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Der Israelit · 1890-02-13 · Heft 13 (13.2.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 13 (13.2.1890)
Date
1890-02-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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sich einer oder der andern Nation anschließen, und in dem Anschlüsse an eine Nation im vollen, wahren Sinne des Wortes scheint mir die Möglichkeit der Lösung der Judenfrage zu liegen. Wenn ich mich einer Nation voll anschließe, daun kann mich kein unverfälschter Nationalismus je zurückweiseu. Ich spreche die Hoffnung aus, daß der Antisemitismus in Böhmen nicht zur Glüthe, und wenn er etwa auftauchen sollte, zum sofortigen Ersticken kommen wird. Ich wünsche dies nicht etwa nur im Interesse des Judenthums, sondern auch im Interesse der böhmischen Nation, welche dadurch die Juden assimiliren und endlich für sich gewinnen wird. Da der vorliegende Gesetzentwurf zu der Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden die Hand bietet, so begrüße ich denselben und werde mit Herzensfreude für das Eingehen in die Special-Debatte stimmen. (Lebhafter Beifall.) Die Verhandlung wird hierauf abgebrochen. Präsident gibt bekannt, daß sich noch als Redner eintragen ließen, und zwar eontra. die Abgeordneten Pscheiden, Dr. Bloch Dr. Lueger, Kaiser, Fieglz pro die Abgeordneten Dr. Rapoport, Dr. Weitlof, Dr. Jaques. (Dienstag Fortsetzung der Verhandlung.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mergentheim im Febr. 1890. Im vorigen Monate entschlief hier im Alter von 86 Jahren der von Obernbreit zu seinem Schwiegersohn übersiedelte vormalige. Religionslehrer Raphael Frankel, der es vermöge seines biederen, bescheidenen Charakters , seiner gediegenen religiösen und profanen Kenntnisse verdient, daß ihm in diesen Annalen des Judenthums ein Ehrendenkmal gestiftet werde. In Binswangen im bayr.Schwaben als Sohn des weil. Rabbiners Abraham Frankel geboren, genoß er dessen Unterricht, wie den seines Schwagers, des nachmaligen Rabbiners Js. Hirsch Gunzenhausen und später den des Rabbiners Aron Gugenheimer in Kriegshaber bei Augsburg, woselbst er unter 27 Lehramts-Kandidaten das beste Examen bestand. Als der begabteste unter vielen Geschwistern, nlußte er zu deren Unterstützung sowie seiner Mutter bald auf den Broderwerb bedacht sein. Er nahm daher eine Privat-Lehrerstelle im Hause des berühmten Rabbi Wolf Hamburger in Fürth an, wobei er sich dessen Hochachtung erwarb und iu seinen Talmudstudien sehr befördert wurde, so daß der gefeierte Meister nach einigen Jahren mit Bedauern ihn aus seiner Familie und seinem Kreise zum Antritt der Religionslehrerstelle in Obe r nb reit scheiden sah. Daselbst wirkte der gewissenhafte und pflichtgetreue Pädagog 57 Jahre, vom Vertrauen seiner Gemeinde, der Dankbarkeit und Verehrung zahls reicher Schüler umgeben, die er nicht nur in die! Hallen der Thora, sondern auch in das allgemeine Gebiet des Wissens mit ungemeinem Lehrgeschick einznführen verstand. Es that im aber wohl, nach Jahren ans der Ferne vielfache Beweise der Anhänglichkeit zu empfangen und von allen Seiten durch zarte Aufmerksamkeit sich geehrt zu sehen. Auch sonst praktisch als Buchführer, Korrespondent und Versicherungsagent thätig, wurde er bei seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum von der Direktion der bayr. Hypotheken- und Wechselbank durch ein ehrenvolles Diplom und ein ansehnliches Geschenk ausgezeichnet. In den letzten zwei Jahren war er körperlich wohl geschwächt, sein Geist aber immer rege, hell und munter, seiner Umgebung, aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen menschenfreundlich mittheilend. Seine Würdigkeit und Beliebtheit sprach sich bei seinem großen Leichenbegängnisse aus, bei wel-! chem Rabbiner und Vorsänger seinen Verdiensten die gerechte Würdigung zu theil werden ließen. Berlin, 11. Februar. „Die Zeitung des Judenthums" ist in den Verlag des Annoncen-Expedienten Rudolf Masse in Berlin übergegangen und wird von Herrn Max Bauch Witz redigirt. Die Tendenz dieses Reformblattes bleibt, wie Leitung und Verlag versichern, dieselbe wie unter der Redaction des verstorbenen Herrn Dr. Philippson. England. London, 5 Febr. In dem Berichte, welchen Ihr geschätztes Blatt über die Probepredigten der vier Kandidaten für die Rabbinerstelle der Federation brachte, war bemerkt, daß Herr Dr. Lerner im Jargon gesprochen habe; dies war nicht der Fall. Der Bortrag näherte iu Erklärungsweise und Tonart dem Style eines polnischen Maggid, war jedoch in deutscher Sprache gehalten. Eine moderne Predigt wäre dem größten Theil der Versammlung (Russen und Polen) unverständlich geblieben; auf diese Weise jedoch gelang es Herrn Dr. Lerner die Aufmerksamkeit und die Begeisterung der Zuhörer auf sich zu lenken. P. London. Bei der Mittheilung der Pläne, die der Rev. M. Ga st er bei der Reorganisirung des Montefiore Theologischen Instituts in Ramsgate in's Auge gefaßt, berichteten wir, daß er beabsichtige, junge Leute ans den östlichen Ländern in demselben derart zu erziehen, daß sie Rabbiner in ihrer Heimath werden können. Der erste Schritt in dieser Richtung ist kürzlich geschehen, da Rev.

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