Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1890)
- Date
- 1890-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448048--29698-2477443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
machen sollen, um für die irdischen Verhältnisse eine Stütze in uns zu finden, muß in uns fest vorhanden sein, wenn anders unser Leben einen anderen als rein thierischen Werth haben soll. Zu dieser äußeren Seite des Menschenlebens kommt noch die nicht mehr rein irdische, die Seite nämlich, welche das Bindeglied ist zwischen Himmel und Erde. Wir treten ein in das eigentliche Stiftszelt, befinden uns im eigentlichen Heiligthum, wo nur noch der Priester den Dienst verrichtet, wo eine reine, heilige Atmosphäre uns empfängt. Es ist für uns Menschen die Seite unseres Lebens, aus der das grobsinnige, das rein irdische Treiben verbannt ist, wo ein feineres Leben vorherrscht, eine höhere, edlere Lebensanschauung waltet. Da stand im der Räucheraltar, auf welchem Morgens und Abends ein aus feinsten Gewürzen bestehendes Räucheropfer verbrannt wurde, dessen würziger Duft das Heiligthum erfüllte. Es gibt eine Seite des Lebens, die nicht gerade nöthig ist für uns, die aber von jedem doch beachtet werden soll. Es ist das jene Seite, welche die feineren, edleren Empfindungen und Gefühle unseres Herzens, die reinen, edlen Gedanken unseres Geistes, die höhere Auffassung unseres irdischen Strebens im Auge hat. Mehr thun, als die einfache Pflicht erfordert, sowohl für sich, als für Andere; das Leben über die Alltäglichkeit hinausheben, nicht nur gut und rechschaffen denken und handeln, sondern edel und vollkommen sein, das Höchste auf diesem Gebiete anstreben, die Tugend nach allen ihren Verzweigungen üben und ausbilden; wie auf sein Wohl und Glück, auch auf das Wohlergehen der Mitmenschen Bedacht nehmen; wie für sich den Frieden und die innere Harmonie anzustreben, so auch für die Mitwelt Friede» und Harmonie Herstellen: das Alles umfaßt diese Seite des Lebens. Wie nicht nur Gras und Kräuter zur Ernährung und Erhaltung der Geschöpfe die Erde hervorbringt, nicht bloß die nothwendigen Pflanzen, sondern auch tausenderlei farbenprächtige Blumen, die das Auge erfreuen durch ihre Formen und ihre Farbenschönheit, durch ihre große Mannigfaltigkeit jedem besonderen Geschmackc gleichsam Rechnung tragend, die durch ihren herrlichen Duft, der so unendlich verschieden ist in seiner Art, auf die ebenso unendlich verschiedene Beschaffenheit und Anlage der Menschen und Thiere gleichsam berechnet: ebenso dürfen wir uns nicht zufrieden geben mit den Pflichten, deren Erfüllung für alle Menschen eine nothwendige ist, sondern wir müssen so handeln, daß es Wohlgefallen erregt bei den Menschen, daß es wohlthucnd auf uns selbst weiter wirkt. Die Blumen, der Dufttheil, darf nicht fehlen in unserem Leben, wenn es schön und erhebend sein soll, wenn wir am Leben echte, reine Freude haben wollen. Ein zweiter Bestandtheil des mpQ Sun war der Leuchter. Wenn das Licht, der Quell des Glückes und der Freude, unserem Leben nicht fehlen soll, dann muß der Lichtgedanke uns keinen Moment verlassen, daß kein irdischer Besitz, kein irdischer Genuß, kein irdisches Glück von Dauer, daß unseres Körpers Schönheit und Kraft vergeht, unsere Sinne abnehmen, die Freude am Irdischen schwindet, daß nur Eines auf Erden bleibend, nur Eines wahrhaft erfreut und beglückt, des Geistes Wirken, nur dieses von Erfolg ist und nur dieses den Mittelpunkt in unserem Erdenstreben bilden darf. Als Drittes endlich stand der Tisch der Schaubrode im nyio b™, das jständige Brod als Symbol des G o ttv ert rau ens. Alles Ringen und Mühen der Menschen, seien sie hoch oder gering begabt und befähigt, ist umsonst; sie können den waltenden Naturkräften nicht gebieten, können den Sternen nicht befehlen, die Wolken nicht herbeirufcn, selbst nicht die Erde, auf der sie wohnen, die sie als ihr Eigenthum betrachten , beherrschen. Unabhängig vom Willen des Menschen, erfüllen sie ihren Zweck bald dem Menschen versagend, bald in unendlicher Fülle ihre Früchte spendend. Darum lerne der Mensch sich frei machen von Eigendünkel und Selbstvertrauen, lerne aufschauen und Vertrauen fassen zu Gott dem Schöpfer und Spender. Dieses Gottvertrauen bilde im Menschen den Schlußstein, verleihe uns nach gcthaner redlicher Pflicht Kraft und bewahre uns den Gleichmuth des Lebens. Die dritte Abtheilung des bestand aus dem Allerheiligsten. Es enthielt nur die Bundeslade. Aehnlich wie Gott selbst, wenn auch in unserer Mitte weilend, doch erhaben und unerforschlich für uns ist, so muß auch Seine Lehre uns wohl nahe sein, aber für uns etwas Hocherhabenes bleiben, wie sie auch für uns unerforschlich ist, nie ganz und voll erfaßt werden kann. Sie muß über uns stehen, zu ihr müssen unsere Augen aufschauen, als das für uns Anzustrebende. In ihr liegt der Wille Gottes für uns wohl offenbart, wenn wir die hohen Absichten auch nicht immer klar und ganz erkennen. Wie ein Geheimniß ist Gottes Lehre noch heute für uns und noch mehr für die übrige Menschheit trotz der Forschung von Jahrtausenden. Wie des Lebens Geheimnisse und Räthsel von uns nie gelöst werden können, so bleiben auch die geheimen und großen Zwecke dieser Lehre