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Der Israelit · 1890-03-10 · Heft 20 (10.3.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 20 (10.3.1890)
Date
1890-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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358 eine Stunde dauernde Festpredigt, welche bei den Glaubensgenossen sowohl als auch bei den zahlreich vertretenen christl. Mitbürgern unserer Stadt tiefen Eindruck hervorgcrufen hat. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 28. Februar. Ihre Leser werden sich gewiß an unsere in Nr. 9 dieses Blattes veröffentlichte Mittheilung von den unerhörten Skandal in der Gemeinde Lundenburg, wo ein israelitischer Religionslehrer amtirt, der in Civilehe mit einer Christin lebt, erinnern. Die hier erscheinende „Oesterr. Wochenschrift", der diese erstaunliche Nachricht zuerst von mehreren achtbaren Mitgliedern der Lundenburger israel. Gemeinde zuging, und welche in dieser Angelegenheit ein „offenes Schreiben" an das „mährische Landesrabbinat" richtete, hat endlich eine Antwort erhalten, aber nicht, wie zu erwarten, vom „mährischen Landesrabbinate", sondern vom Vorstande der Lundenburger Cnltusgemeinde, oder richtiger gesagt, von dem Vertreter desselben dem HofundGerichtsadvokate'n Dr. Neu mann, welcher in der Form eine Berichtigung den Thatbestand richtig zu stellen versucht, indem er auf Grund des §. 19 des Preßgesetzes die „Oesterr. Wochenschrift" zur Veröffentlichung seiner Berichtigung (?), welche aber in der That eine Bestätigung des skandalösen Vorgangs ist, veranlaßt. Die ganze Berichtigung gipfelt darin, daß der betreffende mit einer Christin in Civilehe lebende Religionslehrer, nicht a u ss chli e ßl i ch Re l i gi o n slehrer, sondern überhaupt als Lehrer, der auch andere Gegenstände unterrichtet, von der Lundenburger Gemeinde angestellt, ferner daß dieser Lehrer schon seit 1867 fungire, aber seit 1875 erst verehelicht sei. Dem Vorwurf, daß ein Mitglied des jetzigen Vorstandes ein Schwager des famosen Religionslehrers sei, und daß diese saubere Gesellschaft, welche einander würdig sei, sich gegenseitig in die Hände arbeite, begegnet der Vertreter des Lundenburger Cultusvorstandes mit dem Hinweise, daß der jetzige Vorstand erst seit Ende 1886, also viele Jahre nach der Verehelichung des Lehrers seine Funktion angetreten, also diesen nicht angestellt, sondern ihn nur in seinem Amte belassen habe, nachdem von keiner Seite eine Klage über dessen Wirksamkeit laut geworden. Wie also Ihre Leser ersehen, ist diese beabsichtigte Berichtigung vielmehr eine authentische Bestätigung dieses nwn Und ein solcher ist die Belastung eines Religionslehrers in seinem Amte, der mit dem Religionsgesetze in Widerspruch lebt und durch seine Verehelichung mit einer Christin als Religionslehrer seinen Glaubensgenossen ein öffentliches Aergeruiß darbietet. Was würden unsere christlichen Mitbürger mit einem Katechesen thun, der öffentlich die Hauptprinzipien ihrer Religion verletzt?! Es hätte gewiß sein letztes Ständlein als Lehrer der Religion geschlagen. Unserer Meinung nach ist nicht nur der ffaubere Religionslehrer, sondern auch der Vorstand zu verurtheilen, der ihn in seiner Stellung beläßt, und der noch die Stirne hat zu behaupten, daß von keiner Seite eine Klage gegen die Amtsthätigkeit dieses Lehrers vorliegt. Die Beschwerden, die in der „Oesterr. Wochenschrift" gegen diesen Lehrer von zahlreichen achtbaren Gemeindemitgliedern von Lundenburg gerichtet sind und die allgemeine Entrüstung, die sich jedem ehrlichen Jehudi über ^diesen öffentlichen Skandal bemächtigt, sind ein lebhaftes und kräftiges Dementi gegenüber der „berüchtigten" Berichtigung des Lundenburger Cultusvorstandes. Wir sind nur begierig, ob das mährische Landesrabbiuat, an welches das obenbenannte „offene Schreiben" gerichtet, noch länger im Schweigen beharren und in diesem, dasselbe auf das höchste compromittirendcn Falle nicht baldigst interveniren und Remedur schaffen wird.! Lö.r. Wien. Die seit dem Dahinscheiden des seligen Rabbinatsassessors H andl vacant gewesene Stelle eines Rabbinatsassessors ist, wie wir von competenter Seite vernehmen, wieder besetzt worden, indem Herr Rabbiner M. Pollak in Holleschau als solcher ernannt und berufen wurde. Dem Herrn Rabbiner Pollak, der mehr als zwei Jahrzehnte in seiner Gemeinde Holleschau segensreich wirkte und sich dort der wärmsten Sympathien und großer Hochachtung erfreute, geht der Ruf eines gediegenen Charakters, vereinigt mit tiefer talmudischer Gelehrsamkeit und echter Religiösität voraus. Derselbe soll, wie wir hören, schon nach den Peßachfeiertagen seine Stelle hier antreten. L ö.r. Wien. Herr Wilhelm Ritter v. Gutmann hat dem hiesigen isr. Taubstummen - Institut eine Spende von fl. 5000 übermittelt. Graz, 3. März. Schon am 13. Febr. d. I. befanden sich, angeklagt der Uebertretung der Ehrenbeleidigung, die Hörer der Technik, Peter Eyermann und Ernst Schneefuß, beide Mitglieder des heurigen Techniker-Ballcomitös, vor dem Einzelrichter Dr. Eugen Müller, indem sie beschuldigt waren, sie hätten am 14. Januar d. I., Abends, den Hörer der Technik Ludwig Ries aus Moskau, obwohl er

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