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Der Israelit · 1890-03-13 · Heft 21 (13.3.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 21 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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370 Frankreich. Paris Ein Mitglied der chinesischen Gesandschast in Paris, der als Schriftsteller bekannte General Tschenk-ki-Tong veröffentlichte im „Gaulois" einen „Die Juden in China" betitelten Artikel, dem wir Nachstehendes entnehmen: „Die Juden kamen im zweiten Jahrhundert vor der christlichen Aera unter der Han-Dynastie nach China. Sie theilten uns mit, daß Fremde sie aus ihrem Vaterlande vertrieben hatten, indem man sie außer anderer Unbill zwingen wollte, ihren Glauben zu verlassen. Sie erklärten uns, daß auch sie gleich uns heilige Bücher hätten, daß ihr Gesetzgeber, der ihnen diese Bücher gegeben, ihnen befohlen habe, alle Tugenden zu üben und alle Laster zu hassen, daß er ihnen ferner ausdrücklich befohlen habe, ihre Eltern zu ehren, ihre Nächsten wie sich selbst zu lieben und daß er ihnen absolut verboten, Böses zu thun, ja ihnen sogar vorgeschrieben habe, ihrem Feinde im Unglück Hilfe zu leisten, daß endlich, als sie noch in ihrem Lande weilten, das Gesetz sie verpflichtete, einen gewissen Theil ihrer Ernten ausschließlich Wittwen, Waisen und Fremdlingen zu widmen. Man fand, daß diese ganze Moral sich sehr derjenigen nähere, welche von der Religion des Consucius gelehrt werde. Die Juden fügten hinzu, daß sie nur an einen einzigen Gott glaubten, und daß der Bilderkultus bei ihnen, ebenso wenig wie bei den großen Philosophen, bestehe. Alldies, sowie ihre Speise- und Gesundhektsgesetze erschien sehr gut und sehr logisch, so daß unsere Ahnen sich beeilten, den Juden ohne jede Bemerkung das Bürgerrecht zu verleihen. Sie wohnen auch seit zweitausend Jahren in der schönen Provinz von Ho-Nan, ganz besonders in der Gegend von Kai-Fong-Fu. Wir haben uns niemals über sie zu beklagen gehabt, weil wir ihnen niemals Böses zufügten. Wir haben sie nicht in Ghettos gesperrt, sie sind auch dem Reste der Bevölkerung nicht fremd. Sie unterscheiden sich von derselben durch die Beobachtung gewisser hygienischer Regeln und durch die Feier gewisser Feste, welche sie an die Erlangung ihrer nationalen Unabhängigkeit und an die Verkündigung ihrer Moralgesetze erinnern. Dies genirt uns in gar nichts. China dachte niemals daran, den Juden die Ausübung gewisser Metiers zu untersagen, noch weniger, sie durch Gesetze zu zwingen, ausschließlich vom Trödel oder vom Geldgeschäft zu leben. Sie üben auch alle Professionen aus, und sind Ackerbauer, Arbeiter, Kaufleute, Aerzte. Da überdies ihre heiligen Bücher sie zum Lesen verpflichten, so sind sie im Allgemeinen sehr unterrichtet, was unseren Gelehrten nur gefallen kann. Es ist deshalb nicht selten, daß Juden unsere schwersten Prüfungen bestehen, und die ihnen übertragenen administrativen und politischen Funktionen ausüben. Und bei diesen Prüfungen, wo jeder Kandidat mit seinem Civilstand den Namen seiner Ahnen und seiner Lehrer angeben muß, hat man niemals Jemanden nach seiner Religion gefragt; das sind nur Dinge, die das Gewissen des Betreffenden angehen. Andererseits haben wir niemals eine kleine Zahl von ihnen dessen zu beschuldigen gehabt, daß sie zu viel Vermögen erwerben, daß sie accapariren k. Ich füge hinzu, daß wenn wir solche Vorwürfe zu machen hätten, wir dieselben nicht auf Leute einer bestimmten Race oder Religion specialisiren würden. Denn bei uns müssen die Gesetze ein allgemeines Gepräge haben und auf alle ohne Unterschied des Glaubens oder der Herkunft angewendet werden. Unsere Ahnen haben sozialen Uebeln durch eine ökonomische und politische Hygiene vorgebeugt, während Europa allzu häufig zur sozialen Chirurgie Zuflucht nimmt. In China giebt es keine Antisemiten, weil daselbst religiöser Fanatismus niemals bekannt war. Blicke ich auf die letzten zwei Jahrtausende der menschlichen Geschichte zurück, so sehe ich auf der einen Seite Europa unaufhörlich von Kämpfen zerrissen, die einen wesentlichen metaphysischen Charakter besitzen, während andererseits unser alter äußerster Orient friedlich und still lebt, fern von Diskussionen, die nichts zu lösen vermögen und die stets nur Haß, Krieg und Unheil gestiftet haben. Ich kann also mit Recht behaupten, daß in dieser Frage der Glaubensbekenutnisseund der Rechtebes menschlichen Gewissens ein großer Theil der Bewohner Europas noch nicht so weit gelangt ist, um die Freiheit, wie — in China zu begreifen." Amerika. New-Aork, 17. Januar. In der Congregation „btnw' my" 57. Str. wurde am vergangenen raun Sonntag Abend ein überaus schönes Fest gefeiert. Die Gemeindemitglieder ließen ihrem sehr ehrenwerthen und frommen Präsidenten Herrn Heinrich Richter in Anerkennung seiner zahllosen Verdienste um die Gemeinde eine prachtvoll ausgeführte Resolution überreichen. Dieser Akt gestaltete sich in der Gemeinde zu einem wahren Freudenfest. Herr Davidson, eines der angesehensten Mitglieder dieser Gemeinde, hatte die Ehre dem Gefeierten die Resolution zu überbringcn, wobei er eine schwungvolle herrliche Rede hielt, in welcher er die thatenreiche Wirksamkeit des gefeierten Ehrenmannes schilderte. Diese verfehlte nicht bei der zahlreichen Zuhörerschaft und bei dem

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