Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1890)
- Date
- 1890-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448046--29657-2477400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,P ,1<» I 4«R||1 V l ^I^>IPW!WM»«W PF^PS WWW! 361 zelten Gottes, die ihr verkünden sollt, oder das noch kürzere: mn tennn, der Neumond ist Euch. Auf das kühne Wort Davids, Gott habe den Mond lediglich für den menschlichen Zweck, der Zeitbestimmung geschaffen, erwidert daher Israel, daß Gott noch größeres gethan, als er noch in Mizrajim uns und unsere Zeit unabhängig vom Gange der Gestirne machte, indem Er zu uns gesprochen mn tnnn. Soweit der Midrasch und seine Erklärung. Wir aber finden hier den Schlüssel zu dem Geheimniß von Israels Ewigkeit und Unüberwindlichkeit. Jedes menschliche Wesen, alle Staaten und Völker sind der Zeit und ihrem Einfluß unterworfen. Israel steht höher als die Zeit, höher als die gigantischen Himmelskörper, deren Bewegungen die Maßstäbe für die Zeit bilden. Als Israel in die Freiheit ziehen sollte nach hundertjähriger Sklaverei, führte der Vater der Menschheit die Führer Israels, Moscheh und Ahron, in der Frühlingsnacht hinaus zum neu erstehenden Mond und sagte ihnen: ddV nn »mn. Dieser Himmelskörper steht scheinbar hoch, unerreichbar hoch über Euch, in Wirklichkeit aber steht Ihr über ihm, Ihr seid nicht an ihn und seinen Gang, Ihr seid nicht an die von ihm gemessene Zeit, sondern lediglich an den Willen dessen gebunden, der dem Mond sein Licht geschenkt und seine Laufbahn vorgezeichnet hat. Die Zeit und ihre Konstellationen, lassen eine Befreiung aus dem Sklavenjoch allerdings undenkbar, unmöglich erscheinen, aber Ihr seid ihrem Banne nicht unterworfen. So wurden wir frei, so blieben wir frei trotz aller Ungunst der Zeiten, weil uns Gottes Gnade hoch über den Strömungen der Zeit und von ihnen unerreichbar unsere Rettung angewiesen hat. Daß wir nicht aufgehen in die Zeit, dafür hat uns Gott Thora und Mizwah gegeben. Die erste Mizwah aber, die Israel noch in Egypten gegeben wurde, war eben Kiddusch Hachodesch, war die Pflicht, den Lauf der Gestirne und das Maaß ihrer Bewegung — das ist die Erklärung des Begriffes: Zeit — zu berechnen, sich aber gleichzeitig die Ueberzeugung zu wahren, daß es nicht den Conseguenzen dieser Berechnungen überantwortet ist. Nur ein Volk, das auf Gottes Adler-Fittigen über die Zeit und ihre Fahrnisse gehoben ist, konnte Träger seines Wortes, konnte Herold der Thora werden.' Deßhalb — lehrt Rabbi Jizchak — hätte die Thora eigentlich mit dieser ersten Mizwah beginnen sollen, sie beginnt aber mit der Schöpfung des gesammten Universums, um seinem Volke die ganze Fülle von Kräften und Geschöpfen zu verkünden, über welche seine liebende Allmacht uns emporgehoben. Und nun vergleiche man mit diesem Ideal die Bestrebungen unserer Tage, die allen Ernstes kein höheres Ziel kennen, als mit der Zeit zu gehen, dem Geist der Zeit Rechnung zu tragen, in der Zeit auf- und unterzugehen, über die wir doch himmelhoch durch Gottes Vorsehung erhoben und erhaben sein sollten. Diesen Jrrthum müssen wir überwinden, wenn es Frühling auch in unseren Reihen werden soll. — Gegen diesen Wahn wird jeder Neumond, wird jeder neue Frühling und seine Boten solange Protest erheben, bis er endlich überwunden sein und sich an uns die göttliche Verheißung erfüllt haben wird: nitte um« Dnso 'd'd. „Wie in den Tagen deines Auszugs aus dem Lande Mizrajim, werde ich es Wunder schauen lassen." (Micha, 7, 15.) Hefieimraty Iran; Delitzsch. Mit Professor Franz Delitzsch, dessen Tod Sie bereits kurz meldeten, ist einer der größten Hebraisten und Orientalisten unseres Jahrhunderts heimgegangen, ein! Bahnbrecher der modernen biblischen Exegese, ein Bewunderer des jüdischen Schriftthumes, eine der mteressantesten Persönlichkeiten der protestantischen Theologie. 1813 in Leipzig geboren, habilitirte er sich im Alter von 29 Jahren an der Universität dieser Stadt und wurde, 33 Jahre alt, als ordentlicher Professor der Theologie nach Rostock, vier Jahre später nach Erlangen und 1867 nach Leipzig berufen, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Schon als dreiundzwanzigjähriger junger Mann veröffentlichte er eine seiner bedeutendsten Schriften, die „Geschichte der jüdischen Poesie", die von einer selten gründlichen Kenntniß der jüdischen Literatur zeugte und von einer frohen und leuchtenden Begeisterung für das Vermächtniß unserer Väter durchglüht war. Es folgten seine „Beiträge zur mittelalterlichen Scholastik unter Juden und Moslemen" (Leipzig 1841), zwei Jahre später die „biblisch-prophetische Theologie." In der Schrift „Jesurun, isagoge in grammaticam et lexicographiam linguae hebraicae" suchte er einen Zusammenhang zwischen dem indogermanischen und semitischen Sprachstamm zu ergründen. In die vierziger, fünfziger und siebziger Jahre fallen seine klassischen Erklärungen zu einzelnen Theilen des alten Testa- 1 mentes, Erklärungen, die trotz einzelner Jrrthümer