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Der Israelit · 1890-02-03 · Heft 10 (3.2.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 10 (3.2.1890)
Date
1890-02-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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•'w r^f' 170 worden, welche letztere unter Festhaltung, daß die Unterstützung armer Frauen der nominelle Vereinszweck verbleibe, deren „Hilfsbedürftigkeit" zum Maßstabe normirte und hierdurch der Rücksicht auf die Familienverhältnisse überhaupt freien Raum gestattete. Die Zahl der schon im Jahre 1878 beigetretenen Frauen betrug 91. Von diesen sind im Laufe der Jahre 41 Frauen, zumeist wegen Domiztlswechsel, wiederum aus dem Vereine getreten und 12 gestorben. Der Verein begann mit der Armenbetheilung statutengemäß erst im Jahre 1881. Die Beträge, welche vorher eingelaufen waren und als Sparkasseneinlage den Grundstock eines fruchttragenden Stammkapitales bildeten, hatten an dem Zeitpunkte, mit welchem »also die eigentliche Vereinsthätigkeit ihren Anfang nahm, und nach Abzug aller nothwendig gewordenen Auslagen, die ansehnliche Höhe von 1121 fl. 87 kr. erreicht. Zur Vertheilung an Arme gelangte damals der dritte Theil der Jahreseinnahme. Seit dieser Zeit werden alljährlich drei Viertel der Gesammteinnahme zu Unterstützungen verwendet, während ein Viertel, zu dem noch die laufenden Sparkassen-Ztnsen treten, dem Stammkapitale einverleibt wird. Die Unterstützungen werden in monatlichen Gaben von 1 bis 3 fl. verabreicht; jene Frauen, welche den Verein nur zeitweise in Anspruch nehmen, empfangen größere Beträge; wir haben schon Unterstützungen wiederholt bis zu 35 fl. gewährt und constatiren mit Befriedigung, daß noch keine Frau, die sich an den Verein gewendet, abgewiesen worden sei, vorausgesetzt, daß sie gemäß der Statuten-Bestimmung ihren Wohnsitz in Graz hatte. Ferner werden alljährlich im Winter 80 bis 30 Familien mit (Heizmaterial bedacht; in einem Jahre gelangten auch Kartoffeln zur Vertheilung. Mit dankbarer Anerkennung erwähnen wir, daß feit dem Jahre 1882 von der Firma S. und M. Krohn und zwar durch die Menschfreundlichkeit des Disponenten Herrn Hermann Grünwald alljährlich hundert Centner Kohlen und darüber Ui Vertheilung an die Armen dem Vereine zur Verfügung gestellt werden. Budapest. Die Geschichte von beinahe 1900 Jahren lehrt uns, daß es zu allen Zeiten Leute gegeben hat, welche der altehrwürdigen Religion des JudenthumS treulos den Rücken gekehrt und sich der neuen Lehre zugewendet haben. Die Gründe hierfür wollen wir nicht angeben, sie sind bekannt. Das Leben mit seinen Verlockungen übt auf schwache Naturen einen oft unwiderstehlichen Reiz aus, und wie daS geknickte Rohr vom Winde hin und her geworfen wird, so ist dies auch bei den wankenden und schwankenden Menschen der Fall. Hat Jemand durch die vielen Wendungen und Wandlungen in seinem Leben den Halt verloren, dann ist eS ihm ein Leichtes geworden, sich selbst vom Heiligsten, von dem angestammten Väterglauben loszusagen. Das sind Erscheinungen, die das Leben fort und fort zu Tage fördert. Nun gibt es aber unter den Ueberläufern Solche, welche einem äußeren Zwange, wie das des materiellen Interesses, das des Haschens und Jagens nach Aemtern und Würden, das der Erlangung einer geliebten Person, oder das anderer, weltlichen Motive folgend, aus dem Verbände des Judenthums austraten, dabei sich aber die Sympathie für dasselbe zu bewahren wußten und sich ihrer Abstammung nicht schämten, weil sie sich derselben nicht zu schämen brauchten. Wir könnten eine stattliche Zahl von Männern anführen, die stets und immer, zu allen Zeiten und bei allen Gelegenheiten ihr früheres Judenthum hoch in Ehren hielten, ja, sogar stolz damit thaten. So war es beispielsweise der Dom- und Metropolitanprediger in Wien, der als berühmter Kanzelredner gefeierte Dr. Johann Nepomuk Veit, welcher gegen die Lüge der Blutbeschuldigung entschieden aufgetreten und von der Kanzel des Wiener St. Stefansdomes herab, mit dem Kreuze in der Hand, es feierlichst bekannte, daß er früher auch Jude gewesen und daher betheuern könne, daß die Juden nie Blut gebraucht haben, weil ihnen der Gebrauch des Blutes auf das Strengste und Eindringlichste verboten ist. Ein anderer, noch lebender Geistlicher, Herr Prof. Dr. Paulus Cassel, Pfarrer und Prediger an der Chriftuskirche in Berlin, eine Stütze und Säule der Mission, wählt gar oft zu seinen Missionspredigten das Thema: „Wie aus einem Saulus ein Paulus wurde," und bekennt es offen, ohne Scheu, daß er als Saul (Selig) der Religion des Judenthums angehört hat. Er tritt auch heute noch überall kräftig ein, wo es gilt, das Judenthum gegen ungerechte Angriffe in Schutz zu nehmen. Das verdient eigentlich keinen Dank, das ist Pflicht, und nichts liegt uns ferner, als diesenLeutenWeihrauch zu streuen. Nun gibt es aber auch unrühmliche Ausnahmen, die sich ihrer Herkunft derart schämen, daß sie selbst das von der neuen Lehre als heilig und unverletzlich anerkannte Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter," nicht beachten und pietätlos die Bande des Blutes mit kalter Hand zerreißen. So war dies erst jüngst in der ungarischen Hauptstadt der Fall. Die im öffentlichen Leben sich großen Ansehens erfreuenden Herren Brüder Lögrädy, vormals Pollak, haben vor Jahren durch das Weihwasser den Mosaismus derart abgewaschen,

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