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Der Israelit · 1890-03-10 · Heft 20 (10.3.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 20 (10.3.1890)
Date
1890-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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351 gefänglich eingezogen worden. Die „Talmud Thora", in welcher über 200 Schüler in unserer h. Thora unterrichtet werden, die Suppenanstalt und andere unbedingt nothwcndige wohlthätige Institutionen erfordern eine die Einnahme übersteigende Ausgabe. In Folge der den Winter über herrschenden Krankheiten ist die Zahl der Wittwcn und Waisen bedeutend gestiegen, und nun naht das Peßachfest. und 4000 Personen sind mit Mazzoth und anderen Bedürfnissen zu versehen. Die Gemeinde sieht sich außer Stande, all diesen Verpflichtungen genügend nachzukommen. Der Chachani Baschi und die Führer der sephardischen Gemeinde richten daher an alle wohlthätigen Glaubensgenossen in Europa und Amerika die dringende Bitte, der auch wir uns anschließen, zur Abhilfe dieser Nothlage eiligst reichliche Spenden an die Vorstandsmitglieder Herren E h a j i m N i ß i m B a r u ch und Jakob S ch-a u l E l i a s ch a r senden zu wollen. (Wir sind wie immer gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und an die genannten Vorstände gelangen zu lassen. Redaction des „Israelit und Jeschurun.") Mainz, 9. März. Mit den in vergangener Woche vollzogenen Stichwahlen sind bis auf einige Sitze die Neuwahlen zum deutschen Reichstag beendet worden. Die Rabbiner, die Vertreter des Judenthums, haben mit Ausnahme eines Einzigen an keiner öffentlichen Parteistellung theilgegenommen und auch die Redaction dieses Blattes hat während des Wahlkampfes es streng vermieden für die eine oder andere politische Partei einzutreten und diesbezüglich auf unsere Glaubensgenossen einen Einfluß anszuüben; wenn zwei andere jüd. Blätter eine Wahldebatte eröffnet hatten, so konnten wir dies nur bedauern. Die Juden haben sich speziell als solche nie zu einer bestimmten Partei bekannt; ist es dochThatsache, daß seit der Gründung des deutschen Reiches im Reichstag in allen Fraktionen, mit Ausnahme des Centrums, das religiös-politischen Characters ist, jüdische Abgeordneten zu finden waren; bei der jüngsten Wahl ist es sogar vorgekommen, daß in einem Berliner Wahlkreise gerade die jüdischen Wähler die Niederlage eines jüdischen Wahlkandidaten bewirkt haben. Zu den Ueberraschungen, welche die Reichstagswahl dem deutschen Volke gebracht, gehört auch, daß zu den bisherigen zwei Antisemiten (Stöcker und Böckcl) noch drei weitere (Werner, Liebermann, v. Sonnenberg und Zimmermann) Mandate erhielten. Wenn wir auch, gestützt auf den Schutz Gottes und unser gutes Recht, weit entfernt sind, irgend welche Befürchtungen über die etwaige judenfeindliche Thätigkeit dieser Herren zu haben, so muß es doch als ein trauriges Zeichen der Zeit konstatirt werden, daß im letzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts ein kleiner Theil des deutschen Volkes von noch solch mittelalterlichen Vorurtheilen gegen die Juden befangen ist, daß er prononcirt ausgesprochene Bekenner des Rassenhasses zu seinen Vertretern gewählt hat. Bemerkenswerth ist es, daß die „Nordd. Allg. Ztg." die Antisemiten nicht zu den Conservativen und noch weniger zur Kartellgruppe gezählt wissen will; mögen nun diese Herren welcher Partei immer sich zurechnen, ihr Wirken wird ohne Erfolg sein, ihre Absichten werden vereitelt werden. 3k udjj »3 mp’ nan nan nsm nsy lsy Pfleget mir Rath, er wird zerstört, redet Rede, es wird nichts daraus entstehen; denn mit uns ist Gott! Schwersenz. Am 27. Febr. beging die hiesige D’poynD 3ya man, welche schon länger als 200 Jahre besteht, in üblicher Weise den vik 't in festlicher Stimmung. Früh Morgens versammelten sich die Mitglieder zum rrnniL'-Gebete, bei welchem die dem hiesigen imv für yw '• entsprechenden mn^D gesagt wurden. Die Mitglieder des Vereins fasteten den ganzen Tag und Abends 5 Uhr versammelten sich dieselben und viele Gemeindemitglieder in der Synagoge zum Minchagebet, wobei gelesen wurde. Nach dem Minchagebet bestieg unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Bamberger die Kanzel, um in schwungvoller Rede, anknüpfend an den Namen und den Tod unseres großen Lehrers ntp», der an diesem Tage geboren und auch gestorben, die Verpflichtungen der Dankbarkeit, Nächstenliebe und Wohlthätigkeit im Allgemeinen und der man im besonder« zu besprechen. Herr Dr. Bamberger hob insbesondere hervor, daß unser Verein thatsüchlich eine Zierde der Gemeinde und allen auswärtigen Vereinen mindestens ebenbürtig sei. Mit der Aufforderung an die übrigen Gemeinde- Mitglieder , diesem Vereine ebenfalls beizutreten, auf daß dieser Verein jederzeit seine wohlthätige Wirksamkeit in bisheriger Weise entfalten könne und die Aufgabe der einzelnen Mitglieder keine zu schwierige sei, schloß Redner diesen Theil seiner Rede. Hieran anknüpfend hielt dann Herr Dr. Bamberger auch einen nson aus den hochsel. allverehrten Londoner Oberrabbiner Dr.

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