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Der Israelit · 1890-03-13 · Heft 21 (13.3.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 21 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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m mmm >WW Wl11 1 ...j 368 und bei allen christologischen Deuteleien in grammatikalischer und realhistorischer Hinsicht Muster und Beispiel für alle späteren Commentare geworden sind. Eine belehrende Plauderet ist sein „Tag in Kapernaum", von gewissem Interesse seine Vergleichung zwischen dem Stifter der christlichen Religion und Hillel mit Rücksicht auf Renan und Geiger, bedeutsamer noch seine „Jüdisch-arabischen Poesien aus vormuhamedanischer Zeit", und schließlich sind von seinen andern zahlreichen Schriften sein „System der biblischen Psychologie" und die „Physiologie und Musik in ihrer Bedeutung für die Grammatik, besonders die hebräische" zu erwähnen. Unvergänglichen Ruhm erwarb sich Delitzsch durch sein mannhaftes Eintreten gegen die antisemitischen Fälscher und Verleumder, und seine Schriften „Neueste Traumgesichte des antisemitischen Propheten" und „Schachmatt" den Blutlügnern Rohling und I ustu s sind herrliche Betätigungen seiner Wahrhaftigkeit, köstliche Zeugnisse für die Reinheit unserer Lehre. So durfte er sich mit Recht einen „Freund Israels" nennen, und den Preis, den das Judenthum dem großen Gelehrten, dem trefflichen Wahrheitskämpfer an seiner frischen Gruft spendet, wäre ein ungetrübter, wenn der Verblichene nicht gemeint hätte, seine Freundschaft zu Israel in den Dienst missionärer Bestrebungen stellen zu müssen. Die Proselytenmacherei, die bei andern Missionären uns Widerwillen einflößt, erfüllte uns bei einem Franz Delitzsch mit tiefem Schmerze, der sich in seltenes Staunen wandelte, wenn man bedenkt, daß bei diesem Manne jener schwärmerische Zug nicht unlauteren Motiven, sondern reinster persönlicher Ueberzeugung entsprang. Delitzsch übersetzte das neue Testament ins Hebräische und ließ es in zahllosen Exemplaren zumal in Rußland verbreiten, er jubelte, wenn es ihm gelang, irgend eine fragwürdige Gestalt zum Taufbecken zu führen, er redigirte ein Missionsblatt „Saat auf Hoffnung", umsonst, die Saat war eine falsche, die Hoffnung war trügerisch. Delitzsch wähnte, alle lebenden Israeliten belehren und bekehren zu müssen. Er glaubte ein Stückchen Vorsehung auf Erden spielen zu sollen, es war ein Wahn: Delitzsch ist gestorben und das Judenthum lebt! Die letzte Schrift vor seinem Tode waren jene „Ernsten Fragen an die Gebildeten jüdischer Religion!" — Die Fragen waren verfänglich, denn sie enthielten Drohungen nach dem alten Muster: „Und bist Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt!" Der Fragesteller war zu groß, als daß seine Fragen hätten unbeantwortet bleiben dürfen, und sie wurden beantwortet — die zahllosen freudigen Zustimmungen, welche den Streitern für den angefeindeten Glauben aus aller Herren Länder zugingen, bewiesen, daß eine gerechte Sache mit gerechten Mitteln verfochten worden. Doch auch hier versöhnt der Tod die kleine Schwäche eines großen Mannes. Der Ju.denmissionar Delitzsch ward schon bei Lebzeiten belächelt, die Zukunft wird ihn vergessen, der Gelehrte und Wahrheitsfreund Delitzsch wurde schon während seines Lebens bewundert, und auch die kommenden Geschlechter werden ihn verehren. So tritt heute die von ihm gepflegte Wissenschaft, die von ihm vertheidigte jüdische Lehre mit in die Reihe der Trauernden, und so wiederhole ich heute an dieser Stelle die Worte meines „offenen Briefes:" „Die Dankbarkeit ist eine Erbtugend des jüdischen Stammes, und wenn einst eine späte Zukunft der Geisteshelden gedenken wird, welche ihr scharf geschliffenes Schwert gegen Haß und Niedertracht siegreich aus der Scheide gezogen, wird auch der Name eines Franz Delitzsch dankbar genannt werden." Dr. Adolf Blumenthal. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, 28. Febr. Nach der in diesen Tagen veröffentlichten Unterrichtsstatistik für das 1887/88 im Königreich Bayern, gab es in Bayern 90 israelitische Volksschulen. Frankfurt a. M. im Adar. Welchen Grad die Täuschung des jüdischen Publikums durch Fälschung der zur Erfüllung des jüdischen Pflichtenlebens dienenden Gegenstände und Verbreitung solcher Fälschungen erreicht hat, möge das folgende Vorkommniß beleuchten. Von befreundeter Seite wurde mir ein Paar p^'on zugesandt, mit der Bitte dieselben auf ihren Inhalt und ihre äußere Verfassung (dtoi nvans) anzusehen, um einem Betrüge, steuern zu helfen, wie er greller und gemeingefährlicher auf diesem Gebiete wohl noch nie vorgekommen ist. In diesen angeblichen fand ich anstatt der nvans Streifen einer zerschnittenen rnin ")BD- Diese Streifen sind nicht einmal der Breite nach zwischen den Linien aus der min isd herausgeschnitten, sondern der Länge der min mv nach, so daß auf einer Linie des Streifens nur 1—2 Wörter stehen oder nur Theile eines Wortes; denn die ruchlose Hand, die diesen Schurkenstreich verübt, hat ohne viel Zaudern, oft mitten durch die Buchstaben geschnitten. Die Buchstaben der heiligen Gottesnamen D’^npn niör

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