Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 19. XXXI. Jahrgang. Zkltslhrist jttt FördklW ffiö. Geistes unä jss. Kebess io Mus. Gmelnde ntU) Müle. Henlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Herausgegeben von Dr. Lehwauu in Mainz. Donnerstag, den 6 März 5650 (1890). Leitender Artikel. Unsere Irüijlingsliolen. IV. (Zu Paraschath Para.) Mainz, 3. März. Wir hatten auf die Stürme und Wetter hin- §ewiesen, unter welchen sich jeder Frühling aus der eisigen Umarmung des Winters losringt, sowie auf den Umstand, daß nur diejenigen Blüthen und Blätter sie zu fürchten haben, die nicht fest nnd treu mit dem Stamme verbunden sind. Was dagegen fest und wie zum alten Stamme steht, braucht im Kreise der Natur und in demjenigen der Menschen vor keiner äußeren Macht zu zittern. Wie man diese reine Treue und unwandelbare Festigkeit sich bewahrt und sie wiedergewinnt, wenn sie verloren wurde, das lehrt der nun folgende Frühlingsbote Paraschath Para. Dunkel und geheimnißvoll wie das Leben und Weben in der Natur ist der Gegenstand dieser Paraschah. — Aus göttliches Geheiß wurde ein rothes lebenskräftiges, fehlerloses Thier geschlachtet, ein Theil des Blutes nach der Richtung des Heiligthums gesprengt, und das Ganze dann verbrannt. In den Brand wirft der Priester, Cedcr, Psop und rothen Faden. Die Asche wird dann gesammelt, und sobald Jemand durch Berührung einer Leiche sich verunreinigt hatte, wurde diese Äsche mit lebendigem Wasser gemischt und der Unreine mit dieser Mischung besprengt, wodurch er die Reinheit wieder erlangte. Bon allen Stürmen und Schlägen, welche das Völkerwie das Einzelleben bedrohen, ist keiner nachhaltiger und unvermeidlicher als der Tod, als die Thatsache, daß früher oder später alles Staub und Asche wird. Nichts ist geeigneter jeden höheren Aufschwung zu lähmen, als der Gedanke, daß der Tod heute oder morgen allem und allen ein gleiches, sicheres Ende bereitet. Deshalb macht jede Berührung mit dem Tode den jüdischen Menschen unrein. Aber die jüdische Lehre lehrt gerade aus der Gebundenheit des Todes die Freiheit und Reinheit des Lebens gewinnen. Sie verschließt sich nicht der Thatsache, daß alles Zeitliche, Irdische dem Staube verfällt, sondern sie bringt diesen ganzen Vorgang durch ihre Symbolsprache erst recht zum Bewußtsein. Ein Thier so voller Lebenskraft, daß die rothe Lebenssarbe sich noch im Haar bemerkbar macht, läßt sie dem Tode erliegen und durch Verbrennung Staub" und Asche werden. Diesem Untergang verfällt alles von der Ceder auf dem Libanon bis zum Mop an der Wand, alles, nur die Bluttropfen, nur oer Sitz und Träger der Seelenkräfte nicht, welche die Richtung zum Heiligthum Gottes genommen haben. Hier hört die Macht des Todes auf, und wen je die Berührung mit ihm verunlautert hat, der gewinnt durch die Berührung mit diesen Symbolen die verlorene Reinheit wieder. Denn sie lehren, wie eben nur das Irdische der Vergänglichkeit anheim fällt und beleben so die Zuversucht des Psalmworts: „Denn Du überlässest meine Seele nicht der Gruft, Du bestimmst Deinen Frommen nicht den Untergang zu erfahren, Du lehrst mich den Weg, der zum Leben führt, die Sättigung der Freuden an Deinem Angesicht, alles Herrliche aus Deiner Rechten, ewiglich. (Ps. 16, 10, 11.) Daß es Gottes Wunderwaltung nicht nur hier, sondern überhaupt in dem erziehenden Geschick, das über der Menschheit im('allgemeinen und über Israel im besonderen waltet, so 'zu fügen ..eiß, daß der Tod im Dienste des Lebens steht, daß^ die Unreinheit der Reinheit und das Schlechte zur Förderung des Guten dienen muß, das ist die er ste