Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1890)
- Date
- 1890-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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314 Frankreich. J Nheims. Bei Gelegenheit der Pensionirung \ des Herrn Dr. Weilt, leitenden Arztes und Di-! rectors des Militärhospitals in Rheims, hat der j Divisionsgencral be ln Hnyrie den folgenden f Tagesbefehl erlassen, der eines der erfreulichen > Zeugnisse bildet, auf die unsere Glaubensgenossen i stolz sein dürfen:! „Doktor Weilt, Stabsarzt 2. Klasse, leitender Arzt der Militärsäle des Hospitals von Rheims, Chefarzt des ärztlichen Dienstes der 12. Division, erreicht am 26. Februar er. die gesetzliche Altersgrenze zur Pensionirung, nachdem er Frankreich 37 Jahre, von denen 10 im Felde, gedient hat. Dr. Weilt hinterläßt in der Armee den Rus § eines hervorragenden Arztes und Chirurgen, den er sich durch glänzende Dienste in Friedenszeiten und ans den Schlachtfeldern erworben. Seine wissenschaftlichen Erfolge sind auf der Höhe seiner militärischen; viermal preisgekrönt durch die Akademie der Medizin, erbielt er bei der Preisbei Werbung im Jahre 1881 den ersten Preis (Silberne! Medaille) der Hygienischen Gesellschaft für feine S Werke über Kinderpflege und wurde nach einander j Präsident der Akademischen Gesellschaft von Chälons j sur Marne, und der Medizinischen Gesellschaft in j Rheims. > Aus dem Schlachtfelde wurde er zum Nitter j und 1889 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt, j In dem täglichen Dienst, ebenso wie bei den jährlichen Manövern, hat der commandirende General der 12. Division sowohl den unermüdlichen Eifer j wie die hohen professionellen Eigenschaften Dr.! Weills schätzen gelernt, die sich durch bedeutende j Erfolge bei chirurgischen Operationen, wie auch j durch die Aufopferung bei verschiedenen Epidemien! bewährt haben, so daß mau ihm mit vollem! Vertrauen für den Fall eines Krieges die j Leitung des ärzt lichen Dienstes der 12. Division übertragen hatte. Wenn es Dr. Weill auch nicht vergönnt war, diesen wichtigen Posten zu bekleiden, so wird er, wenn ein Krieg ausbräche, der Armee noch die Dienste leisten, die sie von seinem Patriotismus! erwartet. i Rheims, 13. Februar 1890. Der Divisionsgeneral, Ptatzcommandant: j gez.: de la Hayrie. : L,_ j England. i London, 19. Februar. Die gestern Abend : stattgehabte Sitzung des „Comitös" der „United 1 Synagoge" unter dem Vorsitze des Präsidenten Lord Rothschild war höchst bedeutungsvoll für unsere Gemeinde, namentlich für die zahlreichen polnischen Bewohner des „Eastend." — Es wurde mit großer Majorität beschlossen, eine Riesen-Synagoge, welche die größte der Welt sein wird, im Osten London's für die polnische Einwohnerschaft dieses Stadttheiles zu erbauen, zu welchem Zwecke 20,000 Sterl. bewilligt wurden. Auch soll damit der Bau eines neuen tmon rru und einer großartigen im Eastend verbunden werden. Für die neue Synagoge wird s. Z. ein Prediger angestellt. Wir hoffen, daß sowohl 'die „United Synagoge" als auch die „Federation," welche, wie jüngst berichtet, Herrn Rabbiner Dr. Lerner engagirte, für das religiöse Leben der östlichen Gemeinde nach jeder Richtung hin Ersprießliches wirken und namentlich auch für den Religionsunterricht der Jugend Sorge tragen möge. Ihre werthen Leser werden diesen Aufschwung der Orthodoxie in unserer großen Weltstadt gewiß mit Freude begrüßen. — Feuilleton. W a k t u « g e n. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Ein herrlicher - Knabe, Ihr Hugo," sagte der Gcistliche, „ein richtiger Prachtkerl." „Ja, er ist brav und gut und schön." „Und groß und stark ist er auch, und dabei diese Frische, diese quecksilberne Lebendigkeit, alles an ihm athmet Gesundheit und Feuer. Sie werden sehen, meine Gnädige, aus dem wird einmal etwas Tüchtiges werden, der wird sich nicht unter die Dutzendmenschen reihen lassen." „Seine Schulzeugnisse sind auch immer die besten; ich glaube nicht, daß er sich je auch nur den leisesten Tadel zugezogen hat; er ist der Liebling aller Professoren." „Ich weiß, ich weiß," stimmte der Geistliche bei, „er ist doch auch mein Schüler und mein Liebling." „Wirklich?" fragte Frau Wildau, und es lag ein ängstlicher Zweifel in dem Tonfall ihrer Stimme. „Ich versichere, gnädige Frau, Hugo hat sich auch bei mir nie das Geringste zu Schulden kommen lassen." „Hochwürden sind demnach vollkommen zufrieden mit ihm?"