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Der Israelit · 1890-03-06 · Heft 19 (6.3.1890) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 19 (6.3.1890)
Date
1890-03-06
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Hi 347 christliche Bevölkerung, wenngleich die Kaufgeschäfte, welche sämmtlich geringen Charakters waren, noch lange in jüdischen Händen blieben. Zahlreiche Zeugnisse über den Zustand der Judengasse im 18. Jahrhundert finden sich in Reisebeschreibungen zerstreut. Wir erwähnen nur die von Johannes v. Müller (von Schaffhausen), welcher im Jahr 1780 (Werke XV, 256) schreibt: „In Frankfurt müssen die Juden in unbegreiflich großer Anzahl in den hohen Häusern einer unglaublich stinkenden Gasse zusammengedrängt wohnen, Männer von 600,000 fl. und mehr". Michael von Loen, Goethe's Großoheim, kann in seiner „Beschreibung von Frankfurt" 1741 (Gesammelte Schriften, Frankfurt 1749—1752. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. N. F. III. 555) den Schmutz der Gasse nicht lebhaft genug schildern. Die Häuser waren außerordentlich schmal, 2—3 Fenster breit; wo sie breiter erschienen, waren 2—3 innerlich getrennt, unter einem Dache vereinigt. Sie hatten zwei Thüren; während die eine den Eingang in'sHaus bot, diente die andere zum Aushang von Maaren. In Folge der geringen Breite der Häuser war nur ein Vorder- und Hinterzimmer in jedem Stockwerk, die Treppe also ganz dunkel, die Küche, höchst feuergefährlich, meist unter der Treppe angebracht. Freilich mochte früher, ehe die Fenster über den Stubenthüren zerbrochen und durch Bretter ersetzt waren, die Dunkelheit minder gewesen sein. Holzgetäfel, Schnitzwerk und künstliche Eisengitter an den Treppen zeugten auch in der späteren Verwahrlosung noch von besseren Zeiten. Die östliche Häuserreihe, welche nach dem alten Viehhof hinaus ging, war wegen der besseren Luft gesucht; der Viehhof heißt heute noch „zur goldenen Luft", ein Ausdruck, der höchstens relativ gelten kann, Auf der Mauer, welche hier die Grenze bildete, wurden Lusthäuser erbaut, welche beim Fest als Laubhütten dienten und innen mit Gemälden geziert waren. Die Höfe zwischen Vorder- und Hinterhäusern waren schmutzig und feucht." Von Interesse dürften auch die beiden nachfolgende Mittheilungen über den jüdischen Begräbnißplatz und die Beschränkung der Spaziergänge für die Juden sein: „Der jüdische Begräbnißplatz, welcher in seiner Eigenthümlichkeit noch erhalten ist, lag im Osten der Stadt jenseits der Inden-Mauer; er wurde 1828 geschlossen. An leine Stelle trat der neben dem neuen christlichen Kirchhof weit vor der Stadt neuangelegte jüdische Friedhof." „Als Spaziergänge innerhalb der Stadt dienten außer der „Stadtallee" (heute Goetheplatz) die mit Lindenalleen bepflanzten Wälle; der Besuch dieser letzteren war den Juden untersagt schon durch die Judenstättigkeit von 1616 (§ 24—26); Rathsschlüffe von 1739, 1756, 1765 und 1769 schärften das Verbot ein. Das letztgenannte Edict nebst seiner Motivirung ist mitgetheilt von Pfarrer Dr. Baße in der Zeitschrift für Deutsche Culturgeschichte. 1859. S. 564 ff." Helfrettfofr eines In Groß-Belskerek hat sich ein Comite zur Errichtung eines Denkmals für die im Freiheitskampfe dort ruhmvoll gefallenen Honved gebildet. Aus diesem Anlasse sendet dem „Pester Lloyd" ein 1848/49er Honved-Oberlieutnant folgende ergreifende Reminisccnz: Der 1848/49er Freiheitskampf war so reich an Heldenthaten und an Beweisen von Vaterlandsliebe, daß es ewig schade wäre, dieselben der Vergessenheit anheimzugeben, da sie einestheils den griechischen und römischen Heldenthaten gleichstehen, andererseits den heutigen und künftigen Generationen als Bcispeil dienen können, wie man das Vaterland lieben und für dasselbe sterben müsse. Damit meine Erzählung verständlich sei, muß ich den Ereignissen des 1848er Jahres ein wenig vorgreifen. Im Jahre 1850 frcquentirte ich in einer Provinzstadt die 1. Classe des Gymnasiums. Unter jüdipchen Monved. meinen Mitschülern war ein Israelit Namens Moriz N., der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns. Es war ein hübscher Junge, geistig begabt und von sanftem Gcmüth, so daß Biele unter uns, und insbesondere ich, ihn liebgewonnen haben und gute Kameraden wurden. Doch dieses idyllische Leben dauerte nicht lange; denn nach beendeter zweiter Latcinclasse mußten wir uns trennen, da sein Vater wünschte, daß er Kaufmann werde und daher nach Pest in die Handelsschule gehe. Erft nach mehreren Jahren trafen wir uns wieder, leider in trauriger Lage. Es kam das Jahr 1848, ich war einer der Ersten, die sich zu den Honväd asscntiren ließen, bald ward ich Feldwebel, und im October bereits Lieutenant: mein Bataillon wurde zur Belagerung der Arader Festung commandirt, und als Anfangs November die Kaiserlichen einen Ausfall aus der

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