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Der Israelit · 1890-03-10 · Heft 20 (10.3.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 20 (10.3.1890)
Date
1890-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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so. XXXI. Jahrgang. 3ritföirifl W Fördkmg jSü. ©elftes unö iüD. Krbros in Hans, ©tmtlnöc uiiö Mslr. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenIHum. Herausgegeben von Or. Lehmann in Mainz. Montag, den io. März 5650 (1880). Leitender Artikel. OrWdgrle. Aufklärung und Kildung. Von I s a a c Hirsch. IV. In dem gleichen ernst wissenschaftlichen Sinne der hervorragenden Männer, deren unsterbliche Werke jenen frischen, lebendigen, befruchtenden Geist ansströmen, der Licht und Leben in Israel erzeugte und es zu der geistigen und sittlichen Höhe erzog, welche cs den Kampf mit den Jahrhunderten haß' erfüllten Wahns siegreich bestehen ließ, wird auch in unseren Tagen von orthodoxer Seite die wahre, echte Wissenschaft des Jndenthnms gepflegt. Die Orthodoxie steht auch hier im Gegensatz zur Reform. Auf dem festen Grunde der Thatsache, daß nicht nur die Thora wie sie in dem schriftlichen Gesetze ausgezeichnet ist, sondern mit diesem zugleich die Erläuterungen und näheren Bestimmungen, sowie die Regeln, durch deren Anwendung eben diese Erläuterungen und nähern Bestimmungen des Gesetzes in dem schriftlichen Wortlaut der Thora anfzusinden und bewahrt sind, von Gott am Sinai gegeben worden, bewegte sich die Forschung bis in die Gegenwart und schuf die nach Umfang und Inhalt unvergleichliche Literatur, die der Stolz des israelitischen Volkes ist. Tic diese sichere Basis verschmähende Forschung der Reform aber bleibt unfruchtbar, weil sie sich auf uncrwicsene und unerweisbare Conjeetnren beschränken muß, welche selbstverständlich von der ernsten Wissenschaft verworfen werden müssen. So sieht sich z. B. einer der bedeutendsten und gefeiertsten «Vchriftstcllcr auf diesem Gebiete gezwungen, zur Stütze seiner wichtigen Hypothesen und Conjecturen in die Region des Mysticismus sich zu flüchten und die tradirte Gesetzeserläuterung aus ein ekstatisches Bibelleseu zurückzuführen. Auf welcher ^eite ist da die Aufklärung, auf der orthodoxen, deren Forschung innerhalb des Gebiets des klar erkennenden und scharf unterscheidenden Verstandes sich hält, oder auf der reformistischen, die auf ein überschwängliches, phantastisches Gebilde zurückgreisen muß, um ihren ebenso phantastischen Conjecturen eine Unterlage zu gewähren? Oder wenn Andere die Tradition, d. i. das ganze Gebiet des Religionsgesetzes, in seiner thatsächlichen Verwirklichung, als ein Product des Volksbewußtseins hinftcllen wollen, so wird damit nicht minder, im Gegensatz zu der orthodoxen Lehre, der wissenschaftlichen Forschung jeder Boden entzogen. In der That hat sich ein jeder Versuch zur wissenschaftlichen Begründung eines Systems der Reform auf so nichtiger Basis nicht nur, sondern auch die einfache Construction eines solchen Systems als völlig aussichtslos erwiesen. Statt aufklärcnd hat die Wissenschaft der Reform nur verwirrend wirken können. Diese Verwirrung tritt überall deutlich in die Erscheinung, wo unter Verlassnng der orthodoxen Anschauung der Anlauf genommen wurde, etwas Positives für das Leben zu schaffen. Man überblicke nur, was in dem letzten halben Jahrhundert in dieser Hinsicht geleistet ist. Da hatten z. B. die Reformrabbiner das Bedürfniß empfunden, ein neues Jndenthnm aus dem alten zu construircn, welches dem vermeintlichen Anspruch der Zeit und der vermeintlich höheren und aufgeklärteren Anschauung derselben genügen sollte. Unter anderem mußte sich deßhalb ihre Aufmerksamkeit dem ^abbatgesetze zuwenden. Das orthodoxe Judenthum läßt gar keinen Zweifel hinsichtlich des Inhalts dieses Gesetzes, cs präcisirt genau den Begriff der am Sabbat verbotenen Thätigkeit und erläutert sehr eingehend, welche Handlungen borge-

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