Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1890)
- Date
- 1890-02-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWW In der Schöpfungsgeschichte wird berichtet, daß Gottes Wort für die Bäume angeordnet habe, sie sollten ihrer Art — i^'vb — treu bleiben und sich nur innerhalb der von ihr gezogenen Schranken entwickeln. Bei den Gräsern und Kräutern finden wir diese Anordnung nicht. Nichtsdestoweniger wird auch von ihnen berichtet: ymo n&yy kbh psn N-nm irwö^ jni, ohne besonderes göttliches Geheiß brachte die Erde Gräser, Kräuter hervor, die ihren Samen nach ihrer Art erzeugen. Raschi bemerkt zur Stelle: -ionj nbv b"j?n bp wimi “ja by tbsj» iya&y p.i"vL3 d’kbh3 y!?in pötibq m:»3 bhbd“d ]DSjy3 iDim. „Obwohl die Forderung, der Art treu zu bleiben, bei den Gräsern nicht ausgesprochen wurde, so hörten sie es aber, als es für die Bäume ungeordnet wurde, und zogen daraus den Schluß, daß sie in noch viel höherem Grade an diese Weisung gebunden seien, wie dies in der Agada des Tracta'ts Chullin erklärt wird." Dort, Fol. 60 a., wird diese Folgerung nach verschiedenen Seiten eingehend erörtert. — Aus den dort gegebenen Erörterungen dürfte sich die Annahme rechtfertigen lassen, daß unsere Weisen hier aus eine Thatsache aufmerksam machen, deren Bedeutsamkeit weit über das Gebiet der Bäume und Kräuter hinaus, in das Gebiet menschengesellschaftlicher Zustände reicht. Wenn die großen, selbstständigen, fest im Boden wurzelnden Baumriesen zur Sicherung ihrer Dauer in der Zukunft auf das treue Festhalten an ihrer ursprünglichen Art und Gattung gewiesen sind, so müssen sich die schwachen, niederen Gräser selber sagen, daß sie verloren sind, sobald sie ihrer von Gott ausgeprägten Eigenart untren werden. Je kleiner, unscheinbarer und winziger wir scheinen und vielleicht wirklich sind, um so hingehender müßten wir über unsere Eigenart wachen, daß wir sie nicht einbüßen und mit ihr uns nicht selber verlieren. Sollten wir aber dennoch je diese Eigenart abstreifeu und des Kampfes müde, in unsere Umgebung aufgeheu wollen, so schickt Gott seine Stürme, die uns unk Gewalt zu unserer Bestimmung zurückführen. ,otb-id oy pcy Nm .min -imo am» wiv' d’t p'si >6n oteh y« Amalek kommt und nimmt den Kampf mit Israel auf, sobald seine Hände von den Worten der Thora lassen. Wie der Frühling in der Natur, wird dann auch unser Frühling unter Wettern und Stürmen geboren. Damit es aber dieser harten, schmerzlichen Mittel nicht bedürfe, uni uns zu unserer Pflicht und der aus ihr erblühenden Verjüngung und Neubelebung zurückzuführen, damit Amalek nicht in Wirklichkeit zu kommen gebrauche, damit sein Gedächtniß allein genüge, um uns zu unserer Bestimmung wieder voll und ganz zuzuwenden, geht alljährlich als zweiter mahnender Frühlingsruf die Aufforderung durch die jüdischen Reihen: rt:wn xb-.pbüy i? rwy nx 12'. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt. Vor Kurzem starb hier der pensionirte Bezirks- und Conferenz-Rabbiner B. H. Flehinger im Aller von 80 Jahren. Derselbe war früher Rabbiner in Meisenheim und in Merchingen im Großherzogthum Baden. Als Conferenz-Rabbiner war er auch Mitglied des Großh. Oberraths der Israeliten. Er war Verfasser zweier biblischen Geschichtsbücher, wovon das für die „kleinere Jugend" 20 und das für „reifere Jugend" 5 Auflagen erlebte. Fürth, 13. Februar. Die Kaufmannswittwe Pauline Berlin hat zum ehrenden Andenken an ihren kürzlich verstorbenen Gatten, den Kultusvorstand und Gemeindebevollmächtigten Wilhelm Berlin mit einem Kapitale von 10,000 M. eine Stiftung unter dem Namen „Wilhelm Berlin'sche Unter stützungsstiftung" errichtet. Aus den Zinsen sind alljährlich 2—3 Präbenden an unverschuldet in Noth gerathene selbstständige Handwerker zu verleihen. Der Magistrat hat die Stiftung unter Dankeserstattung an die Gründerin für die dadurch bethätigte wohlthätige Gesinnung angenommen. Würzburg, 24. Februar. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich bin es meinen auswärtigen Verwandten und Freunden schuldig, an dieser Stelle zu erklären, daß ich G. s. D. nicht mit „einem schweren Leiden behaftet" bin; ich gehe täglich aus und meine Gesundheit ist glücklicherweise nicht so zerrüttet, wie cs Ihr schlechtunterrichteter Eorrespondent darstellcn möchte. Außerdem muß ich beifügen, daß, wie mir amtlich bekannt gemacht worden, die Leitungsgeschäfte der Anstalt meinem langjährigen, um letztere hochverdienten, verehrten Collegen Herrn Lehrer Aron Blum übertragen worden, und somit durchaus nicht von einer „Neuj besetzuug des Direktors abgesehen" ward. ' L u d w i g S t e r n, quiesc. Schuldirektor.