Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1890)
- Date
- 1890-03-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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' ■■■ :tmw-u. I,MMM.MWM«MWWWWMWWMWWW XXXI. Jahrgang. BeilllgeMMl8i>e8„Israelit"L„Ikschurun Leitender Artikel. Orthodorie. AusKlSruns und öitöunfl. Von Isaac Hirsch. III. Ist aber die Behauptung richtig, welche die Jncompatibilität des orthodoxen Judenthums mit Aufklärung und Bildung als ein unanfechtbares Axiom ausgestellt, das keines Beweises bedürfe? Was ist Aufklärung? Wir glauben auf keinen Widerspruch zu stoßen, wenn wir darunter jene Geistesrichtnng verstehen, welche nach klarer Erkenntniß der Wahrheit strebt, deßhalb bemüht ist, vorgefaßte Urtheile an der Hand einer nüchternen Erwägung auf ihre Wichtigkeit zu prüfen, irrige Vorstellungen zu beseitigen und Thatsachen und Begriffe in ihrem wahren Wesen zu erfassen. Ein Kreis wird sich einer um so größeren Aufklärung rühmen können, je allgemeiner in seiner Mitte dieses Streben nach wahrer Erkenntniß verbreitet ist und je weniger das Wissen als das Standesgut der Gelehrten angesehen wird. Was ist Bildung? Der Gegensatz der Rohheit und im tieferen Grundbegriffe die Gestaltung des ganzen Menschenwesens für die Bethätignng des Wohlanständigen itub Wahren in Gesinnung und That, die Veredlung des menschlichen Wesens somit in allen seinen Beziehungen. Je mehr in einem Kreise demnach für die Veredlung des Herzens, für die Erleuchtung des Geistes, für die Pflege des Anstandes inr sozialen Verkehr gewirkt wird, desto mehr wird daselbst Bildung vorhanden sein. Wenn man mit dieser Auffassung von Aufklärung und Bildung sich einverstanden erklären, und nicht eine After-Aufklärung und Bildung an ihrer Statt gelten lassen will, dann giebt es kein Gebiet, welches also Aufklärung und Bildung fordert und fördert wie gerade das orthodoxe Judenthum. An den klar erkennenden Verstand wendet es sich, an das Bewußtsein der wirklichen Erfahrung, und nicht für das Transcendentale, für die jenseits des menschlichen Fassungsvermögens liegende Erkenntniß des Außerirdischen, sind seine Lehren berechnet. njn*? nton nnx, spricht es und sn D'deo ab, die ganze Nation mar durch Selbstwahrnehmnng I für seine ewigen Wahrheiten gewonnen worden, bereu i Anerkenntniß sich durch ein in ihrem Geiste?fvollzieheudes Leben in allen Zeiten zu bekunden hat. Für die Erkenntniß und Bethätigung dieser Wahrheiten allein werden die jüdischen Kinder geboren, und die Pflicht, in ihnen zu forschen und immer tiefer einzudringen, hebt mit dem ersten Erwachen des begreifenden Geistesvermögen an, um mit dem letzten Odemzuge des Greises zu enden. Lernen, Forschen, Erkennen ist das au jede» Einzelnen sich wendende Gebot, daß diese allerhöchste Weisheit unsere Weisheit und der gestaltende Leiter unseres Geistes- und Thatenlebens werde. Und da sollte das orthodoxe Judenthum der Aufklärung abhold sein? Wir wissen sehr wohl, daß man im gegnerischen Lager nur allzugeneigt sein möchte uns zu erwidern, daß alles dieses allerdings von dem Judeuthuw vollkommen zutreffend wäre, nicht aber von der orthodoxen Auffassung desselben, welche fich der Forschung auf religiösem Gebiete widersetze und! der Wissenschaft des Judenthums, die gerade iu der Gegenwart von nicht orthodoxer Seite eifrig gepflegt werde, durchaus feindlich gegenüberstehe, wie ja z. B. in eklatantster Weise die Verurteilung der Werke eines Frankel, Grätz n. A. nt. von orthodoxer Seite unwiderleglich dargethan habe. Wir haben schon vorhin angedeutet, daß es auch eine After-Aufklärung gebe, und ebenso giebt es auch eine After-Wissenschaft; wie das orthodoxe Judenthum der Ersteren Feind ist, ebenso wendet es sich mit aller Entschiedenheit gegen die Letztere. Es ist nun gerade in den beiden vorhin namentlich bezeichneten Vorgängen von orthodoxer Seite die Nnwissenschaftlichkeit der in den betreffenden Werke« zur Anwendung gebrachten Methode, sowie die thcils durch diese theils durch Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit dieser Schriften anhaftenden zahlreichen Jrrthümer in ausführlichster wissenschaftlichster Weise so glänzend dargethan worden, daß eine Widerlegung dieser vernichtenden Kritik bis zur gegenwärtigen Stunde kaum versucht werden konnte. Es gehört überhaupt zu den vielen Unwahrheiten, welche von der gegnerischen Seite gegen das orthodoxe Judenthum, wie solches i» der Gegenwart vertreten wird, ausgestreut sind, daß aus Seiten der Reform die Wissenschaft und ans Seiten der Orthodoxie deren Gegentheil