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Der Israelit · 1890-02-17 · Heft 14 (17.2.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 14 (17.2.1890)
Date
1890-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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237 Talmud mache eS jedem Menschen zur Pflicht, bevor er frühstücke, seinen Thieren Futter zu geben. Gegen den von der Gegenseite als Autorität angeführten Dr. Otto Böckel sei eine Alimentations-Klage anhängig gewesen, da er sein Dienstmädchen unter Vorspiegelung der Ehe verführt hatte. Zur Verhandlung sei er nicht erschienen, sondern habe sich durch seine Frau vertreten lassen (lebhafte Heiterkeit), die für ihren Galten die Unkenntniß des Gesetzes vorjchützte. (Erneuerte Heiterkeit.) Dies sei die Autorität des Abg. Türk. Redner.kommt auf deu vom Abg. Türk angeführten Fall Bernstein zu sprechen und führt aus, daß dieser Rabbinats- Eandidat auf Grund ärztlicher Gutachten als unznrechnungsfähig erklärt worden sei. Es hätten sich ja auch ähnliche Fälle an anderen Orten zugetragen: so sei in Flensburg der Führer der Antisemiten ein evangelischer Pastor, Namens Petersen, und in Güstrow der Führer der antisemitischen Partei in Mecklenburg ebenfalls wegen ähnlicher Vergehen gegen die Sittlichkeit verfolgt worden. Es gibt, fährt Redner fort, noch Fälle, die dem Abg. Türk vielleicht näher stehen: er weiß ja von einem Wundarzt Türk in Iägerndorf, der von der Behörde wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit verfolgt worden ist. Ich weiß nicht, ob der Mann verurtheilt worden ist. (Abg. Türk: Er ist schon längst freigesprochen!) Aber der Herr Abgeordnete erzählt uns auch blos halbe Thatsachcn. (Lebhafte Heiterkeit. Abg. Türk: Das war ein anderer Türk!) Ich bestätige, daß dies ein anderer Türk ist, aber dieser andere Türk ist ein Landesgenosse des Herrn Türk; dieser andere Türk ist ein Namensgenosse dieses Herrn Türk, er ist ein Berufsgenosse dieses Herrn Türk, er ist ein Stammesgenosse des Herrn Türk, er ist ein Parteigenosse des Herrn Türk, und dennoch will der Herr Türk für den andern Herrn Türk nicht aufkommen, und ich soll für den Herrn Bernstein in Breslau eintreten! (Schalleitde, langandauernde Heiterkeit.) Der Abg. Türk hat uns auch eine Geschichte von seiner Dienstmagd erzählt. Ich habe mich bemüht, dieser Dienstmagd etwas näher zu gehen, (Erneuerte Heiterkeit.) Der Abg. Türk hüllt dieses Mädchen in mystisches Dunkel, ich kann ihin aber die Geschichte ganz genau erzählen, und vielleicht komme ich seiner Erinnerung zu Hilfe. Im Jahre 1872 tauchte in Iägerndorf das Gerücht auf, daß einem christlichen Dienstmädchen von einem jüdischen Dienstgeber Blut abgezapst worden sei, und der Zeuge in dieser Assaire war der Wundarzt Theodor Türk. Dieser halte die Wunde untersucht und sagte: Ja, es ist so, die Juden haben gezapft. (Heiterkeit.) Der Vorsteher der Cultusgemeinde ging zu Gericht, worauf der Wundarzt Türk um einen außergerichtlichen Ausgleich ansuchte, um nicht wegen Verleumdung belangt zu werden, und das Resultat dieses Ausgleiches war ein „Eingesendet" des Wundarztes Türk in der Zeitschrift: „Das Echo zur Unterhaltung des geselligen Lebens". Dort publicirte der Wundarzt Türk folgende Erklärung (liest) : „In hiesiger Stadt circulirt das Gerücht, als hätte ich sowohl in einem öffentlichen Local als auch bei Ausübung meiner ärztlichen Praxis Behauptungen angestellt und Aeußerungen fallen lassen, welche geeignet wären, das Judenthnm auf die empfindlichste Art zu beleidigen und zum Hasse gegen diese von mir so geachtete Religions-Genossenschaft anszureizen. Ich kann eine solche schwere, ungerechte Beschuldigung nicht auf meiner Person ruhen lassen und muß solch' lügenhaften Ausstreuungen auf das allerentschiedenste entgegentreten." — Das ist scharf! — „Ich erkläre, daß ich je weder eine solche Aeußerung gethan habe, noch daß ich mich je dazu hergebeu könnte, der Verbreiter solch elender, thörichter Verleumdungen zu sein (Hört! Heiterkeit), welche nur von den entschiedensten Gegnern des Judenthums herrühren und nur bei der ganz ungebildeten Masse Glauben finden können." (Heiterkeit und Beifall.) — Der Abg. Türk kann sich für dieses Eompliment bedanken. (Lebhafte Heiterkeit.) — „Ich habe nie solchen tölpelhaften Unsinn (erneuerte Heiterkeit), solchen crassen Blödsinn geglaubt oder verbreitet. Iägerndorf 22. Mai 1872. Theodor Türk, Arzt, hier." (Abg. Fiegl: Nicht Karl Türk.) Nicht Karl Türk, aber die Magd ist ein Erbstück der Familie. Soll ick noch weiter untersuchen? (Abg. Dr. Steinwender: Ja! (Heiterkeit.)) Ich glaube, es ist überflüssig, aber ich appellire an jeden ehrlichen und redlichen Menschen, ob man es wagen darf, im österreichischen Parlamente auf Grund solcher Behauptungen gegen eine ganze Consession Verdächtigungen auszustreuen und Anklagen zu erheben (lebhafter Beifall im Hause, Zischen auf den Galerien), ob man es wagen darf, mit solchen Behauptungen eine ganze Elasse von Menschen zu Mördern zu stempeln. Wenn das. was der Abgeordnete Türk gesagt hat, wahr wäre, so ist er selbst strafwürdig. Warum ist er damals nicht zu Gericht gegangen, als ihm das Mädchen dies erzählt hat? Es war seine Psticht, zu Gericht zu gehen und es anzuzeiaen. (Lebhafter Beifall im Hause, Zischen auf den Galerien.) Präsident ermahnt die Galerien, sich jeder Mißfallensbezeigung zu enthalten, weil er sonst dieselben räumen lassen müßte. (Abgeordneter Hevera (zu den Galerien): Aufschriften lesen!) (Siehe Fortsetzung in der Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. In dem Lehrpersonal der Israel. Erziehungs- und Unterrichtsanftalt dahier ist eine wichtige Veränderung eingetreten. Der bisherige verdienstvolle Direktor der Anstalt, Herr Ludwig Stern, ist in Folge eines Beschlusses des Schulvorstandes in den Ruhestand versetzt worden. Herr Stern ist j schon seit längerer Zeit mir einem schweren Leiden! behaftet, das ihn dazu zwang, während der Sommer-! monate den Unterricht auszufetzen und zur Wieder-! Herstellung seiner zerrütteten Gesundheit eine Badej reise zu unternehmen. Während dieser Zeit versah > den Unterricht die geprüfte Lehrerin Fräulein Amalie! Unna. Obwohl Herr Stern zu Beginn des Winter-! semefters seinen Unterricht wieder ausnehmen wollte,! und theilweise auch wieder aufnahm, so konnte sich! der Schulvorstand doch nicht verhehlen, daß eine , Weiterführung des Unterrichts durch Herrn Stern, dessen Leiden nach wie vor fortdauerte, eine Schädigung der Schule bedeuten würde. Er beschloß daher, Herrn Stern in den dauernden Ruhestand zu versetzen und den Unterricht in den beiden oberen Klassen, die nur von Mädchen besucht sind, der bisherigen Aushilfslehrerin Fräulein Amalie Unna zu übertragen. Von einer Neubesetzung des Direktorats sah man ab. Fräulein Unna ist die Tochter des um die Anstalt so hochverdienten Herrn M. Unna der fast 30 Jahre lang an derselben wirkte. Man kann es im Interesse der Anstalt nur freudig begrüßen, daß ihr in dieser tüchtigen

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