Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1890)
- Date
- 1890-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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354 Radosna, im Februar. Wie ich vernehme : ist Herr S i g m. F ü r st, Rabbiner der mn nnw Gemeinde zu Tyrnau, Schwiegersohn des hochgeachteten Rabbiners Salomo« Kutna, Eisenstadt, in Homona als Rabbiner gewählt wurde. Eine bessere Wahl konnte diese Gemeinde nicht treffen, denn Herr Fürst ist ein eifriger Förderer der min rwvi und hat in Tyrnau am diesem Gebiete schon Ersprießliches geleistet. M. Klein. Dänemark. Kopenhagen. Der in weiten Kreisen als echter aufrichtiger Jehudi so hochgeachtete und beliebte Rabbi Moses Goldschmidt wurde am 20. Schewat in seinem 87. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen. Trotz seines hohen Alters fehlte er nie, wenn es galt eine ,-nLv auszuüben; er erfüllte fast bis zum letzten Augenblicke j die drei großen Pflichten, auf denen unsere sittliche! Weltordnung beruht. Im Lehrhause, als vieljäh- J reger wd: der cunap war er nicht allein in letzter | Eigenschaft ungewöhnlich thätig, sondern verstand l es gleichzeitig — wie nur Wenige — Kranke zu [ erquicken, Sterbende die letzte Stunde zu erleichtern { und trauernde Hinter!affene auf die ihm eigene Art j zu trösten. Sein eignes Dahinscheiden war auch ein Erhabenes. Schon vor etwa drei Monaten wurde er in der Synagoge — wo er sich Sommer wie Winter stets mindestens eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes einfand — von einem leichteren Unwohlsein überfallen; dies war sein letzter Weg, er kränkelte seitdem, doch blieb sein Geist bis zum letzten Augenblick ungeschwächt. Als er seine Kräfte schwinden fühlte, wünschte er stets die Mitglieder der 'mn um sich zu haben, sagte als sein Ende herannahte selbst das biv mit, und als man zu ny nwrrn, btnana Dp Np kam, hauchte er seine reine Seele aus. Gar Viele, Viele im Auslande werden sich lebhaft der stets freundlichen und gastfreien Aufnahme erinnern, die ihnen im Hause des Verstorbenen zu Theil geworden, worin er so gern und so treu von seiner ihn überlebenden trauernden Wittwe unterstützt wurde. Reich und Arm empfing man hier gleich liebevoll. Wie viel Gutes ist von diesem echt patriachalischen Hause ausgegangen! Die allgemeine Theilnahme bewies sich daher hier auch bei der Beerdigung, da man in vielen Jahren hier nicht eine solche rv^ gesehen. Hoffentlich wird das Andenken an den edlen Dahingeschiedenen nicht nur ferner seinem einzigen Sohne — von dem er die hot hatte, daß er in seinen Fußtapfen geht — sondern auch vielen ' andern guten Menscherl als Beispiel zu Nacheiferung voranleuchten. n"asun Rußland. In dem kleinen Städtchen Plotel haben zwei arme Juden das große Loos der vom Verein „mm bn" in Jerusalem veranstalteten Lotterie im Betrage von 5000 Rubel gewonnen. Die glücklichen Gewinner, welche streng religiös und der Idee der Kolonisation Palästinas innig ergeben sind, haben nun beschlossen, für den ihnen zugefallenen Gewinn in Palästina Land zu kaufen und sich dort anzusiedeln. Italien. Nom Unter den vom hiesigen Gemeinderathe ernannten Schulinspectoren befinden sich 3 Israeliten und 2 Israelitinnen. S e r b i e u. Belgrad. General Protitz, Mitglied der Regentschaft in Serbien, empfing den hiesigen Rabbiner Dr. Bernfeld in einer längeren Audienz. Der Regent ließ sich über verschiedene Gebote und Sitten des Judenthums Auskunft geben, wofür er ein sehr lebhaftes Interesse zeigte. Namentlich wurden die israelitischen Feiertage besprochen, an denen die Befreiung der jüdischen Soldaten vom Militärdienste gesetzlich bestimmt werden soll. Es ist erfreulich, daß auch die gegenwärtige Negierung die Gleichberechtigung der Juden voll anerkennt. Amerika. New-Aork Der Rabbiner H. P e r e i r a Men des der Spanischen und Portugisischen Gemeinde hat eine neue Methode in's Leben gerufen, um auch die jungen Leute seiner Gemeinde für eine philanthropische Thätigkeit nutzbar zu machen. Er veranlaßte sie, ihm dreimal im Jahre zu den Hauptfesten Gaben einzusenden, um daraus einen Fond zu bilden zur Besoldung eines Lehrers für ausländische Israeliten, zur Errichtung von Schulen und eines Tages-Kinderasyls. Die Neuheit dieses Projectes erregt viel Aufsehen und liegt kein Grund vor an einem günstigen Erfolge zu zweifeln. L. M. Feuilleton. Wartungen. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Von Woche zu Woche nahmen Frau Wildau's Kräfte ab, sichtlich schwand sie dahin, bald war sie nicht mehr im Stande, das Bett zu verlassen. Wildau und Hugo umgaben sie mit der liebe-