Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1890)
- Date
- 1890-03-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Keililge ju jt£20 des „Israelit"L„Ieschurun" Zeitnngsuachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Freiburg, 2. März. Wie ein hiesiges Blatt meldet, ist das Studentenkorps „Rhenania" anläßlich der Affatre in der Gambrinushalle, welche das Duell Vering-Salomon zur Folge hatte, suspendirt worden. Freiburg, 4. März. Der akademische Senat hat sich in den letzten Tagen mit der Duellsache Salomon-Vering beschäftigt und eine Reihe strenger Disciplinarstrafen gegen die Betheiligten ausgesprochen. Zunächst wurde, wie schon gemeldet, das Corps „Rhenania" für dieses und das nächste Semester suspendirt; berp Duellgeguer Salamous, stud. Bering, sowie die fünf studentischen Mitglieder des Ehrenrathes, Angehörige der verschiedenen hiesigen Korps, wurden relegirt, das sechste Mitglied des Ehrenrathes, welches seine Studienjahre bereits beendet hat, untersteht der akademischen Gerichtsbarkeit nicht. Ueber weitere Betheiligte find Carcerstrafen verhängt worden. Das Korps „Rhenania" hat in der Presse den Versuch gemacht, sich weiß zu waschen; das Vorgehen des ak. Senats beweist aber, daß dieser Versuch gänzlich mißglückt ist. Hamburg. Am 25. v. M. starb plötzlich der weit über unsere Stadt bekannte Oberkantor des deutsch - israelitischen Synagogenverbandes , Herr L e w a n d o w s k i. Die zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängnisse legte ein beredtes Zeugniß für die allgemeine Beliebtheit des Verstorbenen ab. Das Gefolge bestand aus 40 Wagen und mehrere hundert Fußgängern. Im Trauerhause selbst fand unter Thetlnahme der Spitzen des Synagogenverbandes und der deutsch-israelitischen Gemeinde sowie zahlreicher Freunde und Bekannten eine erhebende Trauerfeierlichkeit statt. Herr Oberrabbiner Hirsch widmete dem so plötzlich Dahingeschiedenen in gewohnter meisterhafter Weise einen warmempfundenen Nachruf. Anknüpfend an die Ueberlieferung des Talmud, daß am heutigen Tage (siebenten,Adar) der Todestag des großen Lehrers Moses sei, wies Redner darauf hin, daß die heilige Schrift demselben als einzigen Nachruf die Worte „Er war ein Knecht Gottes" widme; Moses werde als treuer Diener" bezeichnet. Auch auf den Verstorbenen könne man diese Aussprüche anwenden. .Erwar in seinem Dienste als Cantor ein wahrer Diener Gottes, der seinen Dienst nicht um des materiellen Gewinnes wegen ausübte, sondern der stets von der hohen Bedeutung seines verantwortlichen Berufes erfüllt war. Fragt die hiesige altehrwürdige Gemeinde und ihre Vorsteher, was der Verstorbene ihnen in seiner 38jährigen Thätigkeit als Beamter war, so fuhr Redner mit von Thränen unterbrochener Stimme fort, und die Antwort wird lauten: „Ein treuer bewährter Diener"; fragt die Gattin, der er in mehr als 40jähriger Ehe zur Seite stand, fragt seine Kinder und die Armen und Bedrückten dieser Stadt, denen er ein stets bereiter Helfer in der Noth und Bedrängniß war, was sie in ihm verloren haben und sie Alle werden Euch antworten: Einen treuen und bewährten Diener Gottes, der bis zum Untergang seiner Lebenssonne sich als solcher bewährt hat. Mit einem kurzen Gebet für den Verstorbenen und Trostesworten für die Hinterbliebenen schloß der Herr Oberrabbiner seine tiefempfundene Rede, welche auf alle Anwesenden sichtlich einen tiefen Eindruck machte. — Die Leiche des Verblichenen wurde auf dem israelitischen Friedhof in Ohlsdorf dem Schooße der Erde übergeben. Der Herr Oberrabbiner hatte schon in voriger Woche einer.in Ohlsdorf beerdigten Leiche das Geleite und die letzten Liebesdienste erwiesen. Damit erscheint der seit Jahren in der israelitischen Gemeinde schwebende Beerdigungsstreit in taktvoller und versöhnender Weise geschlichtet. Auch im Langenfelder Beerdigungsverein hatte der Herr Oberrabbiner kürzlich bei einer Festfeier in versöhnendem Sinne, wie es seine Art ist, und hoffentlich nicht vergebens gesprochen. (Hamburger Fremdenblatt.) Leer in Ostfrieslaud. Am 27.Febr. wurde in hiesiger Gemeinde eine neue SeferThora eingeweiht. Der Gottesdienst nahm in in unserem wahrhaft schönen Gotteshause, welches eine Zierde der Stadt ist und zu diesem Zwecke durch Blumen- und Guirlandenschmuck wie durch strahlenden Kerzenglanz geziert war, um 3 Uhr seinen Anfang. Schon vor Beginn war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt und fehlten heute wie bei ähnlichen Anlässen die Angesehensten der verschiedenen Confessionen nicht. Herr cand. phil.Meyer hielt die