Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1890)
- Date
- 1890-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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390 Conflict über die principielle Frage, ob Juden im Gemeinderathe über rein katholische Angelegenheiten entscheiden dürfen, ausgewichen. Im politischen Ausschüsse des Agramer Gemeinderathes hatte es nämlich vorher eine rege Debatte über die principielle Frage gegeben, ob an der bevorstehenden Wahl eines Stadtpfarrers die Israeliten und Akatholiken theilnehmen können. Professor Breßtyenßly plaidirte auf Grund des kanonischen Rechtes für den Ausschluß der Israeliten. Professor Krsujavi sprach für die Tbeilnahme aller Confessionen, weil der Gemeinderath eine juristische Person ist. Pfarrer Krapacs bemerkte, alle Akatholiken mitffeu ausgeschlossen werden; in der Praxis gehe man nicht streng vor. Der Ausschuß beschloß, nur denJsraliten das Stimmrecht zu entziehen, die Protestanten und Griechen aber stimmen zu lassen. England. London. In der Sitzung vom 7. März der „Anglo Jewish Association" wurden unter Anderem folgende Mittheilungen gemacht. Die Herren D. Sassoon u. Cie. haben die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß die muhamedanischen Behörden in Bagdad drohen ein in der Nähe der Stadt befindliches jüdisches Gotteshaus zu expropriiren. Die jüdische Gemeinde, welche das alleinige Eigenthumsrecht an das Gotteshaus beansprucht, befürchtet, daß es in eine Moschee umwandelt werde. Die Angelegenheit wurde den „vereinigten Comites der „Association" und „Deputies" überwiesen. Rußland. Petersburg. Die Bewohner von Paulowna, im Bezirk von Nischni-Nowogorod, die größtentheils Korbmacher sind, haben sich an die Regierung mit der Bitte gewendet, daß den Juden gestattet werde, den jährlichen Markt zu besuche n, da die christlichen Händler, mit denen die Petenten jetzt Geschäfte machen, die Preise so in die Höhe getrieben, daß ihnen fast unmöglich wird, den Lebensunterhalt zu schaffen, während die Juden ihnen immer einen angemessenen Nutzen lassen. Diesem Wunsche ist sofort entsprochen worden, und der „Novosti", indem er die Thatsache commendirt, gebraucht folgende denkwürdige Worte: Das Verlangen der Korbmacher von Paulowna gibt wieder einen deutlichen Beweis, daß das russische Volk im Allgemeinen eine bessere Lösung der jüdischen Frage gibt als die antisemitischen Agitatoren und Zeitungen! Würden die jüdischen Kaufleute alle unsere Märkte unbehindert besuchen können, so hätten unsere Industriellen nichts von übermäßigem Nutzen zu fürchten. Die Juden wollen leben, lassen aber auch Andere leben! Griechenland. Athen. Vor einiger Zeit hat sich in der hiesigen jüdischen Gemeinde ein Comite zur Errichtung einer Synagoge gebildet. Durch diesen Bau sollen die in der Hauptstadt zerstreuten Israeliten zu einer Gemeinde vereinigt werden. Viele derselben sind aus dem Orient und von niedrigem Stande. Bis ' jetzt besitzen sie in einem kleinen Häuschen, das in einem der ärmsten Straßen gelegen ist, ein Betlokal. Es ist zu hoffen, daß das Comitö auch bei auswärtigen Glanbcnsbrüdern Unterstützung finden wird. L. M. Türkei. Smyrna. Eines Nachmittags im Februar erschienen zwei harmlos aussehende Griechen auf dem Oberrabbinat dahier, um etwas zu verkaufen — und zwar ein christliches Kind. „Nicht wahr", sagte einer derselben, „in diesem Jahr muß die jüdische Gemeinde von Smyrna den Juden des Reiches das für die ungesäuerten Brode der bevorstehenden Ostern uothwendige Blut liefern?" Der Sohn des Oberrabbiners Herr M. P a k a c c i, der die beiden liebenswürdigen Spitzbuben empfangen hatte, hat sie ein wenig auf die Antwort zu warten. Er ging hinaus und kehrte bald von einem Polizeiagenten und Gendarmen begleitet zurück. Die beiden Verkäufer menschlichen Fleisches, deren teuflische Absichten klar vor Augen liegen, wurden verhaftet und ins Gefängniß abgeführt. Warten wir das Urtheil ab. P a l ä st i n a. Jerusalem, 20. Februar. Die hier wohnenden deutschen Israeliten feiern wie bekannt alljährlich den Geburtstag Se. Mj. des deutschen Kaisers. In Bezug auf die diesjährige Feier gingen dem Vorstande der deutsch - israelitischen Gemeinde folgende zwei Schreiben zu: I. Jerusalem, 15. Februar 1890. Euer Wohlgeboren ersuche ich ergebenst beifolgendes Circular zur Kenntniß der betheiligten Mitglieder der Deutschen-Jüdischen Kolonien bringen zu wollen. Der Kaiserliche Konsul (gez.) Dr. von T i s ch e n d o r f.