Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1890)
- Date
- 1890-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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387 Gottesstaat dachte, dessen Glieder die Bekenner des Einig-Einzigen sind, das wird wohlweislich verschwiegen. Moltke aus seinen „Reiseerfahruugen in Polen" (1832) muß auch herhalten. „Die Juden werden durch unbekannte Obern zu gemeinsamen Zwecken folgerecht geleitet." Wir haben nur einen „Obern", der in der Bibel als der gemeinsame Vater aller menschlichen Wesen hingestellt wird, den kennen wir, den werden wir nicht verlassen, und der wird uns nicht verstoßen. Unfern Feinden ist er unbekannt, denn hätten sie einen Gott in ihrem Herzen, sie würden erbeben vor seiner strafenden Allgewalt, die sie ergreifen und zur gegebenen Stunde vernichten wird. — „Der jüdische Disraeli" soll behauptet haben, die russische Diplomatie voller geheimer Schrecknisse, vor denen ganzEnropa erbleicht, werde von Jud en organisirt und geleitet. — Was wird der Minister Giers zu dieser Entdeckung sagend Warum ist die nordische Regierung so undankbar gegen die gewiegte jüdische Diplomatie? Daß die Juden kein Handwerk treiben, ist eine alte erbärmliche Lüge, die man so oft wiederholt, bis man sie glaubt. Doch, daß man die Heilige Schrift als Beweis citirt, ist eine erbärmliche Schändung der Heiligthümer, die von allen Monotheisten verehrt werden. Samuel 1, Cap. 13, Vers 19 wird gefälscht. Und eine Fälscherbande wagt es die Namen deutscher Helden zu mißbrauchen. Der erwähnte Vers lautet nach Luthers Uebersetznng: „Es ward aber kein Schmied im ganzen Lande Israel erfunden; denn die Philister gedachten, die Ebräer möchten Schwert und Spieß machen." Es wird nun der erste Theil des Verses angeführt, um zu beweisen, daß die Juden seit uralter Zeit kein mühsames Handwerk treiben wollen. — Da die Ehrfurcht vor Gott und seinem Worte geschwunden ist, so darf es nicht Wunder nehmen, daß die Fürsten, die Minister und die Parlamente verdächtigt werden; sie alle stehen im Dienste des modernen Judenthums; sie Alle sollen aus dem Schand- und Schundblatt Aufklärung holen. „In Wien, Berlin, Paris und London regiert Ebte allmächtige, internationale jüdische Presse", die Spannung, die von Zeit zu Zeit zwischen den Cabinelten zu Tage tritt, ist also nur öffentliche Maskerade. Selbst der Krieg von 1870/71 war nur eine harmlose Finte, um der bethörten Welt Sand in die Augen zu streuen. In Wirklichkeit herzte der deutsche Soldat die französischen Krieger in brüderlicher Liebe, und hatte sein Gaudium daran, daß die dumme Welt an einen ehrlichen Krieg glaubte; denn in Berlin > 7 und Paris regieren doch nur die Juden. Demnächst tritt sogar eine Versetzung ein, indem das gesammte Pariser Ministerium nach hier wandert und die gewiegtesten der hiesigen Regierung ergreifen in der Hauptstadt Frankreichs die Zügel, um einmal Ordnung zu schaffen in den Wirren an der Seine. — Doch der Wahnwitz hat noch immer nicht seinen Höhepunkt erreicht. Man höre und staune. Der englische Jude Montefiore sagte 1848 auf dem Sanhedrin zu Krakau: „Umsonst schaffet JhrStaatsanlehen und Bankerotte —, so lange wir nicht die Zeitungen der ganzen Welt in Händen haben, um die Völker zu täuschen und zu betäuben, bleibt Eure Herrschaft ein Hirngespinnst!" Nichts einfacher als ein Sanhedrin in Krakau zu erfinden und den seligen Montefiore im Jahre 1848 von einer Judenherrschaft reden lassen. Aber nichts niederträchtiger und bodenloser, als ein ehrwürdiges Haupt, das von Fürsten und Vornehmen aller Völker hochgeehrt und ausgezeichnet wurde, dessen Biederkeit einem wilden afrikanischen Fürsten imponirte, nichts verwerflicher als dieser Cynismus, der nicht einmal an den Pforten des Grabes Halt macht. — Nun werden deutsche Männer und Frauen aufgerufen, nicht kalten Herzens mitanzusehen, wie deutsche Mädchen zum Opfer jüdischer Sinnenlust werden, und im „Namen wahrer Humanität und Nächstenliebe" mögen die deutschen „Sklaven" das Weitere besorgen. Unter „den Ketten jüdischen Mammons",, „den Fesseln jüdischen Geistes" schmachtet die Welt, darum läßt die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft diese Flugblätter unbeanstandet circulircn denn die losen Blätter haben doch keine Kraft um Ketten zu reißen und Fessel zu sprengen. A. Berlin, 9. März. Wir hatten heute am Todestage Sr. hochsel. Majestät des Kaiser Wilhelm I. Gelegenheit unserer ehrfurchtsvollen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Es war Religionsschultag, die Jugend war versammelt, um das Wort Gottes zu hören, da war es uns gegönnt vor den Schülern und Schülerinnen im Anschlüsse an das Lebensblid des verewigten Kaisers zur Gottesfurcht zu mahnen und gleich ihm die heiligen Güter der Religion in ernsten und freudvollen Stunden in Ehren zu halten. Doch da jeder frommen Regung eine fromme That folgen müsse, so wurden die Kinder ausgefordert für die Reichswaisenanstalt zu Dietz a. d. L. zu sammelu, auf daß das Andenken des im Reiche der Ewigkeit weilenden Landesvaters den unglücklichen vaterlosen Kindlein zum Segen gereiche. — Die Purimfeier derReligionsschule, die sich sonst dem Purimfest anschließt, mußte