Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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326 Anmerkung, welche unsere Weisen im Midrasch zu Paraschat Para machen. p» »ihn >6 ncbd *u-ü 'o n'w npn ns* wo ,poxD rraw ,*n»D rvp;n mnc crnat» ’o ,p rwy *D ,n*n dVi>ü xan D^yn mewo .□ity bv N'N' t*b ,p nu ’» ,p ms „Folgendes ift daS Gesetz (der Para Aduma.) Hier ist das Wort verwirklicht: „Wer gestaltet Reines aus Unreinem, ist es nicht der Einzige?" (Hiob 14, 4.) So stammt Abraham von Terach, Chiskija von Achas, Joschia von Amon, Mordechai 'von Schimöi, Israel von den andern Völkern, die kommende Welt aus der gegenwärtigen, wer hat solches gethan, wer es zum Gesetz gemocht, wer cs angeoidnet, ist cs nicht der Einzige (Schöpfer und Erhalter) der Welt?" Wie ist doch mit diesem Gesetz und mit dem ihm zu Grunde liegenden Gedanken der einstige, ewige Menschenfrühling, trotz aller winterlichen Rückfälle verbürgt und gesichert l Wer wollte an der Zukunft, wegen der betrübenden Erscheinung der Gegenwart verzweifeln, wenn er sich diese Fingerzeige der göttlichen Waltung vergegenwärtigt! Die ganze Menschheit hatte das Bewußtsein vom Dasein Gottes verloren und war in krassen Götzendienst versunken; und einer der fanatischsten Götzendiener und Verbreiter des Götzenthums, Terach. mußte der Vater eines Abraham, des ersten Verkünders Gottes im Kreise der Menschen werden. Ein Achas, der seine königliche Stellung und seinen ganzen mächtigen Einfluß dafür einsetzte, jede Spur des Göttlichen aus Israel zu verdrängen und den Götzenkultus an dessen Stelle treten zu lassen, gab einem Chiskija das Dasein, der die Treue zu Gott und die Vertrautheit mit der Thora so tief in alle Schichten des Volks pflanzte, daß man in seinen Zeiten von Dan bis Beer-Scheba keinen Mann und kein Weib, keinen Knaben und kein Mädchen finden konnte, die nicht mit den substilsten Bestimmungen des Gottesgesetzes vertraut gewesen wären. Angesichts dieser und der anderen von unserem Midrasch erwähnten geschichtlichen Thatsachen, die sich noch bedeutend vermehren ließen, dürfen auch wir trotz aller entgegen stehenden Erscheinungen die Hoffnung auf eine Wendung zum Besseren nicht aufgeben. So trübe und Besorgniß erregend unsere Zeit auch erscheint, es gab schlimmere, trübere Epochen in der Geschichte unseres Volkes, welchen trotzdem eine herrliche, ungeahnte Zukunft folgte. Gerade der betrübende Abfall, der sich in ganzen Gemeinden, ja ganzen Länderstrichen von dem alten überlieferten Judenthum vor unseren Augen vollzieht, trägt die Bürgschaft einer Aenderung und Besserung in sich. Als man vor 50—60 Jahren die ersten schüchternen Versuche machte, des Judenthums sich mit Anstand zu entledigen, indem man vorgab es resormiren und verbessern zu wollen, konnte allerdings dieses Unterfangen, wie alles Neue und Ueberraschende, nicht verfehlen, vielfach Anhänger und Nachbeter zu finden. Aber weil man in der Reform so fort und fort geschritten ist, daß eben gar nichts mehr zu resormiren da ist, hat sich doch von Tag zu Tag die Zahl derer vermehrt, die sich nicht länger über den Abgrund täuschen, zu welchem diese ganze Richtung unaufhaltsam hintreibt. Nicht nur die materielle, auch die geistige und ideale Noth muß am Höchsten gestiegen sein, wenn Gottes Hilfe nahe sein soll. Wie die Nacht ehe sie dem Morgen weicht, noch einmal ihre tiefen Schatten gegen das anbrechende Licht aufbietet, wie der Winter gerade in den Tagen, die dem Frühling zusteuern, noch einmal mit seiner stärksten Kälte den jungen Lenz am Einzug erfolglos hindern möchte, so sind die Achaffe, Amone und Schimeis die sicheren Vorboten der Chiskija, Joschia und Mordechai. Eine merkwürdige Eigenthümlichkeit des Para- Aduma-Gesetzes ist die Bestimmung: Der Unreine erlangt durch die Berührung der Para-Aduma Asche seine Reinheit wieder, aber der Reine, der die Asche berührt, wird durch diese Berührung unrein! Eine geistvolle Erklärung dieser Eigenthümlichkeit gibt Rabbi Efrajim Luntschütz in seinem Werke -p' Pv. — Derselbe weist auf die Thatsache hin, daß überall wo in unserer Umgebung sich ein Einfluß geltend macht, derselbe durch Gegensätze veranlaßt und bewirkt wird. Wer z. B. auf ein Stück Eis eine solche Wirkung üben möchte, daß dasselbe seine Härte und Kälte, kurz seinen ganzen Agregatzustand und danut sich selber aufgebe, der wird dies nicht durch anderes Eis, sondern am sichersten durch den vollendetsten Gegensatz, also durch Feuer bewirken können. Wer der Glmh des Feuers entgegen treten möchte, wird dies nicht durch Feuer, sondern wiederum durch seinen Gegensatz, durch Wasser zu Wege bringen. Auch auf sittlichem Gebiete ist es nicht anders. Die Guten werden durch die Schlechten und die Schlechten durch die Guten beeinflußt, ebenso die Reinen durch die Unreinen und die Unreinen durch die Reinen. Wie bereits erwähnt, wurde nun die Asche mit lebendigem Wasser gemischt, und diese Mischung auf den Unreinen gesprengt, der seine Reinheit wieder erlangen sollte. Lebendiges Wasser, dieses Bild, ja sogar das Medium der