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Der Israelit · 1890-03-03 · Heft 18 (3.3.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 18 (3.3.1890)
Date
1890-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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310 geeignet, um nun festzustellen, ob eS im innigsten Verkehr mit der heidnischen Welt seinem Gotte die schuldige Treue nun endlich bewahrte. Leider war dies nicht der Fall. Gerade die Milde der Verbannung und die eingeräumten bürgerlichen Rechte lockerten das Band, das Israel mit seiner Thora verband. Viele beugten das Knie den Götzen des Tages und nahmen an den unjüdischen fürstlichen Gelagen theil, die das Gesetz der Thora verpönte. Sie mochten, wie dies ja auch leider in unseren Tagen nur allzuhäufig der Fall ist, in der Thora und ihrer treuen Erfüllung ein Hinderniß für ihre bürgerliche Gleichstellung erblickt haben. Im Besitz der Würden und Ehren, welche ihnen ihre bürgerliche günstige Stellung brachte, glaubten sie der Thora und ihren Anforderungen entrathen zu können, die sie wohl für die Zeiten des Druckes und der Erniedrigung, nicht aber für die glänzenden Zeitverhältnisse geeignet hielten, in welchen sie jetzt lebten. Da erfolgte der jähe Rückschlag. Ein einziger emporgekommener Günstling hatte genügt, um das Herz des Königs mit Haß zu erfüllen und alle diese herrlichen Zustände wie mit einem Schlag in ihr Gegentheil zu verwandten. Da wurden sie inne, wie unsicher ihr auf Königslaunen gebautes Glück sich erwies und wie mächtig der Judenhaß trotz aller glänzenden Stellung der Juden sein Haupt erheben konnte. Machtlos, rathlos, schutzlos stand ein ganzes Volk den fluchbeladenen Ränken eines Haman gegenüber, bis alle fastend und betend die verlassene Thora wieder aufsuchten und ihr für alle Zeit unverbrüchliche Treue gelobten. Mordcchai, der Mann, der auch in den besseren Zeiten die Thora hochgehalten und in ihren Satzungen sein Mündel erzogen hatte, wurde der Retter des Volkes. Eine einzige schlaflose Nacht des Königs, und das thränenreiche Geschick eines ganzen Volkes hatte sich vom Tode zum Leben, von der Erniedrigung zur höchsten Höhe gewendet. In diesen trüben Tagen lernten unsere Vorfahren den ganzen Werth der Treue gegen Gott und sein Gesetz kennen und schätzen. Was 48 Propheten und Prophetinnen nicht in vielen Jahrhunderten zu Wege gebracht haben, Israel unverlierbar, seinem Gott und seiner Thora zuzuwenden, das hatte der eine Augenblick bewirkt, in welchem der König mit seinem Siegelring Haman die Macht in die Hände gab, mit den Juden nach seinem Gutdünken zu schalten. Als nun aber Haman gestürzt, als mit der Erhebung Mordechais auch die lange, trübe Zeit zu Ende und eine freundlichere, j lichte Gegenwart eingetreten war, da erblickten sie dieses Licht nicht in ihrer glänzenden socialen Stellung, nicht in dem Purpur Mordechai's, nicht in der Königskrone Esthers, sondern min n mw, ihr Licht war ihre Thora. Für diese Thora hatten sie den glühenden Haß eines Haman ertragen, aber diese Thora war auch ihre einzige Rettung. Und wenn Israel nie mehr seit dem babylonischen Exil in die Nacht des Götzenthums verfiel, so waren es die Erlebnisse in den Tagen des Achaschweroth, so war es das Licht der Thora, das sie vor solchem Rückfall schützte. Unter den nichtigen Vorwänden, welche Haman bei seinem königlichen Gebieter geltend gemacht hatte, hebt unsere Ueberlieferung besonders die Einhaltung der Sabbate und Feiertage vor. »m rwo .'"ns vtibq nnitf rp^ ’pDon D'unj? *^on Unsere Sabbate und Festtage sind die großen, geistigen Athemzüge, in welchen der jüdische Mensch alles Beengende und Niederdrückende des werkthätigen Lebens aushaucht und sich mit neuer Kraft für den Kampf mit dem Leben restaurirt. Das hat der Judenhaß eines Haman geahnt, wenn ihm die feiertäglich geputzten Juden ein Dorn im Auge waren und er sie zum Gegenstand der Anklage machte. Durch diese Verleumdung sollte den Juden ihre Feiertage verleidet und so ihnen der Quell abgeschnitten werden, aus welchem sie ihre Lebenskraft schöpften. Unter Hamans Regime bestätigte daher jeder Jude, der seine von Gott eingesetzten Feiertage durch Einstellung seiner Thätigkeit, durch bessere Kleidung und Speise öffentlich feierte, die gehässige Anklage, als brächten die Juden das ganze Jahr mit dem Feiern von Festtagen zu. Dadurch wurden die Feiertage, welche mit ihrer heiteren Ruhe das ganze Leben zu verklären bestimmt sind, zu einer Quelle kränkenden Leids, das ihnen die Wochentage nicht nur nicht verschönte, sondern dieselben vielmehr zu verkümmern und zu verleiden geeignet war. Als daher jener rasche Wechsel von Trauer zur Freude sich vollzog, da kam diese Freude in erster Reihe unseren verdächtigten Feiertagen zu gute, mit welchen wir nicht mehr das Licht zu scheuen brauchten, sondern ohne Furcht vor Verleumdung an die Oeffentlichkeit treten durften. Deßhalb finden die Weisen den Anlaß zur Freude nicht im gewöhnlichen und politischen Leben, sondern in der Feier unserer Feiertage, wv or u nnot? Feiertage feiern ist nun aber keine jüdische Eigenthümlichkeit. Alle Völker und Religionen haben Fest- und Ruhetage, und in den 127 Ländern des persisch-medischen Weltreichs konnte es nicht fehlen, daß jedes Land seine eigenen politischen und

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