Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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327 Reinheit, durch welches sie der unrein gewordene - sonst wieder erlangt, mischt sich hier mit Aschenstaub,! dem symbolischen Ausdruck dessen, was der Ver-! gänglichkeit und dem Tode verfällt und daher un- I rein ist. In nxwnn ns-w und o«n ü’d sind hndiö und mno vertreten. Der Verkehr mit ihnen kann rein und unrein machen, je nachdem der Verkehrende selber rein oder unrein ist. Gegen jeden macht sich das ihm Gegensätzliche geltend, der Reine wird durch die Asche, der Unreine durch das Wasser beeinflußt, jener also durch diese Berührung unrein und dieser rein. Der Verfasser des *>p' weist noch darauf hin, wie sich dieselbe Erscheinung auch sonst im täglichen Leben geltend macht. Die Arznei z. B., die den Kranken gesund macht, kann den Gesunden krank machen. Der moralisch und sittlich Gesunde, hat keine Veranlassung, ja keine Zeit und Muße an Tod und Vergänglichkeit zu denken. Er erfüllt seine von Gott gebotene Pflicht ohne Rücksicht aus Tod und Vergänglichkeit. Er bedarf daher der Symbole nicht, die daran mahnen, und wenn er doch mit ihnen in Berührung kommt, so ist dies eine Anomalie, welche die Reinheit feines Pflichtlebens zu stärken und zu trüben geeignet ist. — Der moralisch Kranke, der sittliche'Ungesunde, Unreine, der keine Grenze für seine Leidenschaft kennt, kann dagegen durch die Erinnerung an Tod, Vergänglichkeit und die Berührung mit ihren Symbolen seine Reinheit wieder erlangen. Für uns liegt in dieser Lehre die bedeutsame Mahnung, den Gegensatz zwischen unserer von Gott vorgezeichneten Anschauung des Lebens und derjenigen unserer Umgebung nicht zu fürchten. Gerade durch diesen Gegensatz, wird Israel überall, wohin es die göttliche Vorsehung auf weitem Erdenrund weist, für alles Edle und Wahre von unschätzbarem Einfluß sein, bis alle Gegensätze sich in Harmonie aufgelöst haben. Auch die Herrlichkeit des Frühlings verdankt solchen Gegensätzen ihren Reiz. Aus tiefem Erdenschacht, aus der dunklen Scholle, erheben sich die Kinder des Lichts, die Pflanzen und Blumen, der ganze heitere Blüthenflor, mit dem der Lenz die Erde deckt. In Finsterniß und Nacht b egraben, mußte das Samenkorn lange, lange Zeit auf Licht und Luft, auf alles verzichten, was anderen als selbstverständlicher Besitz gilt. Es stand wie Tag und Nacht im Gegensatz zu allen denen, die gedankenlos über dasselbe hintraten; und doch verdankt es der treuen Beharrlichkeit in diesem Gegensatz seine Auferstehung im sonnigen Frühling. Wenn es nicht treu in diesem Gegensatz verharrt, hätte es früher als die Stunde gekommen, den Boden gesprengt, der sein Grab zu sein schien und in Wirklichkeit doch der Quell seines Lebens war, es stände jetzt nicht in der Pracht des Frühlings da, um sich mit allen Schicksalsgenossen des jungen Lenzes zu freuen. Wenn daher unser Frühling voll und ganz angebrochen sein wird, so weiß das Psalmwort das Zusammenfinden aller treu bewährten jüdischen Menschensprossen in ihrer heimathlichen Stätte nicht schöner zu feiern, als mit den Worten tj/d nrx’i pNH 3»JD. „Sie werden aus der Stadt erblühen, wie das Unkraut des Feldes." (Psalm 72. 16 und Talmud Ketuboth Fol. lila.) (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Friedberg, 25. Februar. Gestern wurden die sterblichen Reste des 22jährigen Moritz Löb, der bei dem Versuche, im Nauheimer Teiche fremde Menschenleben zu retten, das eigene Leben eingebüßt hatte, auf dem jüdischen Friedhöfe dahier zur letzten Ruhestätte verbracht. Ein Leichenzug von solcher Länge ist hier noch nicht erlebt worden; die Civil- und Militärbehörden und die Lehrerkollegien der höheren Unterrichtsanstalten hatten sich fast vollzählig eingefunden, Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen gaben das Ehrengeleite; die Blumenspenden füllten einen ganzen Wagen. Lehrer Ehrmann hielt die tiefergreifende Trauerrede. Heute wird Fräulein Minna Deike bestattet. Die Leiche des Kandidaten Hotz ist nach seiner Heimath Laubach verbracht worden. Karlsruhe. Die konstituirende Generalversammlung der ersten Abthcilung Karlsruhe des „Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherz. Baden" fand jüngst unter großer Betheiligung der circa 160 Personen zählenden Mitglieder statt. Der Statutenemwurf wurde durchberathen und angenommen. Der Zweck des Vereins ist Handwerk und technische Berufsarien unter den badischen Israeliten durch Anregung und Unterstützung zu fördern. Diese Unterstützung soll jungen Leuten, beiderlei Geschlechtes, gewährt werden und, je nach Bedürfniß, in Gewährung von Geldmitteln, Unterbringung bei geeigneten Lehrern und Zahlung des Lehrgeldes, Unterstützung beim Besuche gewerblicher, kunstgewerblicher oder sonstiger technischer Fortbildung gewidmeter Anstalten u. s. w. bestehen. Bei Abschluß der Verträge durch den Verein wird da-