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Der Israelit · 1890-03-03 · Heft 18 (3.3.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 18 (3.3.1890)
Date
1890-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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318 zu finden sei. Wer die Ereignisse auf dem Gebiete des Kampfes, der innerhalb des jüdischen Lagers während der letzten sechzig Jahre geführt wird, ruhig und leidenschaftslos überschaut, der wird zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Orthodoxie die Wissenschaft des Judenthums gegen Entstellung, Fälschung, Leichtsinn und Subjectivismus vertheidigt und zwar siegreich vertheidigt hat. Die Absicht der angeblich wissenschaftlichen Bestrebungen von der Gegenseite war allerdings darauf gerichtet, das Judenthum zu vernichten. Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung suchte man die Grundfesten zu erschüttern, auf welchem es sich in seiner majestätischen die Jahrtausende überragenden Größe erhebt. Es lag allerdings die Gefahr nahe, daß durch eine mit sich sprechendem Dünkel auftretender und sich „Wissenschaft des Judenthums" xar exoeUenea nennender Reihe anscheinend gelehrter Werke die wahre, echte Wissenschaft, welche innerhalb der jüdischen Kreise allezeit die hingehendsten, eifrigsten und treuesten Jünger und Meister gefunden, in Mißcredit gerathen könnte. Wenn es nämlich in der That wahr sein sollte, wie es Gottlob eine Lüge ist, daß echt wissenschaftliche Fortsetzung von der jüdischen Pflicht abwärts führte und das orthodoxe Judenthum neben ihr nicht bestehen könnte, dann würde dem wissenschaftlichen Streben ein Ende mit Schrecken bereitet sein, dann hätte der gewissenhafte Jude allerdings sich von der Wissenschaft abzuwenden, um die heilige Pflicht nicht zu verrathen, für welche er ins Dasein gestellt worden. Bon orthodoxer Seite ist deßhalb der Kampf, der somit auch als ein Kampf gegen die Wissenschaft überhaupt sich darstellt, auch im Interesse der Wissenschaft ausgenommen worden. Man hat sich hier nicht ein Genüge sein lassen, diese moderne Wissenschaft des Jndenthnms als heterodox zu erklären und auf den Index zu setzen, sondern man hat den Beweis in wissenschastlichster Weise erbracht,! daß diese angebliche „Wissenschaft" eben keine Wissenschaft sei. So wurde z. B. dargelhan, daß die von Grätz verfaßte Entstehungsgeschichte der Gefetzeslehre keine Geschichte, d. h. Erzählung des wirklich Geschehenen, sondern ein leeres Phalltasiegebilde sei und wie die historischen Urkunden, aus welchen er geschöpft haben will, seine Darstellungen fast Schritt für Schritt Lügen strafen, wie somit die strenge Wissenschaft über dieses Werk den Stab zu brechen habe. Und in Betreff der Frankelschen Hodegetik der Mischna ist in der gleichen eingehenden wissenschaftlichen kritischen Untersuchung unwiederlegbar dargethan worden, wie dieses Werk auf durchaus un-! wissenschaftlicher Grundlage beruhe, wie cs seine Sätze ohne wissenschaftlichen Erweis aufstelle und wie dieselben von den urkundlichen Quellen Lügen gestraft werden. Wenn von orthodoxer Seite gegen die der Wahrheit des Judenthums feindlichen Bestrebungen auch auf wissenschaftlichem Gebiete entgegen getreten worden ist, so wurde nicht nur deren heterodoxer Charakter, sondern deren Richtigkeit und Unhaltbarkeit vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus nachgewiesen. Die Antwort der Gegenseite aber bestand entweder im Schweigen, oder in einer Flut von Schmähungen. Die Wissenschaft und Aufklärung war somit auf orthodoxer und das Gegentheil auf heterodoxer Seite. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten itttb; Correspondenzen. Deutschland. Obernkirchen (Hessen.) Der für den hiesigen Wahlkreis von antisemitischer Seite aufgestellte Kandidat, der Redactenr Ludwig Werner aus Kassel, wollte vorgestern Abend im hiesigen Rathhaussaale auch einen antisemitischen Vortrag halten. In dem völlig überfüllten Saale waren alle Stände, Kaufleute, Handwerker, Beamte und Fabrikarbeiter vertreten. Gleich die ersten Worte, welche der Redner sprach, enthielten die gröbsten Schmähungen und Beschimpfungen der Juden. Der Redner kam aber nicht weit, Bergleute Glasmacher u. s. w. drängten sich an den Ttsch des Redners, um ihn zum Schweigen zu bringen, und es entstand ein Tumult und Lärm in der Versammlung, daß von dem Bürgermeister schleunigst die Versammlung aufgehoben wurde. Nach diesen Erfahrungen dürfte Herrri Werner der Appetit vergangen sein, in Zukunft die Ruhe, den Frieden und die Eintracht der hiesigen Bevölkerung zu stören. Bad Nauheim, 24. Febr. Am letzten Samstag Nachmittag ereignete sich dahier ein überaus betrübender Unglücksfall, der 3 blühenden Menschen das Leben kostete. Auf dem Eise unseres Teiches liefen eine junge Dame und ein junger Mann, Kandidat der Theologie, Schlittschuh. Plötzlich brach unter den jungen Leuten das Eis und zu gleicher Zeit verschwanden dieselben im Wasser. Erschütterndes Hilfegeschrei erfolgte und veranlaßte zwei andere Kandidaten der Theologie, sowie den am Ufer spazieren gehenden 22 Jahre alten Herrn Moritz Löb, Sohn des Fruchthändlers E. Löb aus Friedberg,

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