Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1890)
- Date
- 1890-03-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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'V^f JW ' «T- ‘i1.: '**£'< 7 I .^ff^ll! ^up?.. Ul. WWMMWW 371 Tageshelden den tiefsten Eindruck hervorzurufen. Die liebenswürdigen Töchter dreier Mitglieder, die Fräuleins Adler, Davidson und Anspacher überreichten Herrn Richter einen kunstvoll gearbeiteten mit Blumen reich gezierten Stuhl und hielten dabei passende Ansprachen, welches jedes Herz erfreute. Nachdem der Vorsänger Herr Hast das nyc 'nyw' yiä gesungen, betrat der Rabbiner der Gemeinde Herr Dr. Meisner die Kanzel und sprach einen Segen für den Gefeierten und seine Familie aus. Bei dem hierauf stattsindenden Festessen brachten die Herren Dr. Meisner, Heller, Jonas Weil, Dr. Drachmann, Goldberg, Buttenwieser, Daniel Richter, Sohn des Gefeierten, und Herr Wolf Toaste aus. Herr Jonas Weil sprach in längerer Rede über das Judenthum im Allgemeinen, in der er insbesondere die traurigen religiösen Zustände bei den meisten amerikanischen Juden wahrheitsgetreu schilderte. Das Fest verlies in der schönsten Weise und wird bei allen Theilnehmern unvergessen bleiben. PH. Kraus. Feuilleton. Wallungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Hugo war bewußtlos zusammengebrochen. Wildau hob ihn in seinen starken Armen und trug den großen Knaben wie ein kleines Kind hinauf in sein Zimmer, wo er ihn der Pflege der treuen Liesbeth übergab, dann eilte er zurück zu der theueren Dahingeschiedenen, die erloschenen Augen ihr zuzudrücken, und dann erst überließ der starke Mann sich seinem Schmerze. Er weinte heftig und lange, sie war die Geliebte seiner Jugend gewesen, wie die seines Mannesalters, nie hatte für eine Andere sein Herz sich geregt, ihm war als könne er ihren Verlust nicht überdauern — doch allmählich gelang es ihm, sich zu fassen. Er gedachte des Knaben, den sie mit Mutterzärtlichkeit gehegt und gepflegt und den auch er als sein eigenes Kind betrachtete und liebte, und dem er nun Ersatz bieten mußte für alle die Zärtlichkeit und Liebe, die das erstarrte Herz der Entschlafenen für ihn gehegt. Er raffte sich auf und begab sich zu dem Knaben, der aus seiner Ohnmacht längst erwacht, sich nun in namenlosen Qualen wand. „Hugo!" rief Wildau mit bebender Stimme. „Papa! Papa!" und laut schluchzend warf er sich in die ihm entgegengestreckten Arme des Eintretenden. Lange hielten beide einander umschlungen. Hugo drückte das zuckende Angesicht an die Brust des Vaters, aber er fühlte heiße Tropfen auf seine Stirn herniederfallen. — Er hatte seinen Vater nie weinen sehen; jetzt wußte er, daß er weinte, und er gelobte sich, ihn zu stützen, ihm Trost zu sein in seinem Schinerze. Das Begräbniß war vorüber. Schmerzgebeugt waren die trauernden Hinterbliebenen heimgekehrt in ihr nun verödetes Heim. Hugo hatte sich fest vorgenommen, stark zu bleiben, dennoch war er am Grabe abermals ohnmächtig zu Boden gestürzt und hatte nicht einmal eine Scholle Erde auf den Sarg werfen können, der das Herz umschloß, das ihn so sehr geliebt. Mildherzige Freunde hatten sich seiner angenommen, hatten ihn gelabt und waren bei ihm geblieben bis nach Beendigung der Begräbnißfcierlichkeit. Der Vater war nicht von seiner Seite gewichen. Der sonst so gesunde, frische Knabe hatte in den letzten Tagen der Krankheit seiner Mutter seiner jugendkräftigen Natur allzuviel geboten, jetzt war die Reaktion eingetreten, die Natur machte ihre Rechte geltend. Und das war es nicht einmal allein. Als sie heimgekommen waren, als Hugo von Wildau unterstützt, den Wagen verlassen hatte, der vor ihrer Wohnung hielt, da war aus dem Nachbarhause ein Knabe hastigen Schrittes auf ihn zugetreten, derselbe schien auf ihn gewartet zu haben, hatte seine Hand ergriffen und dieselbe mit einer gewissen Heftigkeit gedrückt — sie hatten einander angesehen mit überströmenden Augen, ohne ein Wort zu sprechen. Auch Wildau hatte den achtungsvollen Gruß des Knaben mit ernstem Neigen des Kopfes erwidert. „Willst Du Hugo von der anderen Seite ein wenig stützen?" fragte er leise. Der Knabe war gern bereit, und zwischen dem Vater und dem Freunde schwankte Hugo einher, die Stufen hinan, die in das Innere des Hauses führten, bis zu dem Lehnsessel im Wohnzimmer, in den sie ihn niederließen. Der Knabe zog einen Schemel herbei unter die Füße des vollständig Erschöpften, dann wandte er sich mit leiser Frage an Wildau. „Kann ich Ihnen oder Hugo in irgend welcher Beziehung von Nutzen sein, so bitte über mich zu befehlen." Wildau schüttelte verneinend den Kops, dann reichte er ihm die Hand und sagte, „ich danke Dir." Der Knabe verneigte sich und verließ auf den Fußspitzen schleichend, lautlosen Schrittes das Zimmer.