Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448044--29620-2477361- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 überzeugt, meine Gnädige. — Und wenn Sie dereinst im spätesten Alter nach dem Rathschlusse des Herrn dieses irdische Jammerthal verlassen werden, um einzugehen in die himmlischen Freuden des Jenseits — warum Sie dann nicht sollten hoffen dürfen, in den paradiesischen Gefilden auch jenen zu begegnen, die Ihnen die Thenersten hier auf Erden. — Ihrem edlen, hochherzigen Gemahl — Ihrem vortrefflichen, ausgezeichneten Kinde. — Oder hätte Herr Wildau Ihnen vielleicht gesagt, daß ihm der Glaube fehlt?" Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Dazu ist er viel zu rücksichtsvoll." „Nun sehen Sie, daß ich recht habe? gesagt hat er Ihnen nie, daß ihm der Glaube fehlt und all sein Thun ist hochherzig und edel, verräth demnach, daß allerdings der echte, rechte Glaube in ihm wohnt — mit welchem Rechte können Sie daher an seinem Glauben zweifeln? — Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber ich muß Sie tadeln, Sie trauen Ihrer Divinationsgabe allzuviel zu, und be- und verurtheilen einzig und allein darauf hin Ihren edlen hochherzigen Gemahl — das ist eine Versündigung gegen den heiligen Geist, der sich mit Nichten auf Ihr Haupt herabgelaffen hat. — Ich hoffe, Sie sehen das ein, meine Gnädige." Ihr Schluchzen hatte allmählich nachgelassen, sie neigte das Haupt, aber sie erwiederte nichts. Es war eine Pause eingetreten, sie hatte ihre Thränen getrocknet und sprach: „Ich danke Ihnen, Hochwürden — danke Ihnen aufrichtig — Ihre Versicherung nimmt eine schwere Last von meinem Herzen. — Es wäre mir jedoch eine große Beruhigung, wenn ich von meinem Manne die Zusicherung erhalten könnte, daß er Hugo's Verkehr mit Nichtkatholiken nicht dulden werde. — Bisher hat er davon freilich nichts hören wollen — aber ich sollte denken, jetzt, wo wir doch nur noch so kurze Zeit zusammen sein werden —" „Gnädige Frau, ich bitte —" „Lassen Sie mich, Hochwürden, ich weiß, wie es mit mir sicht. Und darum ersuche ich Sie, sagen Sie mir aufrichtig, glauben Sie nicht, wenn ich es als meine letzte Bitte bezeichnen würde, daß ich von meinem Manne die erwünschte Zusage erhalten könnte?" Der Geistliche zuckte die Achseln. „Ich zweifle, zweifle sehr, Herr Wildau würde eine derartige Zusage als gegen das Interesse seines Sohnes verstoßend betrachten, und würde sich daher, soweit ich ihn kenne, unter keiner Bedingung und unter keinen Verhältnissen dazu entschließen. — Und überdies bitte ich zu bedenken, verbotene Früchte sind die süßesten, confiscirtc Bücher sind die meist gelesenen, und wenn Hugo der Verkehr mit Nichtkatholiken verboten wird, so wird er sich nach nichts so sehr sehnen, als nach dem Umgang, den Sie für ihn perhorresciren." „Das ist wahr," sagte Frau Wildau seufzend, „darin mögen Sie recht haben." „Ich habe in allen, recht," rief Pater Antonio, einen scherzhaften ^on anschlagend, „am meisten aber habe ich darin recht, daß Sie mit Ihren letzten Bitten zum mindesten noch vier oder fünf Jahrzehnte warten können." Noch lange bemühte sich der Geistliche, dein sehr daran gelegen war, den Wunsch des reicherl Mannes zu erfüllen, der armen Frau Trost und Hoffnung zuzusprechen und gelang es ihm schließlich, sie in eine ruhigere Stimmung zu versetzen. Doch zeigte es sich nur allzubald, daß sie ihr Hebel klar erkannt hatte. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschmun" erscheint wöchentlich zwei Ar al, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter neh'.nen Bestellungen an. — Durch öen Puchhanüct -»bestehen bei E. F. Steinarber, Leipzig, Poßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltenc Petitzeile oder deren Raum. — Oestsrreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einznsenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Unsere Frühlingsboten. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Friedberg. Karlsruhe. Berlin. Gleiwitz. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. — Italien: Rom. — Feuilleton: Waltungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Das dogmafreie Judenthnm. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Darmstadt. Karlsruhe. Leipzig. — Oest.-Ungar. Monarchie: 2mal Wien. — Türkei: Smyrna. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu: Deutschland: Frankfurt a. M. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Inhalt der belletristischen Beilage: Oesterreichischer Reichsrath-Abgeordneter Rabb. Dr. Bloch. — Die Frankfurter Judengasse. — Heldentod eines jüdischen Honved. — _Inhalt der Extra-Beilage: Spcnden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaclion: Dr. Lehmann in Mainz. —Expedition des „Israelit" und „Jeschurun" Schottstrastc Rr. 2, Mainz Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilagen.