Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1890)
- Date
- 1890-02-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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loren, und auch der Gatte seiner ältesten Tochter war der damals grassireuden Epidemie erlegen. Die kleine, damals sechsjährige Emmi war als elternlose Waise zu ihm gekommen, sie war die Einzige, die ihm geblieben, denn seine jüngste Tochter war kinderlos gestorben und ihr Gatte war gleich nach ihrem Tode ausgewandert und war jetzt in New-Aork Inhaber eines bedeutenden Geschäftes. Die kleine Emmi war die einzige Freude ihres Großpapa's, der sie wie seinen Augapfel hütete. Doch in den letzten zwei Jahren war die längst erschütterte Gesundheit des vielgeprüften Mannes vollends in die Brüche gegangen, er besorgte ernstlich, in nicht allzuferner Zeit vielleicht plötzlich dahingerafft zu werden, und was sollte dann aus feiner Enkelin werdend — sie hatte in Europa nicht einen einzigen Verwandten. — Diese Sorge drückte ihn schwer und er hatte daher schon vor längerer Zeit in diesem Sinne an seinen Schwiegersohn geschrieben. Dieser hatte sich sofort bereit erklärt, seine Nichte zu sich zu nehmen, aber er war auch in seinen Schwiegervater gedrungen, mit seiner Enkelin zu ihm zu kommen, denn er wußte, es wäre dem alten Manne allzuhart gewesen, sich von seinem Liebling zu trennen. Der alte Müller hatte sich jedoch lange nicht entschließen können, die Scholle, auf der er geboren, aus der er so viel Glück und Leid erfahren hatte, zu verlassen. Schließlich hatte die Liebe zu seiner Enkelin gesiegt, denn er konnte sich nicht verhehlen, daß es für Emmi ungleich besser sein würde, schon während seines Lebens im Hause ihres Onkels zu verweilen als erst nach seinem Ableben, wer weiß in welcher Begleitung dasselbe aussuchen zu müssen. Und sich schon vor seinem Tode von ihr zu trennen, das erschien ihm unmöglich. So hatte er sich denn entschlossen, der Aufforderung seines Schwiegersohnes zu entsprechen, um so eher, als sein Arzt ihm erklärt hatte, daß die Seereise seiner Gesundheit nur förderlich sein könnte. Mit sichtlichem Interesse hatte Adolf die Mittheilungen des alten Mannes entgegengenommen, während sein Auge mit unverhohlener Bewunderung an dem jungen Mädchen haftete, das gewöhnlich mit einer Handarbeit beschäftigt, an der Seite ihres Großvaters sich befand. — Wie war sie so wunderbar schön und so hold und so sanft und so gut — so unvergleichlich gut — in ihrer Nähe fühlte auch Adolf sich als ein anderer Mensch, alle seine unlautern Wünsche und Neigungen schwiegen dann und er, der bisher noch nie an eine Herrath gedacht hatte, ertappte sich jetzt öfters bei dem Wunsche, ein Haus zu gründen und die liebreizende Emmi als seine Gattin heimzusühren. Um ihretwillen hätte er sogar für immer einen religiösen Lebenswandel führen mögen. — Und wenn er sich vergegenwärtigte, mit welcher Freude sein Vater eine solche Schwiegertochter begrüßen würde, dann glaubte er sogar, er hätte es wagen dürfen, ihm von New-Uork aus seine Verlobung mitzutheilen. Er fuhr sich ärgerlich mit der Hand über die Stirn. „Verlobung — Verlobung! " was water doch für ein entsetzlicher Träumer. — Konnte er denn wissen, ob das Mädchen seine Neigung erwiderte? Vorläufig galt es nur, sich um sie zu bemühen, und, wer weißd — vielleicht war das Glück ihm doch günstig, er war doch bekannt als ein verflucht hübscher Kerl — aber — aber — Er kannte sich selbst nicht mehr, wohin war seine sonstige übcrmüthige Zuversicht gekommen? (Fortsetzung folgt.) „Israeli!" und „Jefchurun" erichein: wöchentlich z w e i Ui rt l, Montags und TuunerslagS, ledeoinai IN Mlttdeslens 2 Augen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnier ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch öeu Buchhandrl 1» bekehr« bei E. F. Kteinackrr, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die drcigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestrrreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusenduug unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Eine Sckekalimbetrachtung. — Die Regierungsvorlage über die äußeren Rechtsverhältnisse der jüd. Religions-Genossenschaft im österr. Abgeordnetenhause. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Ans dem Großherzogthum Hessen. Ems. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Preßbnrg. — England: London. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Wallungen. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Regierungsvorlage über die äußeren Rechtsverhältnisse der jüd. Religions-Genossenschaft im österr. Abgeordnetenhause. — Zeitungsnachrichten und Correspondemen: Deutschland: Mergentheim. 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