Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1890)
- Date
- 1890-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- i *v»» * 430 siebzigste Jahr erreichte, seinen Angehörigen und der streng orthodoxen Genossenschaft aber viel zu frühe entrissen wurde, verdient es, daß ihm in diesen den Interessen des orthodoxen Judenthums gewidmeten Blättern ein ehrender Nachruf gewidmet werde. Die allgemeine Trauer, die sich in allen jüdischen Kreisen, speziell aber bei den orthodoxen Parteigenossen des Bethaus Vereins in der Schis f g asse, in welchem Gotteshause er alltäglich nach dem Gebete vor einem auserwählten Kreise von Zuhörern nyt? Vorträge hielt, im großen Maße bemächtigte, kam am Deutlichsten in der großen Theilnahme, welche bei dem Leichenbegängniß durch das zahlreiche Erscheinen seiner Partei-, Bethaus- und Vethamidrasch-Genossen zum Ausdruck kam. Der Verschiedene versäumte cs nicht, trotzdem er Geschäftsmann war und mit des Lebens Schicksal manchmal hart zu kämpfen hatte, jeden Tag einige Stunden dem Thorastudium zu widmen, er war ein täglicher Besucher des tcmon rvn, in welchem er manchmal auch am Sabbat Nachmittag Talmud-Vorträge hielt. Den herben Verlust, den die hiesige orthodoxe Partei durch das Hinscheiden dieses treuen Verblichenen erlitten, brachte Herr Oberrabbiner Spitzer in einem sehr ergreifenden und die Versammlung zu Thränen rührenden nsDn im Trauerhause zum Ausdruck. L .... r. England. Portsea, 18. März. Vorgestern Sonntag fand hier die Wiedereinweihung der hiesigen wezen Renovirung längere Zeit geschlossen gewesenen ungefähr 200 Jahre bestehenden Synagoge statt. Die Feier war eine imposante, und wurde der Weihcakt von Sr. Ehrwürden Herr Rabb. vr. Hermann Adler aus London vorgenommen. Nach dem üblichen dreimaligen Umgänge mit den heiligen Thorarollen unter Absingung von Psalmen und dem Mincha-Gebete bestieg letzterer die Kanzel und hielt die Einweihungsrede, die an Schönheit, Ernst und Eleganz der Sprache nichts zu wünschen übrig ließ. Das Gotteshaus war in allen Räumen gefüllt und befanden sich unter den Awensenden der Bürgermeister, Mitgleder des Stadtraths und andere Honoratioren der Stadt und Umgebung. Tags vorher, am Sabbat, hielt Herr Dr. Adler in der Synagoge des hiesigen königl. Gesängniß eine ernste, wohl durchdachte und zum Herzen führende Ansprache an die israelitischen Sträflinge, sie zur aufrichtigen Rückkehr zum Guten ermahnend, und manche derselben bekundeten unter Vergießen von Thränen die Wirkung, die diese Rede auf sie auszuüben schien und die Reue über ihre Vergehen. Der Herr Rabbiner prüfte auch die Schüler der, Sabbat (Religions)-Schule, so wie die Zöglinge des Seminars mit dem ihm innewohnenden Eifer und Ernst. Zum Schluffe noch die Bemerkung, daß Herr Dr. Adler, dessen Erwählung zum Nachfolger seines in Gott ruhenden, unvergeßlichen Vaters Dr. N. Adler b"w außer Zweifel ist, auf orthodoxem Boden steht und sich von den Wühlereien und Einflüsterungen der Neuerungssüchtigen in keiner Weise beirren lassen wird. Ganz in den Fußstapfen seines lwchseligen Vaters y"j wandelnd, wird er das Banner des unverfälschten Judenthums hoch halten und seines Amtes sicher und furchtlos walten, wozu ihm Gott seinen Segen verleihen möge. Dr. W. Stern. Rußland. Petersburg. Der Minister des Innern, Durnowo, hat dem „Daily Telegraph" zufolge ein neues Gesetz zu weiterer Beschränkung der Rechte der Juden dem Kaiser vorgelegt. Bis jetzt dürfen Juden, wenn sie ein Examen auf der Universität gemacht haben, erbliche Ehrenbürger oder Kaufleute erster Gilde sind, sich auch außerhalb der den Juden im Westen und Südwesten zugewiesenen Gouvernements niederlassen. Dieses Recht soll nun für die Kaufleute ganz abgeschafft werden , während die Studirten und -erblichen Ehrenbürger —. ihre Frauen und Familien nicht mehr sollen mitbringen dürfen! Jetzt können Juden zwar kein Land kaufen oder erben, allein es ist ihnen gestattet, Land zu pachten und Geld auf dasselbe zu leihen. Auch dies soll ihnen jetzt verboten werden. Welche Folgen ein solches Verbot haben würde, kann man sich leicht vorstellen, wenn man bedenkt, daß ein großer Thcil der in Rußland lebenden 6 Millionen Juden sein Kapital in Land angelegt hat. Man hofft noch, daß der Kaiser dieser harten Maßregel seine Zustimmung versagen werde. J-a. B-l. Kischinew. Der hiesige Gymnasialdirektor Herr Alajew ist zuständigen Orts.wegen Errichtung eines speziellen Gebäudes für das ihm unterstellte Institut, vorstellig geworden. Das hätte nun gerade nichts zu sagen, und wir würden dazu auch keine Stellung nehmen, wenn nicht an der Sache etwas Interessantes, weil Originelles wäre: Der verehrliche Herr Direktor macht nämlich zur Deckung der Baukosten, die Verwendung der Ueberbleibsumme der ausschließlich von Juden entrichteten Fleischsteuer, vorschlägig. Nun, das ist, wie der Franzose sagt, ein klein wenig „obarmant", und wäre der Gedanke nicht so verwünscht gescheidt, man wäre versucht, ihn herzlich dumm zu nennen."