Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-03-17 · Heft 22 (17.3.1890) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 22 (17.3.1890)
Date
1890-03-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448047--29686-2477430
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gezeigt, in hundert Fällen von einem begnügte man sich mit der Mischehe. Ueberzeugung? Was fördert den Christ im dogmafreien Judenthum mehr als ein Christenthum; die Ueberzeugung ist doch nur denkbar, wenn er sich von seinen bisherigen Glaubenssätzen in seinem Herzen losgesagt hat, und diese Glaubenssätze im Innern zu bekennen, dazu kann ihn doch niemand zwingen. Ein braver, sittenreiner, moralischer Mensch zu sein, dazu braucht er doch nicht das dogmasreie Judenthum aufzusuchen, das lehrt ihn doch auch das Christenthum. Es wird doch kein Christ muthwillig sich die Osfizierskarriöre abschneiden! Wir haben also trotz aller Vergünstigungen, die Herr Stern den Konvertiten bewilligen will, vor dem großen Zuzug keine Angst, aber auch nicht vor dem dogmafreien Judenthum des Herrn Stern, in welchem er alles preisgibt, nur nicht den Rabbiner. Freilich wollen wir dem Herrn Stern den Ruhm gönnen, den Vogel abgeschossen und die höchste Blüthe der Komik ans dem Boden der Religionssragen gezeitigt zu haben. Er darf „Heureka" ausrufen, möge er nun auch dem Zeus eine Hekatombe opfern. Berichtigung. Nr. 19, Artikel „Das dogmafreie Judentum", Z. 4 v. o. soll es Rationalismus statt Nationalismus, u. Z. 34 storror vacui statt vacni heißen. Zeitunßvnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 14. März. Von den Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des heil. Landes in Amsterdam erhalten wir nachstehende Zuschrift zur Veröffentlichung: Bezugnehmend auf den in Nr. 20 Ihrer gesch. Zeitung erlassenen Aufruf der sephardischen Gemeinde in Jerusalem bitten wir alle Wohlthäter Zions ihre für '"n DnD bestimmten Spenden nicht verringern zu wollen, damit die aus denselben betheilten Armen der aschkenasischen Gemeinden, die sich in nicht minder finanziell-mißlichen Verhältnissen wie die sephardische befinden, nicht beeinträchtigt werden. Wir geben uns um so mehr der Hoffnung hin, daß dieser dringenden Bitte allseitig willfahrt werde, als von den für y/t< nno eingehenden Spenden nicht nur die Sephardim in Jerusalem, sondern auch die Aschkenasim und Sephardim der Städte Hebron, Sefat und Liberias stets den ihnen gebührenden Antheil erhalten. Zur Beschaffung von mso haben wir noch eine beträchtliche Summe nöthig, um deren schleungiste Einsendung wegen der Nähe des Peßachfestes hiermit gebeten wird. Brrrgpreppach, 6. März. Ein Bild friedlichen und einträchtigen Zusammenlebens, der drei verschiedenen Confessionen angehörigen Bürger unseres Ortes und seiner Umgebung bilden alljährlich die theatralischen und musikalischen Aufführungen, welche die Zöglinge der hies. israel. Präparandenschule am Purimabend zu veranstalten pflegen. Zu dieser erscheinen nicht nur die Beamten und Familien des Ortes und der Umgebung, ohne Rücksicht auf Stand und Glauben, sondern auch die Geistlichen beider Confessionen, sowie der der Nachbarorte. Mit richtigem Takt verhindert es die Leitung, daß Stücke zur Aufführung gelangen, in welchen jüdische Carrikaturen, bestimmt die altjüdische Sitte und Sprechweise lächerlich zu machen, Vorkommen; wir meinen, derartige Zoten, die leider in vielen Kreisen noch zu sehr üblich sind, sollten überhaupt unterbleiben, auf daß nicht ehrwürdige Sitten und Gebräuche, die mit Gemüth und Verständniß aufgefaßt sein wollen, zum Gegenstände lächerlicher Gaukeleien herabgewürdigt werden. Wir wissen der Leitung hiefür besonderen Dank, daß sie die Kinder vor derartigen Verstößen gegen den Geschmack und die gute Sitte stets zu bewahren weiß. Es gibt doch wahrhaftig unschuldige Humoresken genug, als das ewige Wiederkäuen von „Schalet" und Aehnlichem. Als einst geistvolle Talmudjünger die Lehrweise der Gemara in witzsprühender Parodie umzugestalten sich vermaßen, welches Produkt in geradezu unbegreiflichem Mißverständnis des Zulässigen und Schicklichen noch immer als DnD» in zahllosen Auflagen von polnischen Druckern verbreitet wird, soll der unsterbliche Chasam Sofer jene Schüler von sich gejagt haben, wiewohl die Urheber der geistsprühenden satyrischen Arbeit die Sache sicher von der unschuldigsten Seite aufgefaßt haben. Die Gegenstände unserer Literatur, sowie die von unserer Religion bedingten Bräuche und Uebungen sind von zu heiligem Ernst, als daß es gestattet werden könnte, sie als Folie zur Erregung der Lachmuskeln zu benützen. — Doch, kehren wir nach dieser, durch mehrfache unliebsame Wahrnehmungen uns diktirte Abschweifung zu den gewählten und musterhaften Aufführungen unserer Präparandenschüler zurück. Da war alles so schön, so gemüthvoll und bezaubernd, daß wir, wenn wir auch den strengsten, prüfenden Maßstab anlegen wollten, nur rückhaltslos zu loben vermöchten. Dieses Empfinden beherrschte auch das gesammte anwesende jüdische wie nichtjüdische Publikum, und es erregte lebhafte Zustimmung und Befriedigung, als gegen Schluß der Vorstellungen sich der in weitesten Kreisen hochgeschätzte Herr Pfarrer Schwenk aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.