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Der Israelit · 1890-02-27 · Heft 17 (27.2.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 17 (27.2.1890)
Date
1890-02-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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294 lebenden Nachbarn Ruhe und Ordnung Herstellen will, wird er dieselben in ein Zimmer sperren? Wie die einheitliche Organisation beschaffen sein wird, kann man vorläufig noch nicht wissen/'sagt doch der Kultusminister, daß er keinen Zwangsakt ausüben will. Eines jedoch steht fest: Wenn die Orthodoxen durch diese Organisation ihre Interessen auch nur im mindesten gefährdet seherr werden, wird es dem Kultusminister nur zu sehr zum Bewußtsein gebracht werden, daß er das gerade Gegentheil des Gewünschten erreicht hat. Ein Blick in die Vergangenheit überzeugt uns, wozu die Orthodoxen nöthigenfalls fähig sind und was sie durchzuführen vermögen. Es war vor beinahe'20 Jahren, als die Eingabe der Orthodoxen, behufs Erlangung ihrer Selbstständigkeit im Abgeordnetenhause verhandelt werden sollte. Die Ablehnung galt als gewiß; da ereignete sich das Unerhörte, daß an ein und demselben Vormittag nicht w c- ’ Niger als achttansend Telegramme aus allen Theilen des Landes eiutrafen, in welchen die orthodox-jüdischen Wähler ihre Unabhängigkeit reklamirten. Dieser telegraphische Petitions-Sturm wirkte auf das ganze Haus geradezu konsternirend, und die Folge davon war, daß der ablehnende Antrag des Petitionsausschuffes verworfen und die Eingabe der Orthodoxen über Antrag Franz Deak's dem Minister zur geneigten Berücksichtigung überantwortet wurde. Inzwischen verschied der Kultusminister Eötvös und Pauler kam an seine Stelle, der schließlich in der Sache zu Gunsten der Orthodoxen entjchicd. Später erlangte eine Deputatiou orth. Rabbiner die Sanktion auch von Sr. Majestät und der Sieg der Orthodoxen war ein vollständiger. Dies geschah am 5. November 1870 und seither herrschte unter der ung. Judcnhcit 20 Jahre hindurch Friede, und Neologen und Orthodoxen ward die Möglichkeit geboten, nach eigener Ueberzeugung Gott zu dienen. Jetzt fanden es unsere resormsüchtigen Brüder für angemessen, durch Verdrehung der Thalsachen und Verleumdungen - beim Ministerium die einheitliche Organisation anzustreben, was ihnen leider auch gelungen. Wir sind der Ueberzeugung, daß die gesetzestreuen Israeliten sich zu neuer Kraftenthaltuug crnporheben werden, und wenn die jetzige ungünstige Conftellation sich nicht bald ändern sollte — — „-»riN Dipoo iidj?* nbsm nn" Das walte Gott! Leopol d Großb erg. Literarischer Bericht. Religiousbücher. 1. Leitfaden für den israelitischen Religionsunterricht. zugleich zur Vorbereitung für den Akt der Religionsweihc (Eonfirmation). Von Dr. M. Si l b e r st ei n, Stadt- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden. 2. Aust. Wiesbaden 1889. Limbarth. 8. Zur Vorbereitung für die Konfirmation mag das Büchlein ausreichend sein; der Konfirmand erfährt, daß man „im ersten Monat, am 14. Tage des Abends bis zum 2l. Tage des Abends" ungesäuertes Brod essen solle, daß wir acht Tage Peßach haben, erfährt er nicht; erhört bei Gelegenheit des Suckothfestes, daß man am ersten Tage nehme „Frucht von dem schönen Baume, Palmzweige, einen Zweig des dichtbelaubten Baums und Bachweiden", erfährt aber nicht, da der Verfasser in wohlbedachter Vorsicht sich an das Bibelwort hält, was denn das für eine Frucht sei, die des schönen Baumes und wie dieser erwähnte dichtbelaubte Baum sich mit volksthümlichen Namen nenne. Er erfährt sogar etwas von den verbotenen Speisen, nämlich daß man „weder Unschlitt noch Blut", und daß man nicht „Fleisch voll einem Vieh, das auf dem Felde zerrissen wurde, essen solle;" daß es aber nod] so manches andere als verboten gibt, was nicht ebenso vom Menu der Nichtjuden ausgeschlossen ist, wie Unschlitt, Blut und Fleisch vom zerrissenen Thiere, das erfährt der junge Konfirmand nicht. Dafür erfährt er sehr viel Schönes aus der jüdischen Religion, die erhabenen Morallehren, die aber doch nicht allein den Inhalt der jiidischen Religion erschöpfen. Für einen Konfirmanden freilich mag dies genügen, einen Bar Mizwah pflegt man anders vorzubereiten, den lehrt man zuerst Thephillin legen; davon aber keine Spur in diesem Vorbercitungshefte; wozu auch? Was soll ein Konfirmand mit Thephillin V Nach all dem Gesagten wäre es nicht nöthig auf einzelne sachliche Fehler des Buches aufmerksam zu machen, allein da es sich um einen solchen hier handelt, der mehr verbreitet ist, als man glauben sollte, dessen sich aber am allerwenigsten ein Schulbuch, das ein Rabbiner geschrieben, schuldig machen dürfte, wollen wir denselben hervorheben. Wir meinen die gänzlich falsche Bezeichnung der d'N'Sj rryitfm als „frühere" und der Q’jnnN 'j als „spätere" Propheten. Welchen Sinn soll es denn haben, den historischen Theil der heiligen Schrift, welcher die Zeit bis zur Auflösung des Reiches Juda um-

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