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Der Israelit · 1890-02-06 · Heft 11 (6.2.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 11 (6.2.1890)
Date
1890-02-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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187 Was dem Muthe und der Energie der gesetzestreuen Juden in Preußen und anderen Ländern Deutschlands möglich war, wird wohl anderswo auch durchzuführen sein. Noch einmal muß ich betonen, daß die untergeordnete Stellung, welche die gesetzestreuen Juden heute in den erwähnten Ländern einnehmen, sie nur zu einer stummen Rolle verdammt, die, wie die Thatsachen beweisen, bis jetzt nicht Gutes geschaffen hat und nur weiteren Verfall des gesetzestreuen Judenthums im Gefolge hat. Das aber ist die schwere Schuld desJndifferentismus, der dort von Anfang an alle Thatkraft der Gesetzestreuen lähmt, so daß sie es von vornherein als ein aussichtsloses Unterfangen hielten und halten, einen Kampf für ihr gutes Recht', für ihre Stellung zu unternehmen. Man denkt immer nur an die eigene Person und nicht an die Sache, die man vertritt; nicht an das Judenthum, für das man ja doch lebt und sich erwärmt und dem man persönliche Opfer bringt. Das genügt aber nicht. Das gesetzestrene Judenthum muß die ihm gebührende Stellung eiunehmen, ihni muß die staatliche Anerkennung errungen werden, wenn es jemals erstarken soll. Das ist aber nicht möglich, wenn man aus Toleranz und Friedensliebe geduldig ist und sich scheut das Odium eines Störenfriedes auf sich zu laden. Ich habe noch nie in der Geschichte der Reformbewegung gelesen, daß das Reformjudenthum zurückschreckte, den Gcmeindefrieden zu stören um seiner religiösen Anschauung zum Recht zu verhelfen. Im Gegeutheil, man scheute sich nicht, intolerant zu sein, weil man, wie man sagte, cs sich nicht verzeihen könnte, gegen besseres Wissen und bessere Einsicht, das Veraltete bestehen zu lassen, nur um nicht das religiöse Empfinden Anderer zu beleidigen und zu verletzen. So haben sich die Vorsteher vieler Rcformgemeinden, als es sich in Hessen um das Austrittsgesetz handelte, welches die Regierung dem Landtage unterbreitete mit der Begründung, jeden Gewissenszwang auszuheben, nicht gescheut, dagegen Verwahrung einzulegen und, da es nicht mehr hintanzuhalten war. den Landtag gebeten, die Austretenden zu verpflichten, auch ferner ihre Beiträge zu bezahlen. Das sei ja kein Gewissenszwang, sondern nur ein Geldopfer. Mit Recht wurde vom Landtage diese — absonderliche Auffassung der Herren Vorstände über Gewissensfreiheit nicht gctheilt. Wir aber sollen immer ruhig sein, zufrieden, daß man uns überhaupt in Ruhe läßt und uns, wie das früher zuweilen vorkam, nicht mehr zwingt, die Reformen mitzumacheu. Dann seien wir friedliche, tolerante Bürger. Ich meine doch, daß e4 gerade unsere Pflicht wäre, unsere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu erstreben, unsere Bescheidenheit und Zufriedenheit abzustreifen. Das Reformjudenthum hat für die jüdische Religion gewiß nichts geleistet, blickt nur auf eine Trümmerstätte zurück; und das gesetzestreue Judenthum ist großenteils durch den Jndifferentismus in ganzen Ländern nicht dazu angethan, etwas besonderes zu leisten, ist lahm gelegt, ohnmächtig sich zu erheben, zu erstarken, für das einzustehen, was ihm doch am Herzen liegt. Wird es mir gelingen, gegen den Jndifferentismus anzukämpfen? Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Görlitz, 27. Januar. Der hiesige antisemitische Reform-Verein hat sich „aus Mangel an Interesse" aufgelöst. Schwersenz, 30. Jan. Rabbiner Dr. Seckel Bamberg er hat die in der hies. Synagoge zum Gedächtuiß Ihrer hochsel. Majestät der Kaiserin und Königin Augusta von ihm gehaltene Rede an Se. Maj. den deutschen Kaiser etngereicht und heute von dem Herrn Ober-Präsidenten der Provinz Posen, Se. Excell. Grafen von Zedlitz, die Mittheilung erhalten, „daß Se. Majestät den HerrnOber-Präsidenten beauftragt haben, Allerhöchsten Dank für die Einsendung auszusprechen." Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Wie die „Jsr. Gemeindeztg." vernimmt, hat Herr Dr. Ehrenfeld, Rabbiner in Gnesen, endgiltig erklärt, die Wahl zum Oberrabbiner der Prager israel. Cultusgemeinde anzunehmen. Seine Ankunft in Prag soll, wie verlautet, am 29. April d. I. erfolgen. Preßburg, 29. Januar. Der wegen seiner immensen Gelehrsamkeit weit über die Grenzen unseres Landes rühmlichst bekannte Verfasser des w D’nx niDa" und tjad Vn« »p^n '3, Herr Abraham B i ck '"j versendet dieser Tage einen „Kol Kore" über eine zu gründende, hebräische, wissenschaftliche Zeitschrift: „tmp m" und ladet hiemit zur Pränumeration ein. Ob diese Zeitschrift wöchentlich oder monatlich erscheinen wird, kann Herr Bick im Vorhinein nicht bestimmen, da dies von der Pränumerantenzahl .'und Betheiligung jüdischer Gelehrten abhängig ist. Der Herausgeber, aller Geldmittel baar, ersucht die Pränumerirenden

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