Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1890)
- Date
- 1890-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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»WMWW WWW 353 wider diejenigen, welche ohne die ordentliche Bestellung eine Trauung vornehmen, eine neue strafrechtliche Bestimmung im gesetzlichen Wege erlassen werde, und es sei eonform mit der Resolution des Abgeordnetenhauses gleichfalls die k. k. Regierung aufzufordern, die Errichtung von Anstalten -zur Heranbildung israelitischer Religionslehrer und Rabbiner zu fördern. Wien. Die „Wiener Korrespondenz" meldet, daß Baron Hirsch angesichts der Schwierigkeiten, welche der Activirung seiner bekannten Millionen- Stiftung für Galizien von Seiten der Behörden bereitet werden, das angelegte Kapital von zwölf Millionen Gulden für andere wohlthätige Zwecke, und zwar für israelitische Institute in Wien verwenden wolle. Rach anderen Mittheilungen, die uns zuverlässiger erscheinen, sind die schon oft erwähnten Hindernisse, welche der Activirung dieser Stiftung in Galizien entgegengestellt werden, allerdings noch nicht behoben worden, der Stifter denke jedoch keineswegs daran, seine Spenden einem andern Lande zuznwenden, da die Hoffnung besteht, daß die oberen Instanzen in Folge des ergriffenen Rccurscs die bestehenden Schwierigkeiten beseitigen werden, welche in dem vom Stifter geplanten iuterconfessionellen Charakter der in Galizien zu errichtenden Schulen, sowie in der Zusammcnsetzuug des Curatoriums bestehen. Szilügy Gomlyo, 7. Febr. Am imip i"d waren wir Zeugen einer seltenen mso bv nnctc'. Aus Anregung unseres geliebten Oberrabbiners Herrn Mos es Ch. R o s enb au m vereinigten sich im vorigen Jahre die nnn unserer Gegend zu einer rw2n cw, deren Tendenz cs ist, das Forschen in der heiligen Gotteslehre zu befördern und überhaupt minn pp onr6. Gestern versammelte sich die ansehnliche Zahl der hiesigen min hidiI? und die Mitglieder dieses schönen Verbandes aus den nah und fern gelegenen Ortschaften, um das schöne Fest eines o“wn cro zu feiern. Rach Miucha ging der eigentliche dvd vor sich, worauf der Oberrabbiner einen anderthalb Stunden währenden äußerst gelungenen Vortrag hielt, in welchem er einen scharfsinnigen p^n vortrug und dann in zündender Rede die traurigen Verhältnisse unserer Zeit schilderte und schließlich seiner Freude Ausdruck gab über die große Theilnahme an diesem schönen Feste, in welcher er eine Garantie für die Zukunft erblicke. Bei der hierauf veranstalteten n>2Q nwpv fehlte es nicht an herrlichen Pilpnlwie auch Agada-Vorträgen. Während des Mahles spendeten die anwesenden Gäste größere und kleinere Beträge zu Gunsten der hiesigen 80 Mitglieder zählenden Jeschibah, die man zu den Muster-Jeschibahs Ungarns zählen darf. Erst nach Mitternacht trennte sich die nur aus d’cdd n*abn bestehende Gesellschaft mit dem Vorhaben, dasvon unserem Oberrabbiner ausgegebene Losungswort: iroy 'ja -zn npinroi ipn* nach besten Kräften zur Geltung zu bringen, und mit der Ueberzeugung ein bei uns noch nie gesehenes Freudenfest der min mitangewohnt zu haben. HP3D. Ans Ungarn. Die Pester isr. Cultusgemeinde, welche gleich allen anderen Kirchengemeinden eine städtische Subvention, und zwar in der Höhe von 8000 fl., bezieht, ist unter Hinweis auf die starke Steigerung der Gemeinde-Erfordernisse um eine Erhöhung des städtischen Zuschusses auf 12.000 fl. eingeschritten. — Am 29. Febr. wurde in der Gemeinde Reihe die Thür der Synagoge gesprengt. Der bisher unbekannte Thäter trug eine bedeutende Menge Stroh ans die Gallerie, kratzte den Mörtel vom Plafond ab, damit das Rohr und die Bretter frei zu liegen kamen und zündete dann das Stroh an. Zum Glück war dies um halb 6 Uhr Morgens geschehen; man nahm den Brand rechtzeitig wahr und die freiwillige Feuerwehr rettete das Gotteshaus von der Einäscherung. — In Duna-Földvür starb dieser Tage der älteste Bewohner des Ortes der 102jährige Philipp Bergt. Er war der reichste Mann in der Stadt, zog sich aber am Ende der sechziger Jahre von den Geschäften zurück, nachdem er fetu Vermögen unter seine vier Söhne vertheilt und sich so viel behalten hatte, als er brauchte, um bescheiden leben zu können. Lemberg. Wie die dahier erscheinende Zeitschrift mn pirio mittheilt, wurden jüngst im Aufträge des Ministeriums des Innern und der Statthalterei fast sämmtliche Chaderim und auch die „Talmud Thora," angeblich wegen der sanitätswidrigen engen und lustlosen Schulzimmer gesperrt. Durch diese Schließung werden nicht nur 60 Lehrer- Familien ganz brodlos, sondern auch die jüdische Jugend irrt aufsichtslos in den Gassen umher. Alle bisherigen Versuche beim Bürgermeister, wenigstens die „Talmud Thora" provisorisch freizugeben, bis die erforderlichen Verbesserungen an den Schulzimmern ansgeführt worden, blieben erfolglos. Eine Versammlung, welche in der neuen Synagoge zusammcntrat, wählte ein 36 gliedriges Comitä und beschloß eine Deputation an den Statthalter Grafen Badeny zu enrsendten, damit derselbe eine Fristerstreckung zur Herstellung besserer Schulräume gestatte.