzten immer erfolglos waren, ja sogar unbeantwortet blieben? Ferner: Ist es wahr, daß ein jüdischer Referendar im Gegensatz zu den christlichen Referendaren nie eine Jahresrenumeration erhält? Im bejahenden Falle ersuchen wir um Darlegung der Gründe, welche die königliche Staatsregierung im Widerspruch mit den Reichsgesetzen und der Landesverfassung zu einer solchen Praxis bestimmen." — Es ist gewiß von ungemeinem Interesse für die weitesten streife, zu erfahren, wie die sächsische Regierung sich durch die Beantwortung dieser brennenden Frage, die zugleich die Stellungnahme der sächsischen Regierung zu der antisemitischen Hetzbewegung klarlegen wird und muß, aus der Affaire ziehen wird. Ist es ja eine bekannte Thatsache, daß, wiewohl darüber eine gesetzliche Bestimmung wohl nicht bestehen mag, Geschworene den Reihen der jüdischen Staatsbürger Sachsens selten oder nie entnommen werden. Mülhausen, 12. März. Es war im Jahr- 1842, als die oberrheinische philanthropische Geselle schüft, auf die Initiative hochangesehener Männer der Provinz hin, in Mülhausen mit bescheidenen Anfängen eine oberelsässische Gewerbeschule für israelitische Mittellose und Waisen gründete. Heute blickt die Anstalt auf eine Reihe von Jahrzehnten erfolgreichster Thätigkeit zurück; der soeben erschienene Bericht über das Rechnungsjahr 1889 ververmeldet 37 Schüler, und es ist eine Herzensfreude, dem auf Grund mildthätiger Gaben aufgebauten Unternehmen in seinem Wirken und Streben des Näheren zu folgen. Die israelitische Gewerbeschule nimmt in den Reihen der Humanitären Institute unserer Stadt eine recht geachtete Stellung ein. Arme, meist elternlose Knaben von 14—16 Jahren erhalten hier nebst einer religiösen Erziehung ein ausreichendes Maß gründlicher, technisch-wissenschaftlicher Ausbildung nach pädagogisch wohlgeordnetem Schulplan; in körperlicher und geistiger, wie auch in sittlicher Beziehung ist ein allzeit erfreuliches Gedeihen zu konstatiren und gute Ordnung und Disziplin weiß Herr Direktor A. Gimpel (seit 1877 Leiter der Anstalt) so energisch aufrecht zu halten, daß so ziemlich jeder Schüler befähigt ist, dank der tüchtigen Vorbereitung, beim Verlassen der Anstalt sich den Anforderungen tüchtiger Arbeiter mit gutem Erfolg zu unterziehen, sodaß anerkanntermaßen die hervorragendsten Meister unserer Stadt mit besonderer Vorliebe solche Zöglinge zu Lehrlingen wünschen, und die große Anzahl derselben zur vollen Zufriedenheit ihrer Prinzipale daselbst thätig sind, während viele wiederum durch erlangte sichere Selbstständigkeit in: Handwerk als Meister ihrer ehemaligen Vorschule zur Ehre und zum guten Beispiel gereichen. Die Zahl der Schüler muß bei dem steten Andrang von Ansnahmegesuchen von der Freigebigkeit der Spender abhängig gemacht werben, unb ift schon um dieses drängenden Erweiterungsbedürfnisses willen zu wünschen, daß das gute Werk, welches ein erhabenes Interesse der Humanität vertritt, von den Philanthropen, zu welchem Glauben sie auch gehören, immer reichlicher unterstützt werden wird. Vor allem wäre es nur billig, wenn auch die Gemeinden anderer Städte und Dörfer des Oberelsaß, die ja alle am Erfolg der Anstalt auch theilhaben, dem edlen Unterstütznngsbeispiel des Mülhauser Gemeinderaths folgen möchten. Die Rechnungsführung ergibt für das Jahr 1889 ein Mehr von 3448.48 M. als Saldovortrag für das neue Jahr. Setzt man die 10,982 Verpflegnngstage sämmtlicher Zöglinge im verlaufenen Jahr in Rechnung nütjden 13,969.68 M. Ausgaben, so ergibt sich ein Kostenpreis per Schüler und Tag in Höhe von 1.28 M. — Mit einem Dank an Bezirkstag und Gemeinderath, sowie an die edlen privaten Spender schließt der Rechnuugsbericht der Anstalt, welche unter der langjährigen Präsidentschaft des verdienstvollen Herrn Lazarus Lantz gewiß auch fernerhin auf der stattlichen Höhe der Leistungsfähigkeit gehalten werden wird, auf welcher wir sie heute finden. Mainz, 24. März. Wir waren heute wieder in der angenehmen Lage, an das Comit4 der Pekidim und Amarkalim der isr. Gemeinden des heiligen Landes in Amsterdam eine Geldsendung im Betrage von Mk. 1361.55 abgeheu lassen zu können.

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