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Der Israelit · 1890-03-10 · Heft 20 (10.3.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 20 (10.3.1890)
Date
1890-03-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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350 iiommen werden dürfen und welche unter das Arbeitsverbot fallen. Die Priester und Gelehrten der Reform gaben sich alle erdenkliche Mühe und boten ihren ganzen Scharfsinn unter Entfaltung des gelammten Vorraths ihrer Wissenschaft auf, um festzustellen, was denn nun nach ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung das Sabbatgesetz enthalte. Nun hätte man vermuthen sollen, daß dieses gar nicht so schwer sein könne, namentlich bei so sachkundigen Männern, die doch bestimmt wissen mußten, was denn eigentlich der Sabbat ist und worin seine Heiligung nach dem biblischen Gebote bestehe, wozu wären sie denn sonst Rabbiner? Aber weit gefehlt. Das krauseste Wirrwar wurde zu Tage gefördert, niemand wußte klar und bündig Bescheid zu geben; es war ein Chaos verworrener, einander widerstrebender Phrasen. Die Idee des Sabbats ist die Ruhe, meinte der Eine, weil der Mensch nicht unaufhörlich arbeiten könne, deßhalb (?) ist sein Hauptzweck die Heiligung, und die Ruhe selbstständiger Nebenzweck. Aber einem Berufe, dem man sich mit ganzer Seele hingebe, könne nicht zugemuthet werden, daß er sich dem Sabbatgesctze unterordnen solle, da man sonst von der erlangten Bildung nicht den vollen Genuß habe. Ein Anderer meinte, der Sabbat enthalte die Idee der Schöpfung, deßhalb sei die Ruhe an ihm nur symbolisch. Ein Dritter meinte, der Sabbat sei ein Symbol für die Befreiung aus der egyptischen Sklaverei, darum sei jede anstrengende Thätigkeit zu unterlassen, ausgenommen da, wo man Zu einer solchen Veranlassung habe. Ein Vierter behauptete, die Ruhe des Sabbats sei ein Symbol des Verhältnisses Gottes zur Zeit, zur Bethätigung der Wahrheit, daß Gott das absolute Sein ist. Für unsere Zeit sei aber ein Symbolbekenntniß nicht mehr Passend, wir suchen die Erhebung zu Gott durch den Gottesdienst; wann wir aber ruhen wollen, sei gleichgiltig, man könne deßhalb auch einen andern als den siebten Tag zum Sabbat machen. Ein Fünfter verwarf den symbolischen Charakter des Sabbat und ein Sechster stellte den Satz auf, daß jede Arbeit, die zur Verwirklichung der Sabbatidee dient, gestattet sei. Ein Siebter verfocht die Ansicht, daß der Sabbat nicht die Weltschöpfung in sieben Tagen durch Gott vergegenwärtige, weil es gar nicht wahr sei, daß Gott die Schöpfungswerke, wie es in der Bibel erzählt wird, vollbracht habe, sondern er ist die Vergegenwärtigung des Gedankens, daß ein Gott die Welt geschaffen. Ein Achter behauptete, der Sabbat sei kein Symbol, meinte aber auch, er sei gleichwohl auch Symbol. Das Verbot der Arbeit an ihm sei nicht anzutasten, aber um des Himmels Willen nur ja keine Definition, was Arbeit sei! Das sei gegen die Gewissensfreiheit, das solle ein Jeder halten, wie er es für recht halte. Ja keine Kasuistik, ja kein neuer Kodex! Das persönliche Recht des Individuums auf die Auslegung, was am Sabbat verboten sei, dürfe nicht angetastet werden. Nun, nach allen diesen gelehrten Abhandlungen, die Frage: was ist der Sabbat, was ist Arbeit, welche Thätigkeit darf am Sabbat geübt werden, welche ist verboten?? Wo ist hier auch nur der Funken einer- Aufklärung zu finden? Es stellte sich heraus, berichtet ein Thcilnehmer an diesen zu Breslau im Sommer des Jahres 1846 gepflogenen Verhandlungen, daß die Versammlung der Rabbiner, zu denen auch er zähle, nicht im Stande sei, die schwere Frage zu lösen, und sie ist bis zum heutigen Tage noch nicht gelöst worden, fügen wir hinzu, wie wir an einem Beispiele aus der jüngsten Gegenwart zu zeigen beabsichtigen, die Frage nämlich, ob es möglich ist, eine Wissenschaft des Judenthnms zu pflegen unter Aufgabe des orthodoxen Standpunkts und neues religiöses Leben den Gemeinden einzuhauchen, wenn man den einzigen festen Boden des orthodoxen Judenthums verläßt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. März. Vom Chacham Baschi Raphael Meier P an i sel und den Vorständen der sephardischen Gemeinde in Jerusalem geht uns ein Nothruf mit einem Begleitschreiben zu, in welchen die traurigen finanziellen Verhältnisse genannter Gemeinde ausführlich geschildert sind. Seit Jahrzehnten, in welchen die Einwanderung sephardischer Glaubensgenossen aus Serbien, Bulgarien und Rnmelien, in Folge der veränderten politischen Lage dieser Länder auf's dreifache zugenommen hat, haben die reichen Sephardim in jenen Ländern reichliche Unterstützungen für ihre armen Brüder gesandt; in den letzten Jahren ist diese Einnahmequelle fast ganz versiegt, weil die bisherigen Spender zumeist selbst verarmt sind. Die Militärtaxe, welche früher 200 Pfund Türkisch betrug, ist jetzt auf 60O Pfund erhöht, und diese Summe wie noch andere Steuern müssen pünktlich bezahlt werden, einigemal schon ist es vorgekommen, daß Mitglieder des Vorstandes wegen verzögerter Zahlung dieser Auflagen

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