Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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kommen und die Entstehungsursachen der Kurzsichtigkeit. Ein Einfluß der Rasse auf die Entstehung der Kurzsichtigkeit ist insofern erkennbar, als auf beiden Gymnasien die Israeliten eine etwas stärkere Neigung zur Kurzsichtigkeit, namentlich in den unteren Klassen zeigten. Dies erklärt sich nach Dr. Kirchner dadurch, daß der Orientale sowohl körperlich als geistig früher entwickelt als der Germane, und daher etwaigen, den Bau des Auges veränderten Einflüssen früher anheimfallen muß, als dieser. Ein Unterschied in der Neigung, kurzsichtig zu werden, besteht auch zwischen den Blonden und Dunklen unter den germanischen Schülern. Die Blondhaarigen werden nämlich früher und in stärkerem Grade kürzstchtig, als die Braunen. Auch unter den hellhaarigen jüdischen Schülern tritt eine stärkere Neigung zur Kurzsichtigkeit hervor, als bei den dunklen. Der Knochenbau des Schädels steht in gewissen, jedoch noch näher zu erforschenden Beziehungen zur Kurzsichtigkeit. Eine niedere Augenhöhle und ein verhälrnißmäßig niedriges Gesicht, finden sich bei kurzsichtigen Augen häufig, sind jedoch keineswegs Bedingungen für die Entstehung der Kurzsichtigkeit, da ein entsprechender Schädelbau sehr häufig ohne Kurzsichtigkeit vorkommt. Die Erblichkeit spielt eine große Rolle bei der Entstehung der Kurzsichtigkeit. Kinder mit kurzsichtigen Eltern haben die meiste Aussicht, kurzsichtig zu werden, wenn die Kurzsichtigkeit bei beiden Eltern, etwas weniger, wenn sie nur bet der Mutter, noch weniger, wenn sie nur beim Vater vorhanden ist. Knaben mit kurzsichtigen Eltern sind doppelt, Mädchen viermal so stark zur Kurzsichtigkeit veranlagt, als Söhne bezw. Töchter nichtkurzsichtiger Eltern. Mädchen scheinen übrigens auch sonst unter gleichen Bedingungen in etwas größerer Zahl der Kurzsichtigkeit anheimzufallen, als Knaben. Den stärksten Einfluß auf die Entstehung der Kurzsichtigkeit hat der Beruf, bezw. die Vorbereitung zu demselben, insofern dabei häufige und dauernde Akkomodation der Augen bei starker Konvergenz der Sehlinien, d. h. Naharbeit mit geistiger Anstrengung erforderlich ist. Der schädliche Einfluß der Nahearbeit wird bewirkt durch unzweckmäßige Sitzvorrichtungen, ungenügende Beleuchtung und Lehrmittel, welche wegen ihrer Farbe (dunkle Schiefertafeln, schlechtes Papier u. s. w.) oder Form (zu kleiner Druck u. s. w.) zu hohe Anforderungen an die Augen stellen. Auf Grund dieser Ergebnisse stellt Dr. Kirchner eine Anzahl von Forderungen auf, wie z. B., daß die Schulen mit körpergemäßen Sitzen auszustatten seien, und zwar jede Klasse mit drei, dem Durchschnittsmaße der Schüler entsprechenden Größen; behufs einer richtigen Auswahl der Sitze sind sämmtliche Schüler halbjährlich zu messen und nach ihrer Größe zu setzen. Andererseits ist es auch sehr zu wünschen, daß in den Familien mehr darauf geachtet werde, ob die Kinder bei ihren häuslichen Ar-, beiten genügend Licht haben und ob die Sitze zweckmäßig eingerichtet sind. Daß namentlich in letzterer Beziehung selbst in gebildeten Familien noch sehr viel gesündigt wird, dürfte Niemand bestreiten. Sehr häufig sitzen die Kinder an zu hohen Tischen ans weit davon abgerückten Stühlen. Wundern kann man sich aber über diese Gleichgiltigkeit kaum noch, wenn man vernimmt, daß sogar Leute, denen ihre Stellung eine große Verantwortung anferlegt, sich um die selbftverständlicheu hygienischen Forderungen nicht kümmern. Dr. Kirchner berichtet, daß er einen Waisenhausdirector kenne, der den ihm unterstellten Zöglingen das Tragen von Brillen ein für allemal verbietet, auch wenn sie ein ärztliches Zeugniß vorlegen, das die Brille für nothwendig erklärt. Diese unglaubliche Erfahrung rechtfertigt die Aufstellung der Forderung: Brillen dürfen nicht ohne ärztliche Verordnung getragen, jedoch auch nicht gegen ärztliche Verordnung verboten werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Preßburg, 28. Januar. Heute Vormittag fand hier zwischen dem Honved-Oberlientnant D. L. und Reserve-Lieutenant L. H. ein blutiges Säbelduell statt, welches mit schwerer Verletzung des Ersteren endete. Dieser Fall, welcher in allen und insbesondere in jüdischen Kreisen peinliches Aufsehen erregte, ist konfessionellen Charakters. Reservelieutenant H. machte nämlich in Gegenwart des jü d. Oberlieutenants und mehrerer anderer Offiziere beim Eintreten eines Einjährig-Freiwilligen israelitischer Konfession in das Kaffeehaus, wo die Gesellschaft sich unterhielt, eine abfällige Bemerkung über die Juden im Allgemeinen, und als Oberlieutenant L. ihn deßhalb zurechtwies und fragte.- „Was gehen Dich die Juden an?" erwiderte H., die Juden seien keine gute Soldaten und ein jüdischer Offizier sei nach oben immer kriechend, während er nachjunten brutal und arrogant sei. Diese in heftiger Weise gesprochenen Worte kränkten den Oberlieutenant so, daß er anfstand und sagte: „Ich verbitte es mir, in meiner Gegenwart so über die Juden zu sprechen", und als H. in feindseligem Tone zu reden fortfuhr, entfernte sich der Oberlieutenant, ganz entrüstet und ohne Gruß. Die übrigen Offiziere machten den Reservelieutenant aufmerksam, daß auch L. ein Jude sei, was H. trotz seiner langjährigen Freundschaft mit L. nicht