Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1890)
- Date
- 1890-02-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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198 werk beginnen. — Diese Auffassung macht die Stürme und Wetter des Winters selber zu Vorboten des Frühlings. Auch mit Israel verhält es sich nicht anders. Es hat nicht umsonst die Mahnung erhalten, aus den Frühling zu achten; denn in dieser Beachtung liegt der Schlüssel zu dem Räthsel seiner ewigen Verjüngung und seiner nicht zu brechenden Lebenskraft. Als sich seine Erlösung aus dem Haufe der Sklaverei vollzog, feierte auch die Natur ihre Erlösung aus dem Banne des Winters. Wohl weiß es nicht, wie lange sein Winter dauern, wie bald sein Frühling kommen wird. Aber das weiß es, daß die härtesten Stürme und wildesten Wetter es bereits betroffen haben, ohne seine Lebenskraft zu beugen. Wenn nach dem thränenreichen hundertjährigen Sklavenloos in Egypten Gottes Allmacht, die Stunde der Erlösung und der Freiheit schlagen lassen konnte, so giebt es keinen Wunsch und keine Hoffnung, dessen Erfüllung wir nicht hoffen dürsten, und keinen Winter, der uns den Glauben an den Frühling rauben könnte. Diese trostvolle Ueberzeugung belebt uns neu, indem wir die Hoffnung auf unsere einstige Erlösung aus der Thatsache der Erlösung aus der egyptischen Sklaverei mit den Worten schöpfen: nnrp msi ^nr* m'jn ncip na nn« 1112 ton»» mp id» niN2a 'n 1^x2 bn~\m „Hort Israels, erhebe dich zur Hilfe Israels, befreie deiner Verheißung gemäß Juda und Israel; unser Erlöser, Ewiger der Heerscha-ren ist Sein Name, Heiliger Israels! Sei gelobt, 0 Ewiger, der Israel erlöst hat." Unsere Weisen lehren: ntoiO 71s. Man muß an dieses Gedächtniß der Erlösung aus Egypten unmittelbar das Gebet, die Schemone Esre schließen. — Wenn wir unsere Machtlosigkeit und die wunderbare Allmacht Gottes, die er bei unserer Erlösung aus Egypten bewährt hat, uns in ihrer ganzen Tiefe zum Bewußtsein bringen, dann sind wir in der rechten Seelenstimmung, welche ein Gebet zu Gott erfordert. Unsere großen und kleinen Anliegen, die Hoffnungen und Wünsche für uns, unsere Familie, unser Volk und die gesammte Menschheit, deren Gewährung wir nach menschlicher Berechnung kaum für möglich halten sollten, legen wir dann vertrauensvoll vor Gott nieder. Wie arm und verlassen, wie hilflos und unglücklich auch die Lage wäre, in welcher wir Gottes Hilfe erflehen, wie groß auch die Hindernisse scheinen, die der Erhörung unserer Bittenentgegenstehen, so arm und verlassenLsind^wir nicht, wie unsere Väter in Egypten waren, so mächtig wie damals sind die Mächte nicht, welche uns entgegenstehen. Der Gott, dessen liebende Allmacht damals an uns vorüberzog und uns, obwohl dem hundertfältigen Tode verfallen, dennoch zum neuen Leben rief, der Gott lebt noch und läßt uns jeden Tag neu auf seine Liebe hoffen. Deßhalb hat Gott die alljährliche Feier unseres Erlösungsfestes an den Frühling geknüpft. Deßhalb folgen, wenn erst Chamischa-Asar vorüber ist, die vier Parschijoth, von welchen jede eine neue Frühlingsbotschaft verkündet, die wir uns klar zu machen versuchen wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 8. Februar. Eine sehr stürmische Auseinandersetzung, die zuweilen in Thätlichkeiten ausartete, hatten gestern Abend die Antisemiten untereinander. Die Einladung zu der von 5—600 Personen besuchten „antisemitischen Versammlung" imKaisersaal bei Buggenhagen war von der deutschsozialen Gruppe der Antisemiten, speziell von Dr. Paul Förster ausgegangen. Die zahlreich vertretene Opposition bestand aus den Anhängern Böckel's; diese letzteren sind für absolute Wahlenthaltung und schimpfen mit der ihr eigenen Parteibegabung kräftig auf Stöcker, die Konservativen und das Kartell. Höchstens wollen sie aus Bosheit sozialdemokratisch wählen. Nach mehrfachen Raufereien in unverfälscht „germanischem Stile" wurde die Versammlung gegen Mitternacht - aufgelöst. Bielefeld, 2. Febr. Der preuß. Reserveoffizier und RechtSanwaltDr.jur.Klasing kam am 27. Jan., gegen 7 Uhr Abends, bekleidet mit seiner Offiziersuniform, aus dem Gesellschastsgebäude der „Eintracht", wo das zur Feier des Tages veranstaltete Festessen abgehalten worden war. Vor dem Gebäude hatte sich eine größere Anzahl von Straßenjungen angesammelt, die sich die Zeit durch allerhand Allotria vertrieben. Als der Herr Lieutenant die muntere Schaar gewahrte, rief er sie zu sich heran, und nun entspann sich zwischen ihm und den Knaben folgendes im lautesten Tone geführte Zwiegespräch: „Kommt mal her, Ihr Jungens, seid Ihr auch alle ordentlich und anständig?" „„Ja, das sind wir!"" „Seid Ihr auch wirklich ordentlich und anständig?