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Der Israelit · 1890-03-03 · Heft 18 (3.3.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 18 (3.3.1890)
Date
1890-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWW » PF «W WWWWWWW XXXI. Jahrgang. J\s 18. Mslhrift ist MdkMg jsr>. GMrs ssö jkd. Kebklls is Asus. GkMlndk bbö KUlr. Emirat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von ör. Lehman« in Mainz. Israelit «* Jeschurun Montag, de« S. März 5650 (1890). Leitender Artikel. Anstr Licht Md uüsere Freude, unsere Wonne und unsere Würde. (Z u m P u r i m f e st e.) Mainz, 27. Februar. -ii. Während alle unsere Freudenfeste ihren Namen nach dem heiteren Ausgangspunkte der ihnen zu Grunde liegenden Begebenheiten tragen, macht Purim von dieser Regel eine Ausnahme. Peßach, das Ueberschreitungssest, leitet seinen Namen davon her, daß nach hundertjährigem Druck in der Stunde der Erlösung der Heilige, gelobt sei Er, über die Häuser unserer Väter schonend und liebend hinweggeschritten ist, während der Todesengel in den Häusern der Tyrannen die Erstgeborenen tödtete. Chanuka, das Weihesest, verewigt durch seinen Namen die Einweihung des Heiligthums, nachdem es in den schweren Kämpfen zertrümmert und entweiht worden war. Aber Purim, das Loosfest, knüpft mit seinem Namen nicht an den glücklichen Ausgang der drohenden Gefahren an, welche in den Tagen von Mordechai und Esther über unseren Häuptern schwebten, sondern versetzt uns eben durch seinen Namen in den kritischen Augenblick, in welchem die Gefahr in ihrer ganzen Wucht uns noch bedrohte, in welchem der mächtige Feind um uns würfelte und looste, um die Stunde der gänzlichen Vernichtung aller Juden durch das Loos entscheiden zu lassen. So erinnert uns mitten in der Freude über die wunderbare Errettung aus der Hand unserer Feinde der bloße Name des Festes, das wir deßhalb feiern, an die beispiellose Erniedrigung, der uns Gottes gütige Fürsorge enthoben hat. Wir begreifen daher, als diese wunderbare Wendung sich vollzogen hatte, als Haman gestürzt und Mordechat an dessen Stelle getreten war, daß unsere Purimrolle diesen jähen Wechsel mit den Worten feiert: .-ip’i i*wW2n nnotcn nun nrm omn^ „Den Juden wurde Licht und Freude und Wonne und Würde." (Esther, 8, 16.) Unsere Weisen im Talmud Megilla lehren unS aber den Sinn dieser Worte tiefer fassen, indem sie bemerken.- ,min n mw mur tk »an *idn •yten ipn ,r6’D n pw ,wv oi> m nnor Rabbi Elasar lehrte im Namen Rabbi Jehuda's: Licht, das ist die Thora, Freude, das sind die Feiertage, Wonne, das ist die Mila, und Würde, das bedeutet: Tesillin. Um diese Erklärung in ihrer ganzen Tiefe zu würdigen, bedarf es eines Blickes auf die damalige Zeit und ihre Eigenthümlichkeit. — Die Geschichte von Purim trug sich während der 70 Jahre zu, in welchen sich das jüdische Volk im babylonischen Exile befand. Das babylonisch-assyrische Reich wurde dann durch die Perser erobert und in Folge dessen lebte die gesummte Judenheit in dem 127 Länder umfassenden persisch-medischen Weltreich. Sowohl in Babylonien als später auch in Persien und Medien nahmen die Juden keineswegs eine untergeordnete, etwa nur geduldete Stellung ein. Sie genossen dort vielmehr alle bürgerlichen Rechte, bekleideten sogar wie Daniel, Chananja, Mischael und Asarja die höchsten Ehrenstellen, so daß, als ihnen die Rückkehr nach 70 Jahren in das heilige Land wieder gestattet wurde, nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil der Bevölkerung von dieser Erlaubniß Gebrauch machte. War die Verwüstung des HeiligthumS und die Verbannung des Volkes erfolgt, weil Israel in seinem Lande dem Götzendienst gehuldigt hatte, so war gerade diese Milde während der Verbannung

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