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Der Israelit · 1890-03-13 · Heft 21 (13.3.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 21 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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VWWWWMW Sternen besäeten, im milden Licht des Neumonds glänzenden Nachthimmel, der sich unerreichbar hoch über den Häuptern der Sterblichen wölbt, mit den Worten hin: mb mn Knnrv Dieses Neulicht und seine Verjüngung gehört Euch, ist lediglich für Euch da. Unsere Weisen geben diesem Gedanken Ausdruck, wenn sie im Midrasch lehren: .121.1 Dnpivi' m» nry rnn nn vnnn ni» wy bttbi in -112p d’didd nmro hipd 202 dh2i bv Vii onsD2 utw nv ir6 hdk Dnyio^ .D2^> mn ttnnn i"nn nJ2^> „Dieser Neumond istEuch, das ist dasjenige, was geschrieben steht: Er hat den Mond für die Festsetzung der Zeiten geschaffen." (Psalm 104, 19.) Viele Aussprüche hat Moscheh in der Thora unerklärt niedergeschrieben und David kam und erklärte hier: Er hat den Mond zur Festsetzung der Zeiten geschaffen. Sie aber sagten zu David : „Schon als wir noch in Egypten waren, haben wir die Erneuung des Neumonds entgegengenommen, denn so steht geschrieben: Dieser Neumond ist Euch." Dieser Ausspruch des Midrasch erscheint in hohem Grade räthselhaft. Es handelt sich darum, zunächst festzustellen, wo Moscheh hier eine Sache unentschieden gelassen hat und wie diese Unentschiedenheit durch das Citat aus den Psalmen beseitigt wird. Der Schlußsatz dieser Midraschstelle ist für den oberflächlichen Blick vollkommen unverständlich. Rabbi Jakob Ettlinger erklärt diese Midraschstelle in folgender trefflicher Weise, indem er darin den von uns betonten Gedanken ausgesprochen findet. Der einzelne Mensch und selbst die gesammte Menschheit erscheint winzig und verschwindend im Vergleich zu der Erde, die sie trägt, zu dem Himmel, der sie überwölbt und zu den großen Himmelskörpern, die ihre Bahn darin ziehen. Nach menschlicher Anschauung, die das Kleine dem Großen unterordnet, mag es als eine Vermessenheit erscheinen, die mächtigen Himmelskörper als für die Zwecke des Menschen geschaffen zu erklären. Nichtsdestoweniger heißt es in der Schöpfungsgeschichte bei der Einsetzung der Himmelskörper: „Sie sollen als Zeichen, Zeitbestimmungen, für Jahre und Tage dienen." (1. B. M., 1, 14.) Wenn nun hier auch in der Thora die Himmelskörper als menschlichen Zwecken dienend bezeichnet werden, so läßt es die Fassung doch noch unentschieden, ob nicht die eigentliche Bedeutung der Himmelskörper weit über das menschliche Niveau hinausragt. Sie könnten nach dieser Fassung für ganz andere, hohe Ziele geschaffen sein, aber neben¬ 366 bei auch noch den Zweck verbinden als Maß der Zeit, zur Feststellung der Jahre und Tage zu gelten. Aber das Psalmwort: Er hat den Mond geschaffen für die Bestimmung der Zeit, läßt keinen Zweifel mehr darüber, daß die Festsetzung der Zeit, das Motiv, die eigentliche Veranlassung zur Schaffung des Mondes ist. Nachdem diese Thatsache durch den Wortlaut des Psalmwortes feststeht, findet sie unser Midrasch auch in dem Worte mb mn ttnnn enthalten; der Neumond gehört Euch, heißt ja in Wirklichkeit nichts anderes, als er ist für Euch, für Eure Zwecke, zur Festsetzung der Zeit geschaffen. Der Schlußsatz des Midrasch geht aber noch einen bedeutsamen Schritt weiter, indem er in den Worten 02^ mn tnnn noch die erweiterte Bedeutung findet, welche ihnen eine andere Erklärung ausdrücklich beilegt. n»y 2'N2i »i’2 rrn mywb ^>kh£^ n"2pn idn DDmttTp D2Y2 miDD nn “J^Kl INDO ^2X D’iyiD^ nm BHfll YTT.1 wb ODIDK OK ]H DD“)DK DK .D2^> mn „Der Heilige, gelobt sei Er, spricht zu Israel: Ursprünglich lag die Feststellung der Zeiten in Meiner Hand, wie geschrieben steht: Er hat den Mond zur Bestimmung der Zetten geschaffen. Aber für die Folge ist sie eurer Hand, euerem Ermessen übergeben, euer Ja und euer Nein sind entscheidend, denn so heißt es: Dieser Neumond ist Euch." Der Sinn dieses Midrasch beruht auf der im Talmud Rosch Haschanah gelehrten Thatsache, daß die höchste jüdische Gerichtsbehörde jeden Neumond nach localen und momentanen Bedürfnissen festsetzen durfte, ohne Rücksicht auf den plauetarischeu Lauf des Mondes und selbst im Widerspruch mit ihm. So kam und kommt es heute noch vor, daß der der Eintritt des Neulichts um einige Tage früher oder später, als der von uns gefeierte Anfang des Monats, ienn wm, erfolgen kann. Wohl schließt sich diese Festsetzung dem wirklichen Lauf des Mondes möglichst an, ist aber nicht sklavisch daran gebunden und von ihm unabhängig, sobald Rücksichten auf die Erhaltung der Festeszeit, klimatische und andere Umstände, eine solche Unabhängigkeit erfordern. Daraus ergibt sich, daß der eigentliche Zweck des Mondes, die Zeiten festzusetzen, von uns ignoriet werden kann, daß wir mit der Festsetzung unserer Zeiten thatsächlich nicht an den Lauf des Mondes gewiesen sind, sondern daß wir selber unsrer Zeit schaffen, wie das Gotteswort es sagt: DDK iKipD i*w 'n nyo d^k. Das sind die Fest-

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