Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-03-24 · Heft 24 (24.3.1890) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 24 (24.3.1890)
Date
1890-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448049--29720-2477466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

. - ■ - .-LLJ-, LI.. Li.iy, IJ .,J.iJIJUlilL«uuiiJjg^^HeJ^JpiUS. 427 iyijii«l,ii schwächten Gesundheit wegen bis jetzt noch nicht in der Lage war, seine Thätigkeit wieder aufzunchmen. Es wird, wie dies bereits seit Mitte Januar geschehen, auch fernerhin unser eifrigstes Bestreben sein, durch andere gediegene Aufsätze möglichst Ersatz zu bieten. Hoffen wir zu »"pn, daß Er unserem hochverehrten Chef- Rcdacteur die Kraft verleihe, recht bald seine segensreiche Wirksamkeit wieder voll entfalten zu können jon. Anfragen aus unserem Leserkreise, auf welche casuistlsche Entscheidungen zu treffen sind, können auch ferner an uns gerichtet werden, da uns in dieser Hinsicht berufene Männer zur Seite stehen. Wir benutzen die Gelegenheit, wiederholt allen Denen, welche für die Wiedergenesung des theuren Patienten bbznn sind, namentlich aber den vielen Freunden im heiligen Lande, welche täglich an geweihter Stätte seiner im Gebete gedenken, unseren heißesten Dank ausznsprechen. Eine Einzelbeantwortung der vielen uns zugehenden diesbezüglichen Briefe ist uns zu unserm Bedauern aus Mangel an Zeit nicht möglich. Aus der Nhön. Daß auch in unseren kalten Bergen die Herzen noch warm schlagen füralles Gute und Edle, das zeigte sich deutlich bei der Feier des 50jährigen Dienstjubiläums, welches unser verehrter Herr Rabbiner Wormser '"j am 10. März c. zu Gersfeld beging. Gewiß eine höchstseltene Feier! Ist cs doch nur Wenigen vergönnt, bis ins hohe Greisenalter mit jugendlicher Kraft und Ausdauer durch des Allmächtigen Gnade ein so verantwortungsvolles Amt zu bekleiden und treu zu verwalten! So war es denn auch vorauszusehen, daß man zur festlichen Begehung des Ehrentages unseres Herrn Rabbiners sicher auf allgemeine Betheiligung rechnen durfte, wenngleich dieselbe verhältnißmäßig nur sehr kurze Zeit vorher projektirt war. — Schon der Vorabend der eigentlichen Feier hatte die bereits eingetroffenen Festgäste, meist Lehrer des Rabbinatsbezirks, zu gemüthlichem, geselligen Beisammensein im Gasthofe „zum Stern", dem Festlokale, vereint. Es war der Vorgenuß des morgigen Tages. Dieser führte in den frühesten Stunden von Nah und Fern die Lehrer des Nabbinatssprengels und Depntirte fast sämmtlicher Gemeinden an den Festort, wo durch die trefflich organisatorische Thätigkeit des Vorsitzenden vom Festcomite, des Herrn Lehrer Levi zu Riedenberg, bereits alle näheren Vorbereitungen zur Feier in geschickter Weise getroffen waren. Um 11 Uhr begann der Festgottesdienst. Bereits eine Stunde vorher war die höchst geschmackvoll dekorirte Synagoge, ein herrlicher Neubau, bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Spitzen der Behörden, voran der Herr Landrath, die Beamtenwelt, sowie zahlreiche nichtjüdische Ein- und Umwohner Gersfelds hatten sich hier mit den übrigen Verehrern des Jubilars in schöner Einmüthigkeit zu dieser seltenen Feier zusammengefunden. Ein offizieller Festzng zur Synagoge wurde auf ausdrücklichen Wunsch des bescheidenen Jubilars vermieden. Feierliche Stille herrschte im Gotteshause, als die HH. Provinzialrabbinen Dr. Cahn '"j — Fulda und Dr. Munk »"j — Marburg, den greisen Jubilar in der Mitte, eintraten. Der Synagogenchor begrüßte sogleich denselben mit einem gut vorgetragenen »oti ins. Nach Necitation der Psalmen 111 und 112 bestieg Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk die Kanzel, um — in Vertretung seines Kollegen Herrn Dr. Cahn, der wegen Heiserkeit am lauten Reden verhindert war — die Festpredigt zu halten. Und wahrlich, Herr Dr. Cahn hätte keinen würdigeren Vertreter wählen können! In meisterhafter, fast ^ständiger Rede wußte Herr Dr. M. die Aufmerksamkeit der Versammelten zu fesseln, uud gar manches Auge wurde feucht, als der gewandte Redner die volle Bedeutung tzder Feier, als eine gerechte und der Sache würdige, klarlegte. Anknüpfend an die Bemerkung des Midrasch zur Stelle wi Dito 'n des laufenden Wochenabschnittes, daß unter den dreierlei Namen, die dem Menschen beigelegt werden, derjenige der beste ist, den man sich selbst gibt, führte der Redner des weiteren aus, wie wahr und richtig dieser Midraschspruch auf den ganzen Lebenswandel des Gefeierten anzuwenden sei, da der Jubilar ganz aus eigenem Wirken und Streben das geworden, was er heute ist, wie er in seiner Jugend, wo ihm die Sonne des Glückes keineswegs gelächelt, muthig den Kampf mit allen Entbehrungen und Hindernissen ausgenommen und sich so zu einer achtunggebietenden Lebensstellung emporgeschwungen habe. Aber auch bei seinem gesammten amtlichen Wirken habe ihn dieser freudige Schaffensgeist immer beseelt, so daß er stets für die gerechte Sache die gerechten Mittel fand, um iru nnn1?'. nach g öttlichem Willen seinem verantwortungsvollen und pflichtenschweren Berufe vollends gerecht zu werden; n'pba nn ms denn nur vou göttlichem Geiste erfüllt und gestählt ist es ihm gelungen, nicht nur ann ropy* F]DD3i die leichteren Amtspflichten treulich zu erledigen, sondern auch py nttnroi pw ntnro siegreich den Kampf mit den zahllosen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten zu bestehen, wie solche besonders häufig einem Seelsorger unserer Tage unliebsam sich bieten. Redner schloß mit dem tiefgefühlten und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.