Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1890)
- Date
- 1890-02-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. ($tf tC Beilage ju M17 d-s „Israelit" L „Ieschurun'. Leitender Artikel. Zur Orsanisutluusstuge der Marillen in Ungarn. Preß bürg, 4. Adar. Im 11119. Jndenthume droht wieder einmal ein erbitterter Kampf auszubrechen; es ist der alte Zwist: der von der Manie der Reformsucht geblendete N e 0 l 0 g e tritt gegen die vom Glaubenseifer beseelten Orthodoxen in die Schranken. Der nng. Kultusminister hat mit seinem neuen Erlasse die Hoffnung der Gesetzcstreuen auf Wiedererlangung ihres selbstständigen Gemeiudelebens arg getäuscht, und damit ist das Losungswort zum Kampfe für die heilige Sache gegeben. Der erst gestern bekannt gewordene Erlaß an den Präsidenten der orth.-isr. Durchführnngskommission lautet nach seinen wesentlichen Theileu folgendermaßen: „Ihre Unterbreitung vom 9. März 1889 sende ich Ihnen mit der Eröffnung zurück, daß ich Ihre Bitte um Außerkraftsetzung der Eircular-Vcrorduung meines Vorgängers auch diesmal nicht zu berücksichtigen gefunden habe, aus denselben Gründen, welche in meiner Ihre gleiche Bitte einmal bereits abweislich beschiedencn Verordnung vom 31. Dezember 1888 enthalten sind, und welche Sie sowohl in Ihren obenerwähnten Eingaben, als auch in Ihrer infolge des Memorandums der israelitischen Districts- Präsidenten de dato 25. November 1889 an mich gerichteten letzten Unterbreitung vom 27. Januar l. I., Zahl 879 vollständig unberührt ließen. Bezüglich der gleichlautenden Rabbiner-Erklärungen bemerke ich, daß die in denselben enthaltene Behauptung, es befänden sich in unserem Vaterlande zu zwei verschiedenen Konfessionen gehörige oithodoxe und neologe Israeliten, weder in unseren Gesetzen, noch in den bisherigen Regierungs-Verordnungen, noch aber in den auf administravem Gebiete gemachten Erfahrungen und im konfessionellen Leben der Israeliten wahrgenommencn Erscheinungen auch nur die geringste Unterstützung findet, ganz abgesehen davon, daß die erwähnte Behauptung der 239 orthodoxen Rabbiner von der andern Seite in Abrede gestellt wurde und die orthodoxen Rabbiner die etwa bestehenden dogmatischen Unterschiede nicht namhaft gemacht haben." Der Erlaß schließt, nachdem er sich auch mit der rechtlichen Seite der Frage des Ausführlichen beschäftigt hat, mit folgendem bemerkenswerthen Passus: „In Bezug auf die Organisations-Angelegenheit und Autonomie der Konfession bemerke ich, daß die Autonomie nur dann zum wahren Leben emporzublühen vermag, wenn dieselbe sich langsam von unten nach obenhin entwickelt, überdies kann meines Dafürhaltens ein Oktroi auf dem Gebiete der Autonomie nicht platzgreifen; demzufolge ist es nicht meine Absicht, behufs Uniformirung der Gemeindeorganisation Zwangsmaßregeln in Angriff zu nehmen. Ich erachte es aber für nothwendig, daß mit Zuhilfenahme solcher Verfügungen, welche die einheitliche Administration sichern — bei Wahrung der Gewissensfreiheit auf gottesdienstlichem und rituellem Gebiete — die Kultusgemeinden in ihren Grundfesten gestärkt, entwickelungsfähig gemacht werden; ferner wünsche ich nach erfolgter Befestigung der lokalen Ordnung solche Zustände zu schaffen, welche es ermöglichen, daß bei fortgesetzter Konsolidirung der jüdisch-konfessionellen Angelegenheiten die Regelung derselben mit der Jnartikulirung der Autonomie der israelitischen Konfession ihren Abschluß finden könne. Ich erwarte, daß Sie diese meine Verordnung Ihrer Partei mittheilen und die Anhänger derselben zur Förderung des brüderlichen Friedens und der Eintracht aneifcrn werden. Budapest, 10. Februar 1890. Graf Csaky m. p. Dieser Ministerialerlaß wurde an den Präsidenten der neologen israelitischen Landeskanzlei gesendet, welche in einem Rundschreiben an die Kuliusgemeindeu ihrem Gaudium hauptsächlich darüber Ausdruck verleiht, daß die Orthodoxen mit ihrer Bitte um Beibehaltung ihrer Selbstständigkeit vom Minister in „barschem Ton e" zurückgewieseu werden. Schon dieser Umstand allein ist ein allzu verdächtiges Symptom der Art und Weise wie die Reformpartei in Zukunft mit den Strenggläubigen umgehen wird. „Die Förderung des brüderlichen Friedens und der Eintracht", was der Cultusminister in seinem Schlußworte soInachdrücklich betont, wird jedoch durch die einheitliche Organisation am allerwenigsten erreicht werden. Man erlaube uns ein kleines Beispiel: Wenn ein Friedensrichter zwischen zweien in fortwährendem Zwiste ' i H