Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-03-24 · Heft 24 (24.3.1890) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 24 (24.3.1890)
Date
1890-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448049--29724-2477470
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

431 Bedauerlich ist nur, daß Herr Alajew mit seinen verblüffenden Auffassungen und Projekten, nicht als Unicum dasteht, und viele Sinnesgenossen zählt, deren Zahl — Legion ist. Ja, man muß leider konstalireu, — die höchste frivole Meinung, man könne mit Juden und jüdischem Gelde, so mir nichts, dir nichts, nach Willkür wirthschaften, nimmt unerfreulicher Weise iu unserem Vaterlande sehr überhand. Amerika. Philadelphia. Am 16. Februar verstarb hier Oberst Myr Ash. Als der Secessionskrieg ausgcbrochcn, war der Verstorbene in Europa; er eilte ans patriotischem Pflichtgefühl ins Vaterland zurück, um sich zu dem New-Jersey Cavallerie-Rcgimente zu begeben. Er wurde bald erster Adjutant des General Pope und befehligte eine Zeit lang die Cavallerie des Westens. Hierauf Adjutant des General Kautz in der Potomac - Armee wurde er vor Richmond verwundet und von den Conföderirtcn gefangen genommen. Er war durch die Verwundung zum Dienst untauglich geworden und erhielt mit dem Range eines Obersten seine Entlassung. L. M. Feuilleton. Wartungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Du hättest es auch nicht so lange allein tragen sollen, das war Unrecht. Denn ich hoffe mit Zuversicht, daß es mir gelingen wird, Dich zu überzeugen, daß Du ohne berechtigte Ursache so schwer gelitten hast, daß Dein ganzes Unglück ein imaginäres ist." „O, Papa!" „Höre mich an, Hugo, höre mich ruhig an. — Die Mama hat Dich sehr geliebt — all ihr Streben ging dahin, Dich glücklich zu machen — auch durch jenen Eid, den sie von Dir verlangt, wollte sie Dein Glück fördern — bist Du davon überzeugt?" „G(wiß, o, gewiß, aber —" „Sage mir aufrichtig, hälft Du es für möglich, jenem Schwur in dem Sinne wie die Mama ihn Dich hat schwören lassen, je 'entsprechen zu können?" „Nie und nimmer! — eher würde ich wahnsinnig werden." „Davor schütze Dich Gott! — Du hast also in der schmerzlichen Aufregung jener schweren Stunde einen Schwur auf Dich genommen, dem zu entsprechen ein Ding der Unmöglichkeit ist. — Hättest Du in ruhiger Stunde einen Eid geleistet, dem zu entsprechen Dir unmöglich ist, so hättest Du ein schweres Unrecht auf Dich geladen — daß Du, als fünfzehnjähriger Knabe am Sterbebette Deiner Mutter einer derartigen Ueberlegung nicht fähig warst, das wird kein Mensch Dir übel nehmen und Gott hat es Dir sicher verziehen. Der betreffende Eid hat für Dich keine bindende Kraft." „Papa!" ries der Knabe, es klang wie eine Erlösung und dennoch blickte er zweifelnd zu dem Vater auf. „Einen Eid Dir aufzuerlegen, der Unmögliches von Dir verlangt, war ein Jrrthum der theueren Dahingeschiedcnen. — Doch ihr verklärter Geist hat mit der irdischen Hülle auch sicher alle irdischen Jrrthümer abgestreift, hat erkannt, daß es Lehren irrender Menschen waren, die sie als göttliche betrachtet, die als göttliche zu verehren, sie von Dir verlangt. — In mir lebt die feste Ueberzeugung, daß Du das Andenken derjenigen, die Dich so heiß geliebt hat, nicht besser ehren kannst, als indem Du ihren Jrrthum, durch den Du so sehr gelitten hast, zu vergessen Dich bemühst. — Willst Du das thun, mein theueres Kind?" Hugo war aufgesprungen, leuchtenden Auges den Vater betrachtend; sein Athem ging rasch, sein Busen wogte stürmisch auf und nieder. Plötzlich entstürzte ein Strom von Thränen seinen Augen und laut schluchzend warf er sich au des Vaters Brust. Er weinte heftig und lange, er hatte in den jüngst verflossenen Wochen allzuschwer gelitten, allzuviel hatte sich gehäuft auf sein vor Kurzem noch so jugendfrohes Kinderherz, diese Thränen mußten ihm Erleichterung bringen. Wildau hielt ihn schweigend umschlungen, hin und wieder fuhr seine Hand liebkosend über die thränenfeuchten Wangen des Schluchzenden, während sein sinnender Blick hinüberschweifte zum Fenster, hinaus auf die schneebedeckte Landschaft, die die Strahlen der Sonne wie mit rosigem Hauche überflutheten. Endlich waren Hugo's Thränen versiegt. Dann und wann entrang sich zwar noch ein halbunterdrücktes Schluchzen seiner Brust, aber er bemühte sich bereits mit seinem Tuche die Spuren, die die Thränen zurückgelassen hatten, von seinem Antlitze zu entfernen. „Fühlst Du Dich jetzt besser, liebes Kind?" WWW \V! }■': k:' £1 t \ t ■ r '■ i I! k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.