Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1890)
- Date
- 1890-03-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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391 II. Den Mitgliedern der deutschen Kolonie zu Jerusalem theile ick ergebenst mit. daß das anläßlich des Geburtstagsfestes Seiner Majestät des Kaisers und Königs abgesandte Glückwunschtelegramm der Deutschen Jerusalem's an Allerhöchster Stelle in Vorlage gebracht worden ist. Im Allerhöchsten Aufträge beehre ich mich, den Deutschen Jerusalem's für diese Kundgebung patriotischer Gesinnung den aufrichtigen Dank Seiner Majestät des Kaisers und Königs ergebenst zu übermitteln. Der Kaiserliche Konsul (gez.) Dr. von T i s ch e n d o r s. Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich R o t t. (Fortsetzung. > Aber bevor Wildau das Haus verließ, begab er sich in die Küche und befahl der alten Liesbeth, während seiner Abwesenheit fleißig nach Hugo zu sehen. Die Alte versprach es und begab sich sofort in das Zimmer, um vor allem den Tisch abzuräumcn. Es war jedoch ein eigenthümlicher Ausdruck, mit dem sie den Knaben betrachtete, der wieder mit geschlossenen Augen im Sessel zurückgelehnt dasaß. — Ob er schlief? — Sie räusperte sich laut, doch er regte sich nicht. Doch bei längerer Betrachtung glaubte sie, seine Augenlider hin unb wieder zucken zu sehen. „Junger Herr!" sprach sie halblaut, indem sie dicht zu ihm hinautrat. Er schlug die Augen auf und blickte fragend zu ihr hinüber, doch er sprach kein Wort, denn in seiner gegenwärtigen Verfassung erschien ihm jede Bewegung, jeder Laut, den er hätte Hervorbringen sollen, als Anstrengung. Die Alte blickte ihn trübe an, die Thränen traten ihr in die Augen, sie mußte diese vor allem mit der Schürze trocknen. Ihm waren die Augen bereits wieder zugefallen, doch sie wußte nun, daß er wach war, und nach kurzem Zögern begann sie von neuem. „Junger Herr — ich habe Ihre gottselige Mama sehr, sehr lieb gehabt — zwanzig Jahre bin ich bei ihr gewesen —" Seine Lippen bebten wie von verhaltenem Weinen. „Mama hat auch sehr, sehr viel von Dir gehalten, Liesbeth", flüsterte er mit Anstrengung. „Gott lohne es Ihnen, daß Sie mir das sagen, junger Herr — ich hab's zwar gewußt — warum denn nicht? — so was merkt man schon — aber daß Sie's auch wissen — Gott sei Lob und Dank! — Da werden Sie's auch nicht für ungut nehmen, was ich Ihnen sagen möchte — das heißt, ich muß es Ihnen sagen, es drückt mir sonst das Herz noch ab — denn ich bin keine von denen, die aus ihrem Herzen eine Mördergrube machen können — ich muß reden können, frei von der Leber weg — sonst müßte ich ersticken." Hugo wußte, wie treu die Alte es meinte; obgleich es ihn durchaus nicht verlangte, zu erfahren, was sie ihm sagen wollte, so zwang er sich doch, ihr einige Aufmerksamkeit zu zeigen. „Was willst Tu mir sagen, Liesbeth", fragte er matt. Aber sie antwortete nicht sofort, eine gewisse Schüchternheit, die ihr sonst nicht eigen, hatte sich ihrer bemächtigt. Wiederholt räusperte sie sich, ohne zu sprechen, endlich, nachdem sie mehrmals mit der Hand über die Schürze gestrichen hatte, begann sie.- „Sehen Sic, junger Herr — wenn ich Ihnen sagen sollte, wie mir heute gewesen ist — als sie sie hinausgetragen haben — Ihre liebe, liebe gottselige Mama —" Ein leises Stöhnen entrang sich der Brust des Knaben — sie besann sich, sie durfte ihn doch nicht noch mehr aufregen — sie fuhr sich mit der Schürze über die nassen Augen und fuhr fort: „Eine brave, fromme Ehristin ist sie gewesen, Ihre liebe, gottselige Mama — und jetzt wird sie belohnt werden, da oben — jetzt wird sie keine Schmerzen mehr haben — jetzt wird sie's gut haben. — Aber, junger Herr — das muß ich Ihnen sagen — Ihr Papa ist auch ein braver, lieber Herr — aber gegen Ihre liebe, gottselige Mama kommt er nicht auf." Hugo preßte die Lippen aufeinander und zog die Stirn in Falten — sie gewahrte es nicht und sprach weiter. „Alsdann, junger Herr — ich darf freilich nichts sagen gegen Ihren Papa — denn warum? — ein braver Dienstbote darf gegen seine Herrschaft nichts reden und gegen keinen Fremden möchte ich auch nichts sagen — eher möchte ich mir die Zunge abbeißeu. — Aber zu Ihnen, Herr Hugo — zu Ihnen muß ich es sagen." Wiederum zögerte sie einige Augenblicke, daun fuhr sie fort. „Als Sie heute heimgekommen sind, Herr Hugo, mit dem Papa — ach, Du lieber Gott! —