Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1890)
- Date
- 1890-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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313 omn^ *uoy' r6xm m nwn nys ’&nnn tcnnn DIpDD „Schweiget Ihr nur in dieser Zeit; Befreiung und Rettung wird den Juden schon von anderer Seite erstehen." Berlin, 28. Februar. Im Bethamidrasch (Heidenreutergasse) wurde der yin " in würdiger und erhebender Weise gefeiert. Auf diese bescheidenen Räume hat sich die offizielle Feier eines Gedenktages beschränkt, an dem ehedem die Gesammtgemeinde, Alt und Jung, Gelehrten- und Laienwelt theilnahm. Die himmelanragenden Tempel der Großgemeinde waren in tiefes Dunkel gehüllt, Nacht, schauerliche Nacht starrte aus ihren Räumen, während das „Haus der Lehre" in ' vollem Lichtglanz strahlte. So bewahrheitet sich wieder der rabbinische Spruch, daß Gott der Herr die „Pforten Zions", — die Lehrhäuser —, inniger liebt, „denn alle Tempel Jakobs", — die Gotteshäuser. Die Tempel beugen sich vor dem Geist der Zeit, brechen mit der alten Ordnung, gestalten sich nach dem Machtgebot der weltlichen Gemeinde- Patrone; die Lehrhäuser bewahren nicht nur die alten Folianten, sondern bergen auch den alten Glanz des Judenthums, der ihnen von dem flammenden Sinai verliehen wurde. — Im Bethamidrasch standen die Männer, denen es die Pietät zur heiligen Pflicht machte dem Meister der Gotteslehre ihren Tribut zu zollen, dichtgedrängt, Kopf j an Kopf gereiht, um dem geistvollen, von dem - Gluthhauche der Glaubensinnigkeit durchwehten! Vortrage des Rabb. Dr. Hildesheimer n zu lau- I schen. Der Redner begann — einem alten Brauche j folgend — mit dem Recitiren der Agadahstellen j in nöiD und knüpfte daran tiefdurchdachte Erläuterungen , denen das zahlreiche Auditorium mit j gesteigerter Spannung folgte. Von der Mischna (v N0D) 'di V38 nt* mapb HD“ ausgehend, entwickelte der Redner, daß die Geisteshelden in Israel ihren Beruf darin erkannten, die Lücken auszufüllen, welche die Gewalt des Todes jedes Zeitalter durchbricht. Josef hatte den frommen Sinn seines Vaters ausgenommen, die flüchtige Asche sank in die Gruft, der Patriarchenglanz überging auf das gekrönte Haupt des Sohnes. Dieser schied in Mitten einer fremden, heidnischen Welt als treuer Sohn des Einig-Einzigen, Mose konnte nach Jahrhundert an das einsame Grab pochen und modernde Gebeine aufnehmen; Josef war bis zu seinem letzten Lebenshauche ein Kind Israels geblieben. An diesem Leben gewann der große Meister Kraft für seine weltgeschichtliche Laufbahn. Er nahm das an Tugenden und frommem Sinn reiche Leben Josefs in sich auf und verwertete es im Lehren und Wirken in der Erziehung der ihm vertrauten Herde. — Als der Lebensodem des göttlichen Propheten erlosch, da konnte nur Gott der Herr die Bestattung übernehmen , es sollte keinem Sterblichen beschiedcn sein, dem Meister zu gleichen, geschweige denn zu überragen. Was die Nachwelt von Mose empfängt, das erhält sie aus Gotteshand, denn mmD hiobt 'di die Majestät Gottes redete aus der sterblichen Hülle des größten Propheten. — An den Dortrag wurden — wie üblich — die Klagerede angeschloffen, welche der tiefen Trauer über die im verflossenen Jahre dahingeschicdenen Großen in Israel Ausdruck verliehen. Schwere Wunden hat uns der Herr im verflossenen Jahre geschlagen, Gott halte Seine segnende Hand über uns und bewahre unsere theuren Führer vor einem allzufrühen Erlöschen ihres Lebenslichtes. — jom. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 18. Februar. Heute Nachmittags begaben sich unter Führung ihres Ehrenpräsidenten, Baron Wilhelm Marx, die Vorstandsmitglieder des Wiener Wärmcstuben- und Wohlthätigkeitsvercines, zum Herrenhausmitglicde Baron Königswarter. um diesem den Dank für seine hochherzige Spende von 100.000 fl. auszudrücken. Der Präsident, Dr. Schmidt, hielt eine Ansprache, worauf Baron Königswarter erwiderte, er habe sich persönlich von der segensvollen Wirksamkeit des Vereines überzeugt. Keinerlei äußere Einflüsse, erklärte der Spender, sondern allein der Drang seines Herzens, die Liebe zu seiner Vaterstadt habe ihn bewogen, im Interesse seiner verarmten Mitbürger die humanitären Bestrebungen des Vereines zu fördern. Raab. Heute wurde hier die Wahl der Hälfte des städtischen Munizipalausschusses vorgenommen, welche mit der Neuwahl der meisten der früheren Ausschußmitglieder endete, und nur ein erwähnenswerthes Resultat lieferte, welches Zeugenschaft für das gute Einvernehmen der christlichen und jüdischen Bevölkerung ablegt. Es wurde nämlich der seit zwei Jahren hier angestellte Oberrabbincr Dr. Julius Fischer mit überwiegender Majorität in die Stadtrepräsentanz gewählt, wobei das Stimmenresultat zweifellos nachweist, daß der sich allgemeiner Sympathien erfreuende junge Seelsorger mehr Stimmen von Wählern nichtjüdischer Confession erhielt, als jüdischer, da auf ihn mehr als doppelt so viel Stimmen entfielen, als jüdische Wähler überhaupt abstimmten.