Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1890)
- Date
- 1890-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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■ : ' :,. ' If 214 ein funkelndes Farbenspiel der herrlichsten Produkte göttlicher Macht und menschlicher Kunst. Da hatte ein Jeder, so wie das Herz ihn trieb, die theuersten Kleinodien seines Hauses geopfert, auf daß sie im Heiligthum zur Ehre Gottes mögen prangen. Und wohl den Reichen, denen es vergönnt gewesen, aus ihrer Schätze reichen Zahl dem Hause Gottes zuzuwenden, sie konnten sich des edlen Werkes freuen; und beschämt sollte sich der Arme sagen: „Ich habe keinen Theil an diesem Heiligthum d" Da sprach Gott: „Und wenn das Heiligthum im Innern noch so sehr erglänzet im reichsten Schmuck von Gold und Silber, Byssus, Carmesin, doch -rriN ppon rrm das Heiligthum muß ein gemeinsames Ganze auf gleichen Füßen ruhen. Das Mischkan, ein Abbild des gesammten Judenthums, es kann nur seine Mischkanbestimmung erfüllen, wenn es auf solchen Unterlagen ruhet, die in sich tragen die Worte, Nb bim nxv Nb v'pv' und das Gewölbe kann Gottes schützende Macht nur dann über Israel ausbreiten, wenn es auf Säulen ruhet, die gleich von Arm und Reich errichtet sind. Denn nicht der quantitative, materielle Werth verleiht dem Judenthume und dem einzelnen Juden feine wahre Größe, sondern der qualitative innere Werth, er bestimmt Zahl und Bedeutung unseres Volkes. Darum durfte Israel nicht nach Köpfen gezählt werden jnn py na tabw yaiantr, ein solches Zählen, Israel mit Zahleneinheiten bestimmen wollen, hieße die Größe und Bedeutung des jüdischen Volkes verkennen; nicht Zahl, nicht Reichthum und nicht Schätze zeugen von des jüdischen Volkes Macht und Würde, sondern seine Erhabenheit, seine Tugenden, seine qualitativen Vorzüge, sie sind es, die zu allen Zeiten als Maßstab dienen mußten. So sprach einst Gott zu Vater Abraham: „Sieh diese Sterne, ob du sie zählen kannst, tt-t na TV)*, so werden deine Nachkommen sein. So wie diese Sterne werden deine Nachkommen gezählt werden, nicht nach Zahl, nein, nach ihrem Glanze, nach ihrem strahlenden Lichte, ob sie es verstehen in dunkler Leidensnacht mit Hellem Glanz tugendhaft zu strahlen. Und wenn wir Israels Zahl nach dem halben Schekel bestimmen, wenn wir mit jener Schekellehre ö'yo» nV bnm m*v Nb nwyn den Menschen schätzen und bemessen, nicht nach des Hauses Glanz und Schimmer, nicht nach des Aeußeren blendendem Scheine, dann ist Israel vor feindlichen Mächten gesichert, dann jnn yy üVw Nb kann kein neidisches Auge dem Judenthume schaden, dieweil das Mark des jüdischen Lebensbaumes im Innern saftig treibt. Und dieser Gedanke ist es auch, der diesen 1 <Babbat Schekalim zum ersten Pfeiler setzte jenen vier Sabbaten, die eine Brücke bilden hin zum Peßachsefte, diese Lehre ist es, die unfern Blick hinaufrichtet in die Zeiten egyptischer Sklaverei, in die Tage gemeinsamen Druckes und gemeinsamer Leiden. Im Unglück schlägt des Bruders Herz dem Bruderwarm entgegen, da schwindet Groll und Haß, da brechen alle Schranken gesellschaftlichen Unterschiedes; so wie das Judenthnm muß leiden, so leidet Jeder, ob arm, ob reich gemeinsam an des Bruders Seite. Und deßhalb blicken wir an diesem Sabbat hinauf zu jenem Feste, das uns an Zeiten gleichen Leids erinnert, auf daß auch jetzt im Freudenmonat wir, wenn längst verscheucht das finstere Gewölk und beglückend ein goldnes Morgenroth der Freiheit und der Duldsamkeit den anbrechenden Tag feierlichen Daseins uns verkündet, auf daß in diesen schönen Zeiten auch die Schekalimgedanken uns erhalten bleiben, auf daß wir nicht ausrufen müssen aiy cnao pxo DanN 'n «»am »a cnyTi „erst wenn verdunkle Abend drüben Mißgeschicks hereingebrochen, erst dann denkt Ihr an jene Zeit gemeinsamer Leiden. Wohl meinen auch unsere Midraschweisen in einem räthselhaften Ausspruch diese Lehre, wenn sie aus dem Schristverse nanran -pn oyn hn D»pbx aon „und Gott führte das Volk auf Umwegen durch die Wüste" folgern wollen: bNit^aip *jy ib’SNtp jNa» aDW ny baN’ Nb. Daraus gehe hervor, daß selbst der Aermste in Israel am Peßachfeste nicht essen solle, bis er sich angelehnt. Denn die Erinnerung an den gemeinsamen Zug durch die Wüste, der Gedanke au Zeiten gemeinsamen Elends und Entsagung, an gemeinsame Führung und Leitung Gottes in: wüsten, menschenleeren Lande, er soll uns lehren, wie das Peßachfest, daß selbst dcr Aermste frei und glücklich sich fühlen soll, daß alle Schranken materiellen Reichthums gebrochen und nur der Jude als Leidensbruder dem Juden gegenübersteht. Wehe denen, die in unserer Zeit aus niedriger Ehrsucht die wahre Ehre vergessen, um sich die Pforten hohen Ranges zu erschließen, die sich ihres jüdischen Stammes schämen und stolz herabblicken auf den jüdischen Glaubensbruder, der es verschmäht, cmporzukriecheu, wedelnd um der Stolzen Thron. Weh' ihnen, sie vergessen, daß einstens eine jüdische Königin ihr wahres jüdisches Herz bewahrt, und gerade, weil sie ihres armen Stammes stolz sich rühmte, ihr Volk von dem Verderben hat gerettet. Ester war stolz auf ihren Stamm und Mordechai, er war ein „Mann" im wahren Sinne, ein mrp btn, denn er bückte sich nicht vor einem