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Der Israelit · 1890-02-24 · Heft 16 (24.2.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 16 (24.2.1890)
Date
1890-02-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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278 Bamb erger? Ist nicht seine Stellung im deutschen Reichstage eine der geachtetsten? (Abg. Fiegl: O nein!) Und wenn er auch einer Richrnng angehört, die vielleicht nicht die meine ist, so must ich doch sagen, daß seine Thängkeii in Bezug ans die wirthschaslliche Gesetzgebung des deutschen Reiches eine werthvolle und wichtige genannt werden muß. (Abg. Fiegl: Eine Negation!) Bei der Frage der Goldwährung war es keine Negation! (Sehr richtig! links.) Redcr sührt hieraus ans, daß von einer Durchführung der Grundsätze der Gleichberechtigung der Inden in Oesterreich noch nicht gesprochen werden könne, da alle höheren Stellen bei den administrativen Behörden und bei den Richterämtern den Inden lhatsächlich noch nicht zugänglich seien, und schließt folgendermaßen: Der Antisemitismus ist nicht c i n e p o l i t i s ch e Partei, er ist ein Geschäft (Sehr richtig! links), er ist das Apostolat der größten Herzensroh heit und der tiefsten Unbildung. (Sehr richtig! und Beifall links. — Abg. Fiegl: Das ist nicht wahr! — Rufe links: Er ist eine Krankheit der Zeit!) Mir ist nicht bange, daß dieser Antisemitismus bald verschwinden wird, speciell aus Oesterreich. Mit dem ersten Herangrauen einer Wiederkehr der Zeit des Liberalismus wird dieser Antisemitismus in die Nacht verscheucht werden, aus der er hervorgegangen ist, und die ersten blassen Streifen einer solchen Morgenröthe des Liberalismus sind bereits herangedämmert. Ich werde für § l stimmen. (Lebhafter Beifall links.) Berichterstatter R. v. Gute wo sz: Die Art, wie die Debatte durchgeführt wurde, kann von dem Berichterstatter nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Diese ganze Art und Weise, wie die Herren hier auftreten, läßr sich durchaus nicht mit der ethischen Grundlage in Einklang bringen; denn wenn hier die Angriffe aus Anlaß des Verschuldens einzelner Persönlichkeiten auf das Allgemeine ausgedehnt werden rrnd man selbst gesteht, daß mau Angriffe gegen einen Organismus erhebt, den man nicht kennt, und wenn mau endlich sich zu dem originellen Ausspruche versteigt, weil ich nicht die Ueberzengung habe, daß etwas nicht besteht, so vermnthe ich, daß es besteht, und wenn man auf solcher Grundlage Angriffe ausführt, so frage ich, ob ein ernster Mann die Ueberzengung gewinnen kann, daß derlei Ansichten aus einem durch reifliche Erwägung und Untersuchung begründeten Unheil bestehen, ob solche Ansichten wirklich Ueberzengung genannt werden köillielt. Sie treten für das Volk ein, meine Herren! Ist denn i n O e st e r r e i ch b l o s d a s ch r i st l i ch e V o l k eiu Volk? Wie können Sie von dem Wohlstände der Inden, von der Vermehrung der Bevölkerung sprechen? Ist Ihnen nicht der Grundsatz der Juden bekannt, daß es eine heilige Pflicht ist, eine Familie zu begründen, daß die Heirath noihwendig ist, um die Sittenreinheit zu erhalten? Ist Ihnen nicht die Elternliebe, die Kindesliebe unter den Inden bekannt? Ist Ihnen nicht ihre große Opferwilligkeit für die Kranken und Elenden bekannt? Und, meine Herren, gehen Sie des Nachts in ein Städtchen in Galizien. Sie werden arme Gestalten herumschleichen sehen, die trotz Regen und Frost im Hausflur sich zusammenhäusen: und wissen Sie, was der Grund davon ist? Sie sind so arm, in ihren Wohnungen so zusammengedrängt, daß sie abwechselnd das Bett beziehen und stundenlang im Schlafe abwechseln müssen. Und das nennen Sie Wohlstand? Sehen Sie, wie sich diese Leute erhalten. Ein schwarzes Brot und Zwiebel ist oft ihr einziges Lebensmittel. Ja, meine Herren, auch diese Leute leiden unter den Verhältnissen, und wenn Sie als Ehristen austreten und die Nächstenliebe im Munde führen, dann denken Sie auch an alle diejenigen, welche in Noth sind. Wenn Sie aber das nicht thun, daun sagen Sie nicht, daß Sie Ehristen sind, dann sagen Sie auch nicht, daß Sie Germanen sind. Sie führen die arischen Grundsätze im Munde, die Grundsätze der Liebe, der Brüderlichkeit und des gleichen Rechtes für alle Menschen, und wie ist Ihr B e-! nehmen? Das sind nur Worte, aber die Thaten, die Sie versuchen, die Sie aber leider ivegen des Strafgesetzes nicht anssühren können, sind das Zeichen der Nächstenliebe, der Duldung? Ist das die Erfüllung der Pflicht der Humanität? Und Sie wollen sagen, es ist Ihnen Ernst mit der ethischen Aufgabe, die Sie sich gestellt zu haben vorgeben? Nein! Das Gegentheil ist der Fall. Es sind ganz andere Gründe dahinter, und Ihre Flagge, unter der Sie kämpfen wollen, ist nicht rein. (Große Bewegung und Unruhe unter den Antisemiten.) Man sieht das aus Allem, was Sie thun. Sie kann nicht rein sein, denn Jeder urtheilt so von dem Andern, wie er selbst ist. (Stürmischer Beifall im ganzen Hause.) In der Specialdebatte wird das Gesetz mit den Eingangs dieses Artikel bereits erwähnten Aenderungen angenommen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. 8 Deutschland. 8 Berlin, 21. Schewat. Heute wurde die neue 8 Lippmann-Tauß-Synagoge unter großer Festlichkeit 8 bei Anwesenheit einer zahlreichen Gesellschaft einge- 8 weiht. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Lip- 8 schütz. Diese legte wiederum beredtes Zeugniß 8 davon ab, wie diesem von hohen Ahnen abftam- 8 meuden, von inniger Gottesfurcht durchdrungenen 8 und ein staunenswertlies weltumfassendes Wissens- ■ gebiet beherrschenden Manne die Gewalt der Sprache j eigen ist, mit der er es versteht Sinn und Herz Z für Gott und seine geoffenbarte Religion zu fesseln. s Nach ihm sprach Herr Ellenberger, Rabbiner > der di1?# nunx Gemeinde und entwickelte in tief- - durchdachten Worten die Bestrebungen der Synagoge, den Wunsch anssprechend, daß die bereits 100 Jahre j bestehende And ach ts- und Lehrstätte zu immer gröjj feerer Blüthe sich entfalten möge. Bei dem am 8 Abend veranstalteten Festessen, an dem sich 87 I Herren und Damen betheiligten, wurden mehrere 8 Reden gehalten und verschiedene Toaste ausgebracht. 8 Die Gesellschaft spendete beträchtliche Summen für 8 das Gotteshaus. 8 Die Synagoge ist iin prachtvollen Style erbaut und namentlich das Innere derselben in einer allgemeine Bewunderung hervorrufenden Weise geschmückt. Biele hiesige und auswärtige Herren und Damen haben der Synagoge bei Gelegenheit der Einrichtung schöne und werthvolle synagogale Gegenstände zum Geschenke gemacht. Fr. C. Iserlohn, 13. Februar. Nachdem vor einiger Zeit Hierselbst auf dem jüdischen Kirchhof verschiedene Denkmäler zerstört worden, ist, wie die

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