Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1890)
- Date
- 1890-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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428 von den Anwesenden mitgefühlten Wunsche, daß dem ehrwürdigen Greise noch lange Jahre das Glück beschieden sein möge, in Rüstigkeit seinem Amte vorzustehen Herr Dr. Cahn ließ es sich nicht nehmen, das nun folgende Gebet für den Landesvater selbst vorzutragcn. Nach Recitation der Psalmen 116, 117 und 118 schloß der Synagogenchor mit einem m^n den erhebenden und feierlichen Festgottcsdienst. Rührend war jetzt der Anblick, wie der geehrte Jubilar von allen Seiten, besonders von seinen lieben Kindern, die herzlichsten Gratulationen entgegennahm. Jni Festlokale überreichte Herr Lehrer Weiler aus Wüstensachsen als Senior der Lehrerschaft das Festgeschenk, bestehend in einem eleganten silbernen Sederservice aus der Silberwaarenfabrik Posen Wittwe zu Frankfurt a. M. Der Jubilar dankte mit wenigen aber herzlichen Worten für alle die liebevolle Aufmerksamkeit, die man ihm für den heutigen Tag entgegengebracht, die er aber keineswegs verdient habe, da Pflichterfüllung ja nicht ein Verdienst zu nennen sei. In sinniger Weise knüpfte nun Herr Dr. Cahn eine Betrachtung an das Sederservice, indem er vom baldigen Peßachfeste auf die Festesfeier anspielte, und überreichte dem Jubilar im Namen der Stadt Fulda eine Widmung in Prachteinband. Nachdem das Minchagebet verrichtet war, begann das Festessen, wobei es natürlich nicht an Toasten fehlte. Wir heben zunächst den von echtem Patriotismus durchglühten Toast auf Kaiser Wilhelm II. hervor, den Herr Dr. Cahn ausbrachte. Der Sohn des Jubilars, der Waisenhausdirektor zu Dinslaken, dehnte seine Tischrede zu einer förmlichen rum aus, wies trefflich in seiner Betrachtnng über n'mv und über das strenge Verbot der Einzelzählung Israels auf die darin ausgesprochene Idee der Zusammengehörigkeit unserer Glaubensbrüder in Freud und Leid hin und schloß dementsprechend mit einer Sammlung für «jy. Als ehemaliger Lehrer vergaß der nunmehrige Direktor aber auch nicht, die Verdienste und die hohe Bedeutung der jüdischen Lehrer für Israels Jugend in das rechte Licht zu stellen. Als Vertreter der Enkel des Jubilars feierte in gebundener Rede der 12jährige Jsak Wormser von Zeitlofs die Tugenden des Großvaters, dessen Lebensabend sie noch lange erheitern möchten. Eine Unzahl von Glückwunschschreiben aus Nah und Fern war angekommen und kamen über 40 Telegramme zur Verlesung. Das Tischgebet verrichtete der Jubilar selbst. In ungezwungener, gemüthlicher Unterhaltung blieben nun die Festtheilnehmer in heiterer Stimmung bis spät in der Nacht beisammen. Jeder hatte beim Scheiden das Bewußtsein, einer wahren bw nnet* mso beigewohnt zu haben. Möge unser greiser Seelenhirt das Glück haben noch eine lange Reihe von Jahren, als „stolze Zier" in unserer Mitte zu „blühen" und zu wirken! :r\w n*o ms' nora pns. A. M. in Z. (Auch wir senden Herrn Rabbiner Wormser '"j zu seinem stattgehabten 30jährigen Dienstjubiläum unsere herzliche Gratulation mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, seine segensreiche Wirksamkeit ungeschwächt bis ins höchste menschliche Alter fortsetzen zu können. Die Redaction des „Israelit u. Jeschurun".) Bingen. Die Vorbereitungen des Peßach werden jetzt schon getroffen. Die Mazzothbäcker preisen ihre echtkoscheren mxa, die Spezereigeschäfte ihren Zucker nvO by ibo, die Wein- und Branntweinhändler ihren Wein- und Branntwein rivs by an. Da gibt es manchen Händler, der nur ein gutes Geschäft machen will auf Peßach und weiter nichts für seine Behauptung als Beweis erbringt, als eben diese Bezeichnung: nov t>y iws. Aber noch mehr Käufer gibt es, die sich bei diesen! Beweis beruhigen, ja Viele gibt cs, die all diese Anpreisungen verlachen und von jedem nächstbesten Mazzothbäcker ihre mo, ihren Wein und Branntwein von jedem jüdischen Händler, der ihnen auf Treu und Glauben versichert, daß es sein Wein und Branntwein sei, den er ihnen verkauft, und die ihren Zucker vielfach von jüdischen wie nichtjüdischen Spezereigeschäften beziehen. Theils will man getäuscht sein, theils glaubt man, es gäbe weder koscheren noch nichtkoscheren Zucker rc. Daß .die Bäcker ein gutes Geschäft machen wollen, wer wollte es ihnen verargen! Daß die Leute aber, die rno haben wollen, also nach den Vorschriften unserer heiligen min zubereitetes Brod, so daß jeder pi&’n ttntm ausgeschlossen, so daß wir beruhigt davon essen können, daß die Leute jedem Bäcker Vertrauen schenken, — und was für Bäcker sind es oft, — das ist gewiß einem jeden Jehudi zu verargen. Vier Wochen lang müht man sich redlich ab, um jede Spur von pan aus dem Hause zu entfernen, um endlich am nos my sein Geschirr auf nos ruhig in Gebrauch nehmen zu können und kocht und ißt dann nxv, die wahrscheinlich pvn ist, da oft die allerersten Bedingungen außer Acht gelassen werden, die Herren Mazzothbäcker häufig auch nicht die mindeste Garantie bieten, um ein so großes Vertrauen zu rechtfertigen. Daß zum Weingeschäft, resp. zur Weinproduktion der von der Natur versagte Zuckerstoff durch Hinzufügung gewöhnlichen Zuckers nöthig ist, das ist eine bekannte Thatsache. Daß aber gewöhnlicher Zucker, sei es nun in Form von Kandis- oder des