Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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346 seine wissenschaftlichen Beweise haben bei allen Juden und in gebildeten, vorurtheilslosen nichtjüd. Kreisen den tiefsten Eindruck hervorgerufen und wurde ihm von allen Seiten der ihm gebührende Dank und die ihn ehrende Anerkennung gezollt. Das Bild des Cultusministers v. Gautsch, welcher in so entschiedener Weise seinem Wohlwollen gegen die Juden im Oesterreichischen Reichsrathe Ausdruck verlieh, werden wir s. G. w. in einer der nächsten Nummern zum Abdruck bringen. Die JTmnftfutfet IrrderrgMsse. lieber die nunmehr fast bis auf die letzte Spur verschwundene Judengasse in hiesiger Stadt ist von jeher viel gesprochen und geschrieben, aber auch sehr viel fabulirt worden. Es kann daher nur wohlthuend berühren, endlich einmal einer aus kundiger Hand stammenden Darstellung zu begegnen, welche alles das, was es über den Gegenstand zu berichten giebt, zusammenfaßt und kritisch beleuchtet. Eine solche finden wir in einer, von dem Frankfurter Bürger Dr. med. Wilhelm Stricker herrührenden, im jüngsten Bande von Birchow's „Archiv" veröffentlichten ausführlicheren Arbeit über die „Geschichte der öffentlichen Gesundheitspflege in der Stadt Frankfurt am Main während des achtzehnten Jahrhunderts". „Die Frankfurter Judengasse — so äußert sich der Verfasser an der betreffenden Stelle (Band 119, S. 179 ff.) — war lange Jahre das Spmtgebiet fahrender Literaten. Jeder, der nach Frankfurt kam, schrieb einen solchen Artikel, gewürzt mit einigen Notizen über die Gesetzgebung bezüglich der Juden, über Rothschild und Börne; es fand sich auch immer ein auswärtiges Blatt, das diesen eisernen Artikel aufnahm, welcher daran kenntlich war, daß der in Frankfurt ganz unbekannte Namen „Ghetto" dabei verwendet wurde. Dem ist nun abgcholfen. Von der ganzen alten Judengaffe steht nur noch das Roihschild'sche Stammhaus und auch das nicht mehr im ursprünglichen Zustand, sondern, in die jetzige Straßenlinie zurückgerückt und vollständig restaurirt, immerhin der einzige Nachweis des alten Typus. Der Verfasser dieser Mittheilungen war über 30 Jahre Armenarzt in der Judengasse und ist daher über ihren sanitätlichen Zustand genügend unterrichtet. Das älteste Judenquartier befand sich in der Nähe des Mains; es reichte von der Brücke bis andie Südseite des Domes. Kaiser Friedrich III. befahl 1458 die Verlegung desselben aus der Nähe des Domes an die heutige Stelle. 1460 wurde mit Erbauung der Häuser begonnen, 1462 wurden sie bezogen. Die Straße bestand ans einer doppelten Häuserreihe ohne Hinterhäuser; sie lag vor der Stadtmauer und eine zweite Mauer schloß sie nach außen ab, wo noch jetzt die Straße: „An der Juden-Mauer" sich hinzieht. Die Judengaffe hatte nur zwei Hanpteingänge an beiden Enden: nach dem Juden-Markt und der Fahrgasse. Ein kleiner Ausgang nach der inneren Stadt: „am Judenbrückchen" wurde 1580 gestattet, weil in der Gasse selbst p kein Wagen wenden konnte. Der Belagerungsplan von 1552 zeigt noch [ keine Hinterhäuser, diese wurden erst später indopdelter Reihe erbaut. Der „große Judenbrand" vom 28. Januar 1711, welcher im westlichen Theil der Gasse 110 Häuser in Asche legte, änderte wenig an der Gestalt der Gasse, welche nur um 4 Fuß, also auf 20 Fuß Breite erweitert, sonst aber unverändert wieder anfgebaut wurde. Anders war es mit dem Brand, welcher bei dem Bombardement von Frankfurt durch die Franzosen in der Nacht vom 12./13. Juli 1796 36 Häuser verzehrte. DerWiederaufbau verzögerte sich bis zum Regierungsantritt g des Fürsten Primas (Karl von Dalberg), welcher freiere Ansichten hegte. Die Thore wurden 1808 1 beseitigt, und 1809 der abgebrannte Theil der Gasse | neu erbaut. Unter dem Titel „Bornheimer Straße" J bildete sich erstlich eine neue breite Straße mit i steinernen Häusern, welche an der Synagoge an fl den stehen gebliebenen engen Theil angrenzten. 8 Dieser blieb unverändert und zeigte nur einzelne I Lücken, bis in Folge des Hauseinfturzes vom 1. | März 1872, welcher 12 Menschen das Leben kostete, I der Rest der westlichen Seite abgebrochen wurde. ' Erst in den letzten Jahren wurde die ganz östliche Seite abgebrochen und die erweiterte Straße mit Steinhäusern besetzt, zwischen welchen, wie erwähnt das Rothschild'sche Stammhaus, in welchem die Verwaltung der Rothschild'schen Stiftungen sich befindet, als Zeuge des alten Holzbaues steht. Die Judengaffe, wie sie im vorigen Jahrhundert war, zeigte sich unverändert noch in diesem. Sie war so eng, daß an ihrer Krümmung auch in den heißesten Tagen feuchte, kühle Luft herrschte. Den alten Zustand der Häuser zeigen Moritz Oppenheim's * „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben" (Frankfurt, Keller). Mit der Erlaubniß, außerhalb der i Gasse zu wohnen, verlor sich allmählich der jüdische j Charakter der Wohnungen; schon bei der Volkszählung von 1864 zeigte die Gaffe überwiegend