Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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181 ' l#fr-~tt-- gewußt hatte. L. übergab die Angelegenheit seinen Zeugen, und knüpfte die Schlichtung auf friedlichem Wege an die Bedingung, daß H. ihm in derselben Gesellschaft öffentlich Abbitte leiste und seine über die Juden im Allgemeinen gesprochenen Worte zurücknehme, worin jedoch H. nicht willigte, mit der Bemerkung, daß er gern bereit sei seinem Freunde persönliche Abbitte zu leisten, aber nicht den Juden. L. G—g. Frankreich. Paris. Monatsbericht. (Dezember). „All. Jsr. Univ." (Die Auswanderung nach der argentinischen Republik.) Der Septemberbericht brachte bereits wenig Erfreuliches über die Lage der 800 russischen Emigranten, die sich im Juli nach der argentinischen Republik eingeschifft haben. Die späteren Mittheilungen sind noch besorgnißerregender. Der Auswanderer, welcher nach Argentinien geht, ohne die Landessprache zu kennen, ohne physisch kräftig zu sein, ohne ein Handwerk'oder die Landwirthschast genau zu kennen, wird schwerlich Erfolg haben, ersetzt sich den schwersten Prüfungen und Leiden aus, die ihm gefährlich werden können. Arbeit wird zwar dort theuer bezahlt, aber nur bei fachkundigen und kräftigen Leuten, die mit der Sprache vertrant sind. Alle Lebensmittel sind furchtbar theuer, und wer dort nicht große Einnahmen hat, ist dem größten Elend ausgesetzt. Die Grundbesitzer, welche Coloniften cngagiren, haben nicht immer die erforderlichen Mittel, um ihre Bedürfnisse zu decken bis zur nächsten Ernte, oder um ihnen die Einrichtung, das Handwerkszeug, das zum Ackerbau nöthige Vieh zu beschaffen. Sogar das Brod ist theuer, und.oftmals liefern es die Grundbesitzer in so geringer Menge, daß die armen Coloniften buchstäblich vor Hunger sterben. Die oben erwähnten 800 Auswanderer hatten Contracte mit, die von einem Auswanderungs-Agenten unterschrieben waren, und laut deren ihnen Boden, Ackerbauinstrumente, Samen und Unterhalt bis zu einer gewissen Zeit gesichert wurde. Bei ihrer Ankunft mußten sie erfahren, daß diese Contracte absolut werthlos seien und nicht ausgesührt werden könnten. Ein großer Theil des Geldes, welches sie bei Unterschrift der Contracte etngezahlt hatten, ist ihnen zwar zurückerstattet worden, Dank den Bemühungen von verschiedenen Verwaltungen in Buenos-Ayres, aber dieses Geld wurde bald ausgegeben, und jetzt scheint ihre Lage eine sehr bedauernswerthe. Man erwartet noch nähere Mittheilungen, doch genügt das! eben Gesagte, um alle diejenigen, abzuschrecken, die geneigt wären, ihrem Beispiele zu folgen. (Israeliten der Türkei.) Anbei noch neuere Mittheilungen über die Zustände in Bagdad, welche Herr Somekh, der Schuldirektor, dem Central-Comits zugeheu ließ. Die letzten Nachrichten sind vom 2. Dezember, und kannte man bereits den Regterungsbeschluß, den dortigen Bali zu versetzen; daher fingen die Gemüther an, sich zu beruhigen. Inzwischen nahm der gegen die Israeliten angestrengte Prozeß seinen Lauf. Der „Temps" vom 31. Dezember bringt folgende Mitteilungen über diese Versetzung des Vali und den ganzen Vorgang. Für Syrien ist ein neuer General-Gouverneur, Namens Mustapha Assim Pascha ernannt worden, 1>er bereits mehrere wichtige Posten bekleidete. Vor nicht zwei Jahren wurde er nach Bagdad gesandt, und es entspann sich dort im Lause dieses Jahres ein kleiner antisemitischer Aufstand, der, wie es scheint, seine Stellung compromittirt hat. Seine Feinde benutzten die Gelegenheit, um zu behaupten, der Pascha sei beschränkt, unduldsam und fanatisch. Leute, die ihn genau kennen, versichern mir, daß dies nicht der Fall ist, und daß man im Gegentheil berechtigt ist, eine ausklärte Verwaltung, Gerechtigkeit und Duldsamkeit zu erwarten von einem Manne, der einer der Lieblingsschüler/, und Schützling des großen Fuad war. Es^ift ja mchts Geringes, zum Gouverneur von Damascus ernannt zu werden, dieser berühmten fast immer in Gährung befindlichen Stadt, die von den Arabern „das Schwert des Islam" benanntUvnrde. Aber>die Bedeutung des Vilayet, dessen Hauptstadt^ sie ist, ist sehr herabgesnnkeu durch die kürzlich erfolgte Gründung des Vilayet von Beyruth, der ungefähr ein Drittel von Syrien ausmacht.^ Wenn,^ was ich^.nicht glaube, der neue Pascha von Damascus nicht die besten Gesinnungen hegte,".würde sich seine Wirksamkeit nur auf ein beschränktes Rayon ausdehnen. Da der oben erwähnte kleine Aufstand einiges Aufsehen in Europa gemacht^hat, glaubte der Sultan eine Untersuchung anorduen zu müssen. Die zu diesem Zweck nach Mesopotamien entsandte Commission wird einen bosnischen Muselmann, Namens Jsmet-Pascha zu ihrem Vorsitzenden haben, der, es muß^dies zugcftanden^werdcn, nicht für.einen aufgeklärten und gebildeten Menschen gilt. „Da wir" schreibtHerrSomekh, „uns weiter um die Kranken unter den Armen der Gemeinde bemühen, sind wir in der Lage genaue Information über den Gesundheitszustand der Stadt zu gewinnen. Wir haben täglich durchschnittlich 60—70 arme Kranke. Nach Aus-