Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1890)
- Date
- 1890-03-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Leutzendorf erhob und in anerkennenden Worten für die Leistungen der Schule in seinem und seiner Eollegen Namen der Vorstandschaft Dank und Lob für die gebotenen Genüsse spendete. Seinen Worten schlossen sich die Herren Pfarrer Meißner und Bentert an. Der Vorstand, Herr Districtsrabbiner vr. Deutsch, erwiderte schön und angemessen, am Schluffe seiner Rede den Wunsch aussprechend, „daß die harmonische Zusammenstimmung wie sie in diesen Gesängen und Liedern, sowie in diesem schönen geselligen Kreise zu Tage getreten, stets und immer alle Bürger des Ortes und des Vaterlandes erfüllen möge, den Einzelnen zum Segen, der Gesammtheit zum Heil!" Möchte dieser Wunsch sich im weitesten Ausmaße erfüllen! (Auch von Papenburg wird uns von einer am Purim unter Leitung des Herrn Lehrer Schweitzer stattgehabten Kindervorstellung über „Tell" berichtet, in welcher der Leiter wie die Darsteller für die gelungene Aufführung des Stückes reichlichen Beifall gefunden haben.) Berlin. Die Armencommission der hiesigen jüdischen Gemeinde hat nach Ablauf einer Verwaltungsfrist wieder einen Bericht herausgegeben. Die große Menge von Gesuchen ausgewiesener Glaubensgenossen um Reise-Unterstützung machte die Einsetzung eines besonderen Ausschusses nothwendig, welcher im letzten Jahre 47 Parteien mit 106 Köpfen bei ihrer Uebersiedelung nach anderen Ländern unterstützte. Bergen b. Frankfurt a. M. Am 19. v. M. beging die hiesige ältere Männerkrankenkaffe zur Erinnerung ihres 60jährigen Bestehens und zum Andenken an die durch Anregung ihres derzeitigen ersten Vorstehers, des Herrn Lazarus Heß, vollzogene Reorganisation des Vereins eine Feier, deren herrlicher Verlauf auch weiteren Kreisen mitgetheilt zu werden verdient. Nach Abhaltung des pp hbd nv in der Synagoge, versammelten sich von den 65 Mitgliedern des Vereins 55 im Saale des Gasthauses zur schönen Aussicht, um nach Vorlesung und geschehener Unterschrift der neuen Statuten ein gemeinschaftliches Mahl einzunehmen. An den Toast auf Herrn Raphael Heß I., der bereits an der Wiege des Vereins gestanden und welcher durch Unwohlsein verhindert war, dem Feste beizu wohnen, schloß sich eine Reihe von Reden und Toasten an. Der Geist der Eintracht rief eine gehobene Simmung hervor, in welcher der größte Theil der Festgäste bis über Mitternacht hinaus zusammen verblieb. Es seien noch hier als Beweis, daß auch in unserer Gemeinde der Wohlthätigkeitssinn schöne Blüthen treibt, einige Notizen über das Vereinswesen angebracht. Es bestehen dahier noch eine jüngere Männer- und Frauenkaffe, ein Zweigverein des deutsch-israelitischen Kinderheims und ein erst neu gegründeter „Verein zur Gegenseitigkeit", dessen Mitglieder sich die Aufgabe gesteckt, bei.Krankheits¬ und Todesfällen die Pflichten des iDn mb’DJ zu handhaben. H. Ehr mann. Oesterreich. - Ung. Monarchie. Wien, 11. März. In der heutigen Sitzung des Wiener Gemeinderaths benützten die Antisemiten des Gemeinderathes und ihnen voran die Herren Häufler und Dr. Lueger die Berathung über den von der Majorität des Gemeinderathes eingebrachten Antrag, es sei dem verstorbenen Mitarbeiter und Redacteur des kronprinzlichen Werkes „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild", Joseph Weilen, ein Ehrengrab auf dem Central-Friedhofe einznräumen, um ihren Partei-Anschauungen in der ihnen geläufigen Form Ausdruck zu geben. Uebrigens beschränkten sie diesmal ihre Ausfälle nicht allein auf den Semiten Weilen, der übrigens getauft war, sondern übertrugen dieselben auch auf den Bischof Ronay und den Oberhofmeister des Kronprinzen Rudolf, den Grafen Bombelles, was den Gemeinderath zwar verblüffte, ihn aber nicht abhielt, den Antrag mit 50 gegen 10 Stimmen anzunehmen. Rußland. Petersburg. Die Vereinigung der Rechtsanwälte hat neue Bestimmungen über die Verwendung von Gehilfen getroffen, wonach nur Christen sowie Juden, die während der nächsten drei Jahre Christen zu werden versprechen, angestellt werden dürfen. Der Grundbesitzer Fürst Abomelik in Pawlavska hatte vor Jahren Colonisten aufgesordert unter besonders günstigen Bedingungen auf seinen Ländereien Wohnsitz zu nehmen. Unter den Ansiedlern befanden sich auch verschiedene jüdische Familien, in deren Verträgen die Klausel hinzugefügt war, daß sie Häuser zu errichten haben. Jahre verstrichen, die Juden bauten vertragsmäßig die erforderlichen Gebäulichkeiten und erfreuten sich der besonderen Freiheiten und Gerechtsame, die ihnen zugesichert waren. Da übertrug der alte Fürst seine Güter seinem Sohne, welcher die Bedingungen, unter denen sein Vater den Ansiedlern das Land überlassen hatte, für unvortheilhaft fand. Er wollte nun zuerst die Juden, mit denen er am leich-