Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1890)
- Date
- 1890-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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den Verunglückten Hilfe zu leisten. Einer der Kandidaten faßte das junge Mädchen, Löb den im Eise eingebrochenen Theologen, jedoch plötzlich brach auch unter Löb das Eis und stürzte er kopfüber in das Wasser und verschwand mit den beiden, die er in seinem Edelmuth retten wollte; die beiden anderen Kandidaten wurden durch schnelle Hilfleistung der auch ihnen drohenden Gefahr des Ertrinkens entrissen. Den vom tiefen Schmerz gebeugten Verwandten des edelmüthigen Moritz Löb mag es zum Trost gereichen, daß dieser in seiner großen Menschenliebe sein junges Leben opferte. Berlin, 23. Fcbr. Ein Berliner Antisemitenhäuptling, der bisherige 1. Vorsitzende des antisemitischen Volksvereins, Postassfftent Kötzer, ist nach einer Schilderung der antisemitischen „Staatsbürger- Zeitung" ganz plötzlich nach Karthalls versetzt. Der Verein hat ihm am 14. Februar ein Abschiedsfest gegeben, an dem neben 300 Vereinsmitgliedern noch 300 Postassistenten theilnahmen. Kötzer hielt eine Abschiedsrede, in welcher er seine Verdienste um die Jndeuhetze schilderte. Weil das Vaterland in Gefahr, sei es Pflicht, kämpfend für dasselbe einzutreten und darum folge er der Fahne, die Dr. Böckel hält und vertheidigt; die radikalen Antisemiten seien wahre Vaterlands- und Volksfreunde . . . Sein öffentliches politisches Auftreten sei schon öfters unliebsam vermerkt, deßhalb sei er auch urplötzlich versetzt. Man wolle ihn für die Bewegung tobt machen, aber das werde nie und nimmer gelingen. Am 16. Februar treffe er in seinem Verbannungsorte Karthaus ein, am 18. Februar schon werde er dort eine öffentliche Volksversammlung abhalten „und für den Antisemitismus Bresche legen" 2C. 2C. Zu dieser Rede des, wie er sich selbst bezeichnet, „gleichsam ausgewiesenen" Postassistenten giebt das Stöcker'iche Antisemitenblatt „Volk" folgende Erläuterung: „Wir schwärmen nicht für Strafversetzungen aus politischen Gründen. In diesem Falle glauben wir jedoch, daß die Herrn Kötzer „strafversetzende" Behörde der Sache des Antisemi.izmus in Berlin einen wesentlichen Dienst geleistet hat. Herr Kötzer war der Führer der leider nicht mit Unrecht Radau-Antisemiten genannten Böckelianer, welche noch Freitag vor acht Tagen die Förster'sche Versammlung bei Buggenhagen in pöbelhafter, den Sozialdemokraten abgelernter Art gesprengt und Herrn Dr. Paul Förster zur völligen Lossagung von dieser Richtung geführt hatten. Dies war eine der letzten Heldentaten Herrn Kötzers gewesen. Jetzt kann er in; Karthaus auf Junker und Pfaffen weiter schimpfen.! Die anständigen Antisemiten werden sich freuen, nicht mehr seine Brandreden gegen Stöcker und Liebermann anhören zu müssen. Die — weniger anständigen Antisemiten aber müssen auf die Suche nach einem neuen Herrn und Meister gehen, der sie zu kühner That gegen die Deutsch-Sozialen, Christlich- Sozialen und Konservativen begeistert. Unbegreiflich ist uns nur, daß Herr Witte, der Vorsitzende des „Deutschen Antisemitenbundes", den scheidenden Herrn Kötzer als einen Mann gefeiert hat, der „stets die Augen offen und das Herz auf dem richtigen Fleck hatte." Noch vor einem Jahre nannte Herr Witte seinen nunmehr „scheidenden Freund" einen Radaubruder, mit dem man nicht zusammengehen könne." Eine nette Gesellschaft! Wiesbaden, 25. Februar. Der Antisemitismus spuckt nach wie vor in den Köpfen eines Theils unserer sogenannten „besseren Gesellschaft". Ein gestern hier zwischen dem Herrn Referendar Dr. Siebert, einem Sohne des hiesigen Justizraths, und dem Dr. med. Friedländer zum Austrag gekommenes Duell, das einige Tage vorher durch die Polizei vereitelt worden war, beweist dies. Der Ort der „Beleidigung" war der große Kurhausmaskenball. Dr. Siebert, saß an einem Tische neben^ einer Schauspielerin des hiesigen Theaters; Dr. Friedländer, der gerade vorüberging, näherte sich der ihm bekannten Künstlerin und^richtete an sie die Frage: „Wie geht es Ihnen?" Noch ehe die Dame antworten konnte, war ihr der Herr Referendar schlagfertig mit den Worten zuvorgekommen: „Bis dahin ging cs gut, nun aber riecht es bedeutend nach Knoblauch". Am nächsten Tage erhielt der Referendar, der schon mehrere „Ehrenhändel" hinter sich hat, eine Forderung, und es wurde dreimaliger Kngelwechsel mit zwanzig Schritt Distanz vereinbart. Heute endlich kam der sogenannte Ehrenhandel zum Austrag. Der Ort des Duells war der sogenannte „Hehler" an den Schießstänben der Biebricher Unterotsizierschule. Der Referendar schoß zuerst und verwundete den Arzt, der gar nicht zum Schießen kam, an der rechten Wade. Es ist eine ungefährliche Verletzung, da die Kugel nur ins Fleisch drang und keinen Knochen berührte. Freiburg i. Br., 22. Februar. Ueber die Beerdigung des im Duell gefallenen Studenten Eduard Salomon bringen die „Bad. Akad. Bl." einen Bericht aus der Feder Curt Abels, dem wir Nachstehendes entnehmen: Der Sarg, der die Leiche des im Duell erschossenen Kandidaten der Medizin Eduard Salomon enthielt, stand aufgebahrt inmitten der Kränze und Blumenspenden — gewiß war so mancher Kranz dabei, den nicht Liebe, nicht Thetl