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Der Israelit · 1890-03-17 · Heft 22 (17.3.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 22 (17.3.1890)
Date
1890-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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388 diesmal wegen des Nationaltrauertages, der in diesem Jahre durch die Vollendung des Mausoleums eine höhere Bedeutung hatte, auf Montag den 10. März verlegt werden. Nach einer festlichen Speisung der Kinder, bei welcher eine religiöse Ansprache gehalten wurde, folgte nach einem schwungvollen Prolog und einer musikalischen Aufführung der Schüler, ein Festspiel, das von einem Mitgliede des Vorstandes zu diesem Behuf gedichtet wurde. Es wechselten nach dem Minchagebete ernste und heitere Vorträge, und in gehobener Stimmung befriedigt durch die leiblichen und geistigen Genüsse, verließ die vierhundertköpfige muntere Kinderschaar um 8 Uhr Abends den Festsaal. In einem Nebensaal wurde Maariw gebetet, worauf die erhebende! Feier mit einer Verloosung ihren Abschluß erreichte. — Wenn wir noch von einer Purimfeier, welche ein Comitö der Louisenstädtischen Brüdergemeinde am Megilah-Abend veranstaltete, berichten, so geschieht dies um des reichen Ueberschusses, den diese glänzende Festlichkeit brachte, wovon 300 Mk. dem Religionsschulfonds der genannten Gemeinde zufließen. — Eine Beschenkuug armer Kinder mit Anzügen und andern nützlichen Gegenständen, und eine festliche Veranstaltung behufs Gründung einer Feriencolonie mit streng ritueller Verpflegung, findet in nächster Woche statt. Hamburg, 6. März. Eine würdige Feier vollzog sich gestern Abend in der Wohnung des Oberrabbiners Hirsch. Derselbe hält allabendlich Lehrstunden zur Einführung in die Wissenschaft des Talmuds ab, welche sich stets eines zahlreichen Besuches erfreuen. Im Aufträge der regelmäßigen Besucher erschien nun gestern Abend eine Deputation, bestehend aus sieben Herren, geführt von dem Gemeindevorsteher H. Gumpertz, zur Ueberreichung einer Ehrengabe. Nach einer kurzen Ansprache Gumpertz, in welcher er den Gefeierten mit dem Helden des Buches Esther Mordechai (jüdischer Name des Oberrabbiners) verglich, wurde die Adresse verlesen. Dieselbe, künstlerisch ausgeführt, auf Pergament geschrieben, enthält die Namen der die Lehrstunden Besuchenden. Die Adresse ruht in einer prachtvollen blausammtnen Mappe, auf welcher sich die Initialen des Oberrabbiners befinden. Dann wurde von zwei Herren das kostbare Geschenk überreicht; dasselbe besteht aus drei Theilen, welche zum Schmuck der Thorarollen dienen, Krone, Schild und Zeiger, welche aus Gold und Silber gearbeitet sind. Der Gefeierte, sichtlich überrascht und gerührt, erwiderte in gewohnter bescheidener Weise und sprach allen Anwesenden seinen Dank aus. Jni Laufe des heutigen Tages (dem Purimfeste) wurden dem Oberrabbiner noch zahlreiche Geschenke überreicht, unter denen besonders eine poetische Gabe von H. B. Eohn, sowie eine höchstseltene Medaille (vom Jahre 1847), welche anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums des verstorbenen Chacham Bernays geprägt wurde, ein Geschenk von H. Lilienfeld, hervorzuheben sind. Die ganze Feier ist ein beredtes Zeugniß für die Liebe und Hochachtung, die der neue Herr Oberrabbiner Hirsch in seiner Gemeinde genießt. Bremen, 24. Febr. Dr. Theol. M. Schwalb, Prediger an der reformirten Kirche zu St. Martini in Bremen, hat an Arthur S. Weißmann, den Redakteur der Monatsschrift für Literatur und Wissenschaft des Judenthums in Wien ein Schreiben gerichtet, dem wir folgende Stellen entnehmen: Bremen, 24. Feber 1890. Sehr geehrter Herr! Mit Kummer erfahre ich, daß in Oesterreich wie in Deutschland der Judenhaß sich wieder kräftig regt. Daß aber in antisemitischen Kreisen das fluchwürdige Ostermährchen wieder auftreten würde, fände ich, wenn Sic es mir nicht sagten, bis auf Weiteres unglaublich. Hat denn die Freisprechung der armen Dulder von Tißa- Eßlar die Leute nicht von der Ruchlosigkeit der Verleumder überzeugt? Haben denn die Gutachten christlicher Theologen, namentlich eines Franz Delitzsch, die Leute nicht belehrt? Haben denn die „gläubigen" Christen in ihrer Bibel, in „Gottes Worte" noch immer nicht die Gesetze gefunden, die jedem Israeliten unter Androhung der Todesstrafe verbieten, Blut zu trinken oder zu essen? .Wahrlich, es scheint wohl, daß Diejenigen mit der schlimmsten Taubheit behaftet sind, die nicht hören wollen! Vielleicht könnte man sie oder doch einige von ihnen zur Besinnung bringen, wenn man ihnen auf einem Zettelchen, in großen Lettern gedruckt, die betreffenden jüdischen Gesetze, namentlich 1 Mos. 9, 4—6, 3 Mos. 3, 17, 7, 26—27 unter die Augen legte, unter die Nase riebe. Doch — gegen die Dummheit und Bosheit kämpfen von jeher auch die Götter umsonst. Möge Gott sein armes liebes Volk mit besonderem Schutz umgeben und mit neuem Segen beschenken in der kommenden Osterzeit! Dies wünscht von Herzen Ihr ergebener M. Schwalb. Hannover, im März. Es sind mir in der letzten Zeit verschiedene anonyme Zuschriften zugegangen, welche auf meine Aufsätze über den „U. O. B. B." Bezug nehmen. Der wenig liebenswürdige

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